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Nordöstlich der Ausfahrtsinsel sind ein paar Felsen und Klippen, während
man die ebenfalls keilförmige und hohe, aber bewaldete Jackson-Insel in nord-
wostlicher Richtung liegen sieht.
Bevor man in den Kanal zwischen Seeland und der Ausfahrtsinsel ge-
langt, sieht man links die hohen Berge von Batanta über den niedrigen Inseln
der Galewo - Strasse und voraus die in Folge der Entfernung niedriger er-
scheinende, aber in Wirklichkeit sehr hohe Insel Waigir, welche man zuerst in
drei bis vier Theilen sichtet, da die niedrigeren Partien lange unter dem
Horizonte bleiben,
Ebbe und Fluth-Strömung. Es wurde beim Passiren der Galewo-Strasse
kein anderer Strom als Ebbe und Fluth.beobachtet, die aber nicht besonders
stark und durchschnittlich in der Kursrichtung zu setzen scheinen. Im West-
Tafen ergaben die Beobachtungen der Gezeiten das eigenthümliche Resultat,
lass Ebbe resp. Fluth nicht je sechs Stunden laufen, sondern dass in 24 Stunden
auf eine lange Ebbe und eine lange Fluth, jede von eirca acht Stunden,
eine kurze Ebbe und eine kurze Fluth von je vier Stunden folgt, Demgemäss
ziebt es zwei Hafenzeiten, welche circa acht resp. vier Stunden von einander
antfernt. liegen. Als ungefähre Hafenzeiten wurde 3!/4* und 11'/2% ermittelt.
Der.Strom lief im West-Hafen als Fluth südwärts mit 1.4 bis 2.2 Knoten im
Maximum, und als Ebbe nordwärts mit 0.6 bis 1.9 Knoten im Maximum, wobei
der stärkere Strom bei den achtstündigen Gezeiten, der schwächere bei den
rierstündigen gemessen wurde, während es sich mit dem Fallen und Steigen des
Wassers gerade entgegengesetzt zu verhalten schien, d. h. das höhere Hoch-
wasser fand nach der vierstündigen Fluth statt, das niedrigere Niedrigwasser
aach der vierstündigen Ebbe. Es ist Indess in Bezug auf letzteren Punkt zu
sgemerken, dass das Steigen und Fallen nicht an einem Pegel beobachtet wurde,
sondern mit Lothleinen, so dass dieser Theil der Beobachtung nicht hinreichend
zuverlässig ist, weshalb die Höhe der Fluth über der Ebbe auch nur ungefähr
als 3.6 Met. im Durchschnitt angegeben werden kann.
Die Erscheinung wird ihre Erklärung dadurch finden, dass in dieser
Strasse sich die Gezeiten zweier Oceane begegnen. Wie aus obigen Strom-
angaben hervorgeht, überwiegt der südliche Strom den nördlichen um etwas,
jedoch nur sehr wenig. Da die Beobachtung in einem flussähnlichen Seiten-
arme der Strasse stattfand, lässt sich annehmen, dass im breiteren Theile der
Strasse der Strom geringer ist, wie dies auch beim Durchlaufen derselben er-
fahren wurde.
Winde. Im Monat Juni wurde der Wind vorherrschend zwischen Süd
ınd ESE gefunden von Stärke 1 bis 4 doch kam auch SSW und SW-Wind von
Stärke 3 bis 6 vor. Das Wetter war, bis auf ein paar Regengüsse an jedem
Tage, gut.
6 ’. Da, die Kurse nicht östlicher als NO sind, würde ein Segelschiff während
des SE-Monsuns, ohne zu kreuzen, die Strasse nordwärts passiren können, sofern
die Winde durchschnittlich so sind, wie sie im Juni gefunden wurden.
Kurse durch das Fahrwasser. Das durch die Strasse führende Fahrwasser
ist im Ganzen kein complicirtes. Es sind oben verschiedene Kurse vorgezeichnet
worden, um mit Sicherheit den Riffen aus dem Wege zu gehen; es ist indess
zu bemerken, dass, wenn gut gesteuert wird und keine Stromversetzung erfolgt,
man den complicirteren Theil der Strasse mit drei Kursen passiren kann,
nämlich: NO vom Eintritt in das weitere Becken bis zur zweiten Weg-Insel,
Nz0'/40 von hier bis nach Passiren des Riffes bei der Sand-Insel und: von
hier N!4A0 bis in den Stillen Occan.
Bemerkungen zu der Karte.
Diesem Berichte des Capitain z. See Freiherrn v. Schleinitz ist eine
Karte beigegeben, auf welche im Texte mehrfach hingewiesen ist. Diese Karte
anthält vier gesonderte Aufnahmen an der Nordwestküste von Neu-Guinea im
Jahre 1875, ausgeführt von Offizieren S. M, S. „Gazelle“, Capitain z. See