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Aus den Reiseberichten der Brigg „Hermann Friedrich“, Capitain
; Niejahr.
(Mittheilung von der Deutschen Scewarte.)
Der Führer der Deutschen Brigg „Herrmann Friedrich“, Capitain Nie-
jahr, berichtet Nachstehendes über zwei Reisen im Indischen bezw. Atlantischen
Ocean.
1. Von Mauritius nach den Cosmoledo- Inseln und zurück, einige Bemerkungen
über diese Inseln.
Am 11. October 1875. verliessen wir mit frischem Südost- Winde die
Rhede von Port Lowis auf Mauritius und erreichten mit dem beständig an-
haltenden Passat die Cosmoledo-Inseln am 17. Oetober Morgens, nachdem‘ wir
die Nacht vorher unweit derselben beigedreht hatten. Die Strömungen wurden
bis zum Parallel. von Cap Amber, Nordspitze Madagaskars, nordwestlich, in
der Stärke zwischen 4 und 20 Seem. per Etmal schwankend, angetroffen. Nörd-
lich davon hatten wir beständige Gezeitenstrudel, die sich nach Aussage mehrerer
mit den dortigen Localverhältnissen vertrauter Porsonen weit östlich über
den Meridian von Mauritius hinaus und nördlich bis zum Aequator erstrecken,
Alsdann wurde die Strömung nahezu West 25 Seem. in Etmal gefunden.
Die Cosmoledo-Inselgruppe *) besteht aus mehreren grösseren Inseln und
Felsen, die, auf einer Riffbarriere als Untergrund ruhend, nahezu kreisförmig
oine Lagune einschliessen. Die bedeutendste ist die Wizard-Insel im SO der
Gruppe; sie wird mit den darauf befindlichen Bäumen ca. 20 Met. über dem
Meere liegen. Südlich von dieser Insel erstreckt sich ein Riff, welches in seinem
Ausläufer zur Zeit des NW-Monsuns, etwa im November, Dezember, Januar,
Februar und März, einen gelegentlichen Ankerplatz gewährt, wo nach Aussage
von den mit der Gegend vertrauten Leuten sich Lothungen bis nahe zu einer
englischen Meile ab erstrecken und in 13 bis 18 Met. Wasser über weissem
Korallensande mit Korallenbruchstücken haltbarer Grund sein soll. - Hier war
das gestrandete Schiff, dessen Ladung wir zu bergen übernommen hatten, bei
unserer Ankunft leider nur mehr ein Wrack, nachdem es nach Aussage einiger
zur Wache anwesenden Farbigen noch bis vor einem Monat fest im Korallen-
sand eingebettet gestanden hatte, dann aber mit einer Sturmfluth aufgebrochen
war. Als wir diese Inseln in Sicht bekamen, wehte frischer Passat und : das
ganze Riff schien eine einzige Brandungsstelle zu sein. Wir segelten. nun nörd-
lich um die Gruppe, etwa 1 Seem. von der Riffbarriere entfernt und sahen den
weiss durchscheinenden Grund der inneren Lagune sehr deutlich. Der Durch-
nesser derselben wird etwa 7 bis 8 Seem. betragen, und die Wassertiefe ist
nach Aussage unserer Schwarzen reichlich 13 Met. Ausserdem soll die: Lagune
noch durch einen sog. Südwest - Tunnel, mit ca. 8 Met. Wasser, Verbindung
mit dem Ocean haben.
Gegen die Nordostspitze der Inselgruppe hin erhebt sich die Riffbarriere
an mehreren Stellen zu Felsen, die um einige Meter über den Wasserspiegel
emporragen und endet zuletzt in der Nordost- oder Nord-Insel, welche etwa
5 Met. hoch ist, aber als ganz vegetationslose, starre Lavamasse erscheint.
Von der Nordspitze dieser Insel aus erstreckt sich ein Riff, worauf nur wenige
Faden Wasser zu sein scheinen, ungefähr 3 Kblg. weit hinaus. Höchstens die
äusserste Spitze desselben möchte zum Ankern tauglich sein, wenn nicht meistens
sowohl mit dem Südost-Passat, als zur Zeit des NW-Monsuns hier mehr oder
weniger Brandung stände. Von der Südinsel nach Süden hin macht die Riff.
barriere eine sanfte Einwärtsbiegung, und gelegentlich erheben sich hier mehrere
schwarzdunkle Massen als Felsen über der Hochwassermarke, bis das Nordende
% Vergl. Taylor-Horsburgh The India Directory, Part. I, pag. 588, Findlay: Sailing.Direetory
‘or the Indian Ocean (1870), pag. 483. Die Lage der Menai-Insel ist zu 9° 42’ Süd und 47° 38' Ost
angegeben. Raper giebt:
Cosmoledo-Insel 9° 38‘ Süd, 47° 36‘ Ost.
Menai-Insel 9° 41‘ „ 47° 831‘