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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 4 (1876)

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Buenos Aires — Ensenada Eisenbahngesellschaft einen solchen in Punta Lara 
stationirt, dessen Dienstleistungen sie sich aber recht ansehnlich bezahlen lässt. 
Um ein Schiff, gleichviel welcher Grösse, von der Aussenrhede nach der Binnen- 
-hede und von dort an die Brücke zu lootsen, berechnet dieselbe nämlich 
L000 Pesos m/c d. h. 40 Pesos fuertes (AM 160). Auf der Binnenrhede liegt 
man, trotzdem der Ankergrund nicht allzu haltbar ist, doch bedeutend besser 
und sicherer als auf der Rhede von Buenos Aires, denn vor dem namentlich 
im Sommer vorherrschenden SE-Winde ist man durch Punta Santiago geschützt, 
und der NE-Wind, der deshalb der gefährlichste ist, weil er gerade auf das 
Land zu weht, macht keine hohe See. Dabei liegen die Schiffe meistens auf 
dem Strom, entweder nach Südost oder nach Nordwest, so dass es nicht sehr auf die 
Anker ankommt. Der höchste Seegang wird durch nördliche Winde hervor- 
zebracht, jedoch sollen diese, nach Aussage des Lootsen, nur sehr selten wehen. 
Alle übrigen Winde von NNW durch West bis SE, darunter die so gefürchteten 
Pamperos, sind Winde, die vom Lande her wehen, und deshalb nicht gefahr- 
oringend. 
Die, wie schon erwähnt, ca. 600 Met. lange und bei gewöhnlichem Hoch- 
wasser reichlich 4 Met. über dem Wasserstande sich erhebende Brücke erstreckt 
sich in der Richtung NOzN fast rechtwinklig von der Küste. Der Kopf der- 
selben macht eine kleine bogenförmige Schwenkung nach Norden. Wegen der 
getroffenen Vorkehrungen können gleichzeitig nur zwei Schiffe an der Brücke 
löschen, und diese beiden liegen fast ausschliesslich an der Nordwestseite der- 
selben. Vorn sind dieselben mit beiden Bugankern verankert, von denen einer 
nach NNO, der andere nach Nord hinsteht und 137 — 165 Met. Kette hat. 
Hinten nach nordwestwärts sind die Schiffe an kleinen Moorings verteit und 
ferner vorne und hinten mit allen nur zu Gebote stehenden Tauen und Leinen 
an der Brücke befestigt. Der Wasserstand längsseit der Brücke schwankt 
zwischen 4,9 und 5,5 Met. unter gewöhnlichen Umständen und ist deshalb in 
Hinsicht der Tiefe keine Gefahr vorhanden, Der Ankergrund ist aber schlecht 
und in Folge dessen ist die Brücke auch, so lange keine genügend haltbare 
Moorings gelegt sind, ein für Schiffe höchst gefährlicher Löschplatz. Bei nörd- 
lichen steifen Brisen, ganz abgesehen von Stürmen, sind die Schiffe wegen der 
alsdann sofort sich erhebenden kurzen See genöthigt, abzuholen. Bei nördlichen 
Winden läuft der Strom fast immer aus und zuweilen sogar mit einer Ge- 
schwindigkeit von 2 Knoten per Stunde. Das Schiff liegt nun mit der Breit- 
seite gegen diesen Strom, und somit ist es bei Winden, die nördlicher sind als 
NEzN, fast unmöglich, das Schiff, da die Anker schleppen, vor grossem Schaden 
zu bewahren. Aus diesen Ursachen erlitten von Dezember 1874 bis Ende Fe- 
bruar 1875 nicht weniger als fünf Schiffe von zehn, von denen jedes während 
dieses Zeitraumes an der Brücke ungefähr die halbe Ladung löschte, sehr be- 
deutende Havarien. Eines derselben war so sehr beschädigt, dass es condemnirt 
werden musste, die Havarie war auf Z 1080 taxirt; ein anderes besserte seinen 
erlittenen Schaden für & 800 wieder aus, noch ein anderes hatte Havarie bis 
zu Z 180 u. 8. f. In Anbetracht dieser Umstände sollte meiner Ansicht nach 
jeder Rheder und jeder Capitain sich in Acht nehmen, eine Charterpartie ab- 
zuschliessen, nach welcher er an Punta Lara Pier zu löschen hätte, da dem 
Schiffe in keiner Hinsicht ein Vortheil daraus erwachsen kann. 
Was nun überhaupt das Löschen anbetrifft, welches den Verfrachtern bei 
Frachtabschluss jedenfalls in das günstigste Licht gestellt wird, so geht dieses 
irotz der Dampfkrähne und Eisenbahnwagen doch in jeder Beziehung sehr 
langsam von Statten, da zu viele störende Umstände darauf einwirken. Auf 
ler Rhede mangelt es an Leichtern, an der Brücke fehlen die Eisenbahnwagen, 
sobald nur einige Schiffe auf der Rhede in Leichterfahrzeuge löschen, denn 
liese werden ebenfalls an der Brücke mit Krähnen und in Kisenbahnwagen 
antlöscht. Im günstigsten Falle und bei gutem Wetter würde zwar ein Schiff‘ 
welches aus drei Luken löschen kann und genügende Mannschaft zum Füllen 
ler Tonnen hat, ca. 180 bis 200 Tons per Tag löschen können; solche Umstände 
werden aber selten eintreten und daher ist Punta Lara Pier für’s Erste kein 
zuter Löschplatz für Schiffe. 
Die Buenos Aires— Ensenada Eisenbahngesellschaft geht nach Aussage 
der Ingenieure mit dem Project um, genannte Brücke in nordwestlicher Richtung
	        
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