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Allt ein paar Grado südlich der Durchschnittsbreite der anderen. Die Reihen-
semperaturen des Schnitts befinden sich Tab. II sub VIII bis XII (No. 140
bis 144) zusammengestellt.
25. Die oberen Isothermen verlaufen sehr gleichmässig, dadurch Ruhe
des Wassers oder einen meridionalen Strom indieirend. Der Richtung der schon
bei No. 139, Tab. I, angegebenen naturgemässen SO - Strömung scheint durch
die vorherrschenden starken Westwinde eine mehr östliche Tendenz verliehen
zu werden. Bei No. 141 ist der Strom in 50 und 100 Faden, wo der Wind
weniger Einfluss übt, daher auch südlicher gemessen worden. Die bei No. 142
gemessene ONO - Strömung scheint eine locale Veranlassung gehabt zu haben.
Yarscht man nämlich unter Zuhülfenahme unseres meteorologischen Beobachtungs-
Journales, dem dabei notirten verhältnissmässig geringen specifischen Gewichte
nach, so findet man, dass dasselbe nur während der Morgenstunden, d. h. zur
Zeit der Beobachtung stattgefunden hat.
In jenem Journal ist gleichzeitig stark fallender Nebel und Regen notirt,
30 dass eine ganz natürliche Erklärung vorliegt. Dem geringen specifischen
Gewicht bei nicht wesentlicher veränderter Temperatur entspricht aber nörd-
liche Strömung, weil im Nord das salzhaltige Wasser ist, wodurch die Currung
derselben von SO nach NO begründet ist. Nimmt man an, dass der Regenfall
stark genug war, um noch bis auf 100 Faden Tiefe zu wirken, so ist auch die
in. 50 und 100 Faden gemessene nördlichere Strömung erklärt, indem nämlich
hier die Wirkung des stattgehabten Nordwest-Windes aufhört, die an der Ober-
fäche den nördlichen Gleichgewichtsstrom ostwärts ablenkte. Es muss freilich
dahin gestellt bleiben, ob der Regen bis auf diese Tiefen wirken kann und ob
nicht dennoch hier eine von weiter her kommende Strömung nach Nord vorhanden
ist, deren Ursachen sich aus dem einen Beobachtungsschnitt nicht erklären
lassen; der Isothermen - Verlauf spricht dafür aber jedenfalls nicht, er deutet
vielmehr durch ein geringes Aufwärtssteigen der 8° und 10°-Temperaturen auch
ın der Tiefe nur eine geringe Unregelmässigkeit an.
26. Bei den folgenden Beobachtungen ergab die Bestecksrechnung in-
differente Strömungen in Uebereinstimmung mit dem gleichmässigen Verlauf der
oberen Isothermen.
27. Das Heraufgehen der 4°.Isotherme bei No. 141 mag — wenn es
nicht auf einem Thermometerfehler beruht!) — eine Wirkung der Boden-
erhebung bei No. 142 sein.
28. Im Allgemeinen scheint die 3°-Isotherme die Richtigkeit der An-
nahme zu bestätigen, auf welche sich die Discussion sub 23 zum Theil stützte,
dass nämlich diese Isotherme sich der Stromrichtung des Bodenwassers ent-
gegen der Oberfläche nähert. Natürlich kann dies hier nur in sehr geringem
Maasse hervortreten, weil die Breitenänderung sehr unbedeutend ist. Die Beob-
achtung No, 144 bleibt dabei ausser Betracht, weil bei ihr sich der Einfluss der
nahen Küste des Südamerikanischen Festlandes und der dort in der Regel vor-
handene südlich setzende Küstenstrom geltend zu machen scheint.
Dieser Strom ist vermuthlich nichts anderes als die durch die Küste ver-
anlasste Abbiegung des in der gemässigten Zone dieses Oceans vorhandenen
und bei fast allen unseren Beobachtungen constatirten östlichen Stromes, der
nur gering erwärmtes Wasser führt, weshalb die Strömung sich viel mehr in
der Tiefe geltend macht, als dies bei den Tropenströmen der Fall ist, wenn
diese nach den kalten Gegenden abzubiegen gezwungen werden.
Zur vollkommenen Klarlegung der Erscheinungen der Beobachtung No. 144
würde es noch des Vergleiches mit Beobachtungen südlich und nördlich davon
bedürfen, die: zum Theil wenigstens durch die Untersuchungen des britischen
Kriegsschiffes „Challenger“, welches die Passage durch den südlichen Stillen
Ocean einige Grade weiter nördlich genommen hat, später zu gewinnen
zein werden.
1) Die Thermometer sind allmälig ziemlich unzuverlässig geworden, indem die Haarfedern des
kleinen Stahlindex in der Röhre ihre elastische Kraft zum Festhalten durch den vielen Gebrauch ein-
yebüsst haben.