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Schiffen, deren Berichte uns zugegangen sind, die ungefähr zur selben Zeit nach
Süd steuerten, etwas beitragen. Das eine Schiff war die „Germania“, ein
neues, eisernes, scharfes Schiff, von 890 Registertonnen, unter Führung des
Capitain 0. Romberg, das zweite der „Josef Haydn“, ein neues, hölzernes
Segelschiff von 810 Registertonnen, geführt von Capitain F, Kruse, und das
dritte die „Lima“, ein sogenanntes Compositeschiff, mit eisernen Spanten und
hölzerner. Beplankung, scharf gebaut, 860 Registertonnen gross, geführt von
Uapitain L. Ellerbrock. Alle drei Schiffe waren tiefbeladen; in diesem
Zustande war wahrscheinlich der „Josef Haydn“, das vollgebauteste der drei
Schiffe, das am schlechtesten segelnde.
„Josef Haydn“ und „Lima“ waren am 31. Juli 1874 sehr. nahe zusammen
in etwa 29° Nord-Br., während die „Germania“ dann schon über 10° südlicher
stand; „Germania“ und „Josef Haydn“ nahmen ihren Kurs östlich von
den Cap Verden, „Lima“ steuerte nach deren West- Seite. Am 8, August
waren „Josef Haydn“ und „Lima“ beide auf 16° Nord - Br., jedoch diese in
26.8s° West-Lg., jener in 21.1ı° West-Lg. Die „Lima“ hatte bis dahin eine
grössere Distanz, dabei platter vor dem Winde segelnd, durchlaufen, als der
„Josef Haydn“; ihre Windnotirungen sind jedoch auch durchgängig um eine
oder zwei Nummern höher. Die „Lima“ steuerte nun etwas nach Ost hin.
Die „Germania“ war am 8. August schon in 7.7° Nord-Br. und 20° West-Lg.
Den Nordost-Passat verloren die drei Schiffe „Germania“ in 14° Nord-Br.
und 20.,° West- Lg. am 2.6. August, der „Josef Haydn“ in 14° Nord-Br. und
21° West-Lg. am 8.2. August und „Lima“ in 12.4° Nord-Br. und 26° West-Lg.
am 9. August. „Lima“ verlor den Passat also 1.s° südlicher, für die 5° Länge,
welche sie weiter westlich stand, als ihre Mitsegler, Nun verlor die „Germania“
aber nach Aufhören des Passates 3.6 Tage in anhaltenden Stillen und leichtem,
reränderlichem Luftzuge, bevor sie den SW-Wind erhielt; derselbe setzte ein in
11.9° Nord-Br. und 21° West-Lg. Der „Josef Haydn“ erhielt denselben kaum
24 Stunden nach Verlust des Nordost-Passates in 13.3° Nord-Br. und 21° West-
Lg. und die „Lima“ brauchte auch nur 24 Stunden zu warten, bis sie in 11.8°
Nord-Br. und 26° West-Lg. frischen SW-Wind erhielt.
Alle drei Schiffe lagen dann beim Winde über Steuerbordhalsen, bis der
westliche Wind allmälig recht Süd, schon der Anfang des Südost-Passates, lief,
Jlann wendeten alle drei nach Westen. Bei der „Germania“ trat dieses ein in
5° Nord-Br. und 18.,° West-Lg. am 11.s. August, bei dem „Josef Haydn“ in
5.1° Nord-Br. und 15.1° West-Lg. am 15.s. August und bei der Lima in 54°
Nord - Br. und 17.8 West - Lg. am 15. August. „Lima“ stand also nun weiter
östlich, als wie die „Germania“ in ihrer Breite gestanden hatte; gewonnen hatte
sie bis soweit gegen ihren nächsten Nebenbuhler nur wenig; auch hatte der
„Josef Haydn“ sich sehr gut gehalten, Von 30° Nord - Br. bis zum Eintritte
les Südost - Passates hatten die verschiedenen Schiffe gebraucht: „Germania“
16.6 Tage, „Josef Haydn“ 16.6 Tage und „Lima“ 15.5 Tage. Auf dem weiteren
Wege zur Linie traf die „Lima“ nun aber frischeren Wind und gewann
deshalb.
Die „Germania“ schnitt den Aequator in 25.,° West-Lg. nach 21 Tagen
von 30° Nord-Br. her, der „Joseph Haydn“ in 283.2° West-Lg. nach 20 Tagen
and die „Lima“ in 22.6° West-Lg. nach 18.4 Tagen von 30° Nord- Br. her.
Die „Lima“, welche von Westen der Cap Verden her kam, stand nun also am
Östlichsten und hatte dabei den weiteren Weg zur Linie in der kürzesten Zeit
zurückgelegt. ;
Südlich vom Aequator hielten die beiden nach Cap Horn bestimmten
Schiffe voller weg, als das rund mm das Cap der guten Hoffnung segelnde, und
in etwa 12° Süd-Br. ist die „Lima“ wieder ebenso weit westlich wie die
„Germania.“ (Vergl. die beigefügte Tabelle.)