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mangels täglich nur ca. ’/s Stunde gewaschen werden, und würde die Anlage
einer grösseren Wasserleitung ein Kapital von 50,000 % erfordern. Das ganze
Unternehmen scheint jedoch auf solider Grundlage, wenn auch vorläufig noch
in sehr kleinen Verhältnissen, zu arbeiten, und hat nicht den Charakter der so
zahlreichen Süd-Amerikanischen Scheinunternehmungen.
IT, Westlicher Theil der Magellan-Strasse von Punta Arenas bis zu dem
Golf von Trinidad.)
Am 1, Februar hatten wir endlich unseren Kohlenvorrath aufgefüllt und
gingen am 2. Morgens weiter nach Westen. Bis südlich von Port Famine —
schrecklichen Angedenkens, da von 300 Ansiedlern, die von Sarmiento dort ab-
gesetzt wurden, nach einem Jahre nur noch zwei am Leben und die Uebrigen ver-
hungert waren — behalten die Berge ihre reiche Vegetation bei und gewähren
einen. schönen Anblick, welcher noch erhöht wird durch die zahlreichen schnee-
„edeckten Spitzen, die sich glänzend gegen das dunkle Grün des Laubholzes
abheben. Von Cap Jsidro aus bietet sich dem Auge ein prachtvolles Alpen-
Panorama dar, indem sich die hohen schneebedeckten Berge und Gletscher von
Clarence Island auf viele Meilen scheinbar dem Schiffsbuge quer vorlegen.
Dieses prachtvolle Bild erhält sich bis Cap Holland, wo die Vegetation spär-
ılcher wird, dafür jedoch die Berge durch ihre Massenhaftigkeit und düsteren
Formen imponiren. Cap Holland selbst erscheint als Insel von NO gesehen
und bietet eine gute Landmarke.
Cap Froward, der südlichste Punkt, den wir erreichten, liegt auf 53° 53“
Süd-Br. und scheint für diese Gegend die Wetterscheide zu sein; denn getreu
len alten Ueberlieferungen und den Beschreibungen der Sailing Direetions setzte
der hier das ganze Jahr hindurch vorherrschende NW mit Regen ein, so dass
wir mit Mühe unseren ersten Ankerplatz, Cap Gallant, Abends 8 Uhr erreichten.
Während wir in Punta Arenas die Kraft der hier eigenthümlichen schweren
Böen, „Williwaws“ genannt, unterschätzt hatten, orfuhren wir hier zu unserer
unangenehmen Ueberraschung, dass dergleichen Windstösse doch den Aufenthalt
sines Schiffes vor Anker in den engen Ankerplätzen, von hohen Bergen um-
geben, sehr unangenehm und gefahrvoll machen können.
Kaum waren wir bei Cap Gallant zu Anker gekommen, als wir ein
Üanoe mit drei Eingeborenen erblickten, welche sich uns furchtsam näherten.
Durch Zuwinken vertraulicher gemacht, kamen sie längsseit und boten uns einen
Anblick dar, wie ihn noch Niemand von uns gehabt hatte. Man denke sich
liese armen Menschen bei ca. 5° C. in strömendem Regen bis an die Hüften
vollkommen nackt, unten nur von einigen leichten Fellen bedeckt, in einem ge-
orechlichen Canoe aus Baumrinde hockend, vergnügt schwatzend und um Brot
und Tabak bettelnd. Es gelang uns, einige Speere mit Knochenspitzen und
Felle einzutauschen, doch waren die Eingeborenen schlau genug, sich zuerst
eine Menge Sachen, wie Tabak, Glasperlen, bunte Bänder in ihr Canoe werfen
zu lassen, ehe sie etwas dafür wieder gaben, und zogen schliesslich höchst ver-
gnägt über ihren Handel wieder ab. In der Nacht kam noch ein grösseres
Canoe mit acht Personen, die ähnlich bekleidet waren, an Bord, und konnten
erst durch energische Winke bewogen werden, wieder abzuziehen. Am nächsten
Morgen waren die Wilden wieder da, trotz strömenden Regens, für den sie
sich einigermassen durch ein Feuer, welches im Canoe auf einigen Steinen unter-
halten wurde, zu entschädigen suchten.
Bei Tagesanbruch lichteten wir Anker und setzten bei Sturm und Regen
ınsere Reise nordwestwärts fort. Von jetzt ab war es nicht mehr möglich,
mit drei Kesseln irgend welche Fahrt zu machen, die uns ermöglicht hätte,
mseren nächsten Ankerplatz, ca. 80 Secm. weit, an demselben Tage zu er-
ceichen; cs musste deshalb stets mit voll Dampf und vier Kesseln gegangen
werden. Dabei erschwerten der fortwährende Sturm und Regen das Sehen
ınd Peilen ungemein. Glücklicherweise sind die Berge hoch genug und kann
nan fast überall bis auf !/ Kbly. horanlaufen und sich auf diese Weise orien-
5 l) S. The South America Pilot, Part, II (1875), pag. 89, 91, 94, 98, 135, 141, 145 bis
50, 167.