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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 4 (1876)

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während die Umsegelung. des Cap Horn nur im seltenen Fällen schr zeit- 
-aubend ist. ; 
Mit der Passage durch die Strasse von West nach Ost verhält es sich ähnlich. 
Sie ist für Segelschiffe entschieden weniger empfehlenswerth, als diejenige um 
Cap Horn, weil erstens die Gefahren der Strasse, namentlich die im Anlaufen 
derselben bestehenden, grösser sind, und weil zweitens, trotz des kürzeren Weges, 
die Fahrt durch die Strasse mehr Zeit beansprucht, als die um Cap Horn, denn 
in ihrem jetzigen Zustande ist es für ein Segelschiff riskant, in der Strasse wäh- 
rend der Nacht unter Segel zu bleiben. In den meisten Fällen wird zwei bis 
vier Nächte geankert werden müssen und dadurch wird die grössere Distanz um 
Cap Horn, wo die günstigen stürmischen Winde voll ausgenutzt werden können, 
mehr als ausgeglichen. 
Selbst bei zweckentsprechender Beleuchtung der Strasse werden. aber 
neiner Ueberzeugung nach Sogelschiffe nicht blos von Ost nach West, sondern 
auch von West nach Ost dem sicheren Weg um Cap Horn den Vorzug geben, 
denn die Winde in der Strasse springen nicht nur hin und her, sondern kommen 
vielfach mit so kolossal heftigen Stössen von den Gebirgen, dass ein Schiff in 
der Strasse jederzeit zu grosser Vorsicht, d.h. wenig Segel zu führen, genöthigt 
ist, und häufig ireten zwischen diesen Stössen Flauten und Stillen ein, die ein 
Segelschiff, ganz abgesehen vom Aufenthalt, namentlich in den engeren Theilen 
gefährden. 
Diese Verhältnisse könnten möglicherweise durch Stationirung von sehr 
starken Schleppdampfern, namentlich für die westwärts bestimmten Schiffe, cine 
Aenderung erfahren, da in Folge des sehr billigen Preises der bei Punta Arenas 
gewonnenen (freilich sehr schlechten) Kohlen die Kosten des Schleppens durch 
len Zeitgewinn aufgewogen werden könnten. 
Schliesslich wird noch der kleineren Segelschiffe zu gedenken sein, welche 
lie Gewässer von Patagonien und Feuerland behufs Fisch- und Robbenfangs 
befahren und welchen ein Versehen der Strasse mit Seezeichen für Tag und 
Nacht natürlich ihr schweres Handwerk erleichtern würde. 
Für Dampfer liegen die Verhältnisse dagegen anders, wie für Segelschiffe, 
Die Navigirung in der Strasse bietet bei Tage nur im östlichen Theile einige 
Schwierigkeit und diesen Theil hat die chilenische Regierung in anerkennens- 
werther Weise bereits mit einer Anzahl entsprechender Tages-Seezeichen ver- 
schen, welche allerdings noch eine Vervollständigung erfahren sollten, auf die 
ich später zurückkomme. 
Die westwärts und namentlich die nach der Westküste Süd-Amerika’s 
bestimmten Dampfer thun daher schon jetzt unbedingt besser, wenn sie der 
Strasse mit ihrem, zum Theil auch bei Sturm, ziemlich glatten Wasser vor der 
Passage in der hochgehenden See um das Cap Horn den Vorzug geben, wenn 
sie auch wegen mangelnder Beleuchtung der Strasse genöthigt sein sollten, 
3inige Male zu ankern. Ein Gleiches gilt von den, von der Westküste Süd- 
Amerika’s kommenden ostwärts bestimmten Dampfern, welche, ihren Weg durch 
den Sarmiento- resp. Smyth-Channel nehmend, nicht bei Cap Pillar in die 
Magellan Strasse eintreten. 
Die aus anderen westlicheren "heilen des grossen Oceans kommenden 
Dampfer (es dürften dies zur Zeit nur wenige, grossentheils Kriegsdampfer sein) 
werden, wenn es ihnen auf Zeitersparniss ankommt, so lange die Strasse nicht 
beleuchtet ist, gleich den Segelschiffen der Passage um das Cap Horn den 
Vorzug geben. Ohne Zweifel würden sie aber nicht bloss Zeit gewinnen, 
sondern sich den Vortheil, in Punta Arenas die Kohlen aufzufüllen, zu Nutzen 
machen, wenn das Anlaufen und das Navigiren in der Strasse durch geeignete 
Seezeichen von seinen jetzigen Gefahren befreit wird. Immerhin aber hat für 
zie eine Bebakung und Beleuchtung der Strasse nicht dieselbe Wichtigkeit, wie 
für die westwärts bestimmten Dampfer. 
Hiernach wird die in Rede stehende Frage nur vom Standpunkte der 
Frequenz der Strasse durch Dampfer und nicht durch Segelschiffe zu betrachten 
sein, und zwar weniger durch gelegentliche Dampfer, als durch solche, welche 
die Passage regelmässig oder wenigstens öfter nehmen und von deren Capitainenete, 
man daher annehmen kann, dass sie sich bald mit der Navigirnng durch die 
Strasse einigermassen vertraut machen, so dass von einer so ausreichenden und
	        
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