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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 4 (1876)

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peratur ausser Betracht, so könnte man aus der Zunahme der Bodentemperaturen 
von 0,7° bei No. 134 bis auf 1.1° bei No. 186 und 137 zu der Annahme gelangen, 
dass hier, umgekehrt wie im Atlantischen Ocean, der arktische Bodenstrom 
über den Aequator in den südlichen Stillen Ocean tritt und etwa erst zwischen 
30° und 36° Süd-Br. mit dem antarktischen Bodenstrom zusammentrifft. 
Mit dieser Annahme stimmt ein Schluss überein, den man.aus der Mäch- 
tigkeit der kalten Schicht, welche durch den Verlauf der 3° und 4°-Isothermen 
bezeichnet wird, zu ziehen im Stande ist. Es ist ja einleuchtend, dass das 
zalte Wasser allmälig und um so mehr erwärmt werden muss, je länger es nach 
dem Aequator resp. über diesen hinaus fliesst und dass somit die Menge resp. 
die Mächtigkeit der aus kalten Gegenden kommenden Wasserschicht abnehmen 
der was dasselbe ist, dass ihre durch die 3° und 4°-Isothermen ausgedrückte 
obere Grenze sich von der Oberfläche in der Stromrichtung entfernen muss. 
In dieser um deshalb so schwer zu entscheidenden Frage, weil nur dieser 
gine Schnitt durch den Ocean bei ihrer Erörterung zum Grunde gelegt und ein 
ınbedeutender Thermometerfehler z. B. in der Bodentemperatur bei No. 134 
ınd 135 trotz des Verlaufes der 3°—4°-Isothermen die Annahme erschüttern 
müsste, wird es angezeigt sein, den Verlauf der 4°-Isotherme im nördlichen 
Atlantischen Ocean zu Rathe zu ziehen, da hier bereits früher, sowohl von 
3. M. S. „Gazelle“, wie vom englischen Schiffe „Challenger“ als wahrscheinlich 
aingestellt werden konnte, dass der antarktische Bodenstrom dort weit 
nördlich des Aequators geht. Aus dem Diagramm II in No. 5 der „Annal. 
1. Hydr.“ etc. 1875 ist ebenso wie aus dem von dem „Challenger“ aufgestellten 
(von Madeira bis 3° 8‘ Nord-Br.) ersichtlich, dass im Gebiete des antarktischen 
Stromes die 3° und 4°-Isothermen sich nach Nord hin, also auch in der Rich- 
tung des Stromes von der Oberfläche entfernen. Es ist dies daher genau der 
Gegensatz von dem in vorliegendem Diagramm Constatirten, wo sich diese Iso- 
;hermen wenigstens bis zum Örte von No. 138 nach Süd hin senken. Wenn im 
Atlantic also der südliche Bodenstrom den Aequator nach Nord überschreitet, 
30 ist es wahrscheinlich, dass im Stillen Ocean die entgegengesetzte Erscheinung 
auch durch die entgegengesetzten Verhältnisse bedingt wird, also ein Ueber- 
schreiten nach Süd hin stattfindet. 
Es wird hiermit nicht als in Widerspruch stehend angesehen werden 
können, dass die beiden Bodentemperaturen, welche in der Höhe von 1.7° und 
1.8° C. auf der Reise von Amboina nach Neu-Hannover unterm Aequator ge- 
messen wurden, so viel höher sind, da es sehr wohl möglich ist, dass das 
3Zodenwasser hier nicht mit den tiefsten Theilen des Stillen Oceans communi- 
zirt, denn die zahllosen Inseln, welche diesen westlichen Theil des Oceans ring- 
förmig umschliessen, haben wahrscheinlich abschliessende Bodenerhebungen zur 
Basis. 
Die Frage ist jedenfalls von ganz besonderem Interesse und die Lösung 
in oben gegebener Richtung gewinnt an Wahrscheinlichkeit, wenn man folgende 
Erwägung anstellt, welche gleichzeitig geeignet ist, einige Streiflichter auf den 
Wasseraustausch der Oceane unter sich zu werfen. 
Dringt nämlich das antarktische Bodenwasser wenn auch nur mit einem 
in Breite begrenzten Strome bis weit über den Aequator in den Nord-Atlan- 
sischen Ocean, so erhellt, dass diesem sehr bedeutende Massen von Wasser 
aus dem Süd-Atlantischen Ocean zugeführt werden, denn das Bodenwasser bildet 
%ine Schicht von durchschnittlich weit über 1000 Faden (1830 Met.) Mächtigkeit. 
Wo bleibt diese Wassermasse? Kin starker, in den Süd-Atlantischen Ocean zurück- 
‚ührender Oberflächenstrom existirt nicht, denn sogar die Strömung des SE- Pas- 
zates führt ihr Wasser mehr dem Golfstrom zu, als dem brasilianischen Küsten- 
strom. Es scheint nur die eine Annahme übrig zu bleiben, dass ein grosser 
Theil dieses Wassers durch das nördliche Eismeer und die Behrings-Strasse in 
den nördlichen Stillen Ocean entweicht, wodurch es die Wirkung haben mag, 
dem arktischen Strome dieses Oceans eine Präponderanz über seine ant- 
arktische Strömung zu verschaffen, 
Der südliche Stille Ocean muss mithin, damit der unerlässliche Kreislauf 
vollendet werde, einen Theil seines Wassers wiederum an den Süd-Atlantischen 
Ocean abgeben und dass dies der Fall sein mag, dafür könnte man als einen
	        
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