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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 4 (1876)

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bieten keine guten Landmarken, und kann man nichts Anderes thun, als die 
Mitte des Kanals zu halten, der hier stellenweise 12 Seem. breit ist. 
Am Ende der Narrows bietet Point Barranca eine gute Marke, obgleich 
sie nur eine niedrige Landspitze von dunkler Färbung ist. Die Hügel der Süd- 
küste sind fast nicht zu Peilungen verwendbar, da sie nicht zu unterscheiden 
ind. Wenn erst die projectirte Bake auf Baxa Point fertig sein wird, so dürfte 
liese eine gute Landmarke abgeben, die um so wichtiger ist, als man durch 
Peilungen des Westendes der Narrows den Ort des Schiffes mit Bezug auf die 
Tribune und Triton Bank festzustellen hat. 
Es scheint deshalb vorläufig ratlısam, die oben erwähnten Hügel nicht 
zu Peilungen zu benutzen, sondern mit. SW'/2W-Kurs so lange zu liegen, bis 
man Gregory Shoulder, das westliche Ende der nördlichen Hügelkette, in West 
peilt, wobei man sich SW von den Bänken befindet und nun seinen Kurs auf 
die Second Narrows durchhalten kann, Hier bietet wieder Cap Gracia eine sehr 
gute Landmarke, die man nur an Steuerbord offen zu halten braucht, um in die 
Second Narrows einzulaufen, !) 
Von Cap Gracia aus ist Elizabeth Island schon zu sehen, welches man 
ebenfalls an Steuerbord offen hält und sich der Nordspitze, Cap Sylvester, bis 
auf !/a Seem. nähert, um zwischen dieser Insel und Santa Marta und deren Un- 
ziefen hindurch zu gehen. Hier in Lee von Elizabeth Island geriethen wir 
zuerst in grosse Strecken von Seetang, dessen Stämme wohl 15—18 Met. lang 
werden, und mit den 60 bis 90 Centimet. langen Blättern mit Luftkapseln auf 
dem Wasser schwimmen. Schaaren von Möven und Enten umkreisten die Insel, 
die als Brüteplatz derselben bekannt ist. 
Wenn man sich so 1 Seem. von Elizabeth Island hält, so bekommt man 
Cap Negro in Sicht und wird angenehm überrascht, hier Wald-Vegetation und 
ein weisses Haus zu sehen, das erste Zeichen menschlichen Daseins von Virgins 
an, Dieses Haus bietet eine gute Landmarke und könnte wohl in die Karte 
als solche eingetragen werden. Von hier aus wendet sich die reich bewaldete 
Küste nach Süden und bald kommt die Landspitze von Punta Arenas in Sicht. 
Das Ende dieser Landspitze ist durch einen sehr auffälligen Busch bezeichnet, 
während das niedrige Land derselben fast ganz verschwindet. Eine rothe 
Tonne bezeichnet das Ende der Bank. Schon über die Landspitze weg sicht 
man die Häuser von Punta Arenas und ankert in ca. 22 Met. mit gutem Anker- 
grund, die Kirche NWzW haltend, in 1 Seem. Abstand. 
Die Ansiedelung Punta Arenas ist chilenisch und war früher Station für 
Deportirte; seit drei Jahren hat man sie als solche insofern aufgegeben, als 
jetzt nur noch Deserteure etc. hierhergeschickt werden. Gegenwärtig sind 
82 Sträflinge dieser Art dort. Dadurch hat sich die Zahl der Bewohner be- 
deutend vermehrt, so dass die Kolonie gegenwärtig 1400 Einwohner zählt, 
welche in ca. 150—200 Häusern leben. Das Ganze gewährt vorläufig noch 
einen sehr hinterwäldlerischen Eindruck mit den kleinen einstöckigen Block- 
häusern, an denen Schilder mit der Inschrift Cafe de l’Univers, del Globo etc. 
prangen, und mit den ausgerodeten und verbrannten Waldstellen, welche noch 
der Cultur harren. Dass übrigens die Cultur des Bodens sich dort auch bis 
zum gewissen Grade lohnt, sicht man aus den kleinen Gemüse- und Blumen- 
zärten, in denen unsere nordischen Gemüse vortrefflich gedeihen. Leider wird 
das Korn, ausser vielleicht Gerste, bei der durchschnittlichen Jahrestemperatur 
von 11,5° C. nicht mehr reif, und ist man daher für Mehl zum Brodbedarf auf 
das Ausland angewiesen. Vielleicht wird die Colonie auch einen grösseren Auf- 
schwung nehmen, wenn die sechs Meilen von Punta Arenas entfernt liegenden 
Kohlen- und Goldminen erst mehr ausgebeutet werden. Vorläufig liefern 
arstere pro Tag höchstens 50 Tons, welche mit einer gebrechlichen Locomotive 
zum Landungsplatz geschafft werden. Gegenwärtig arbeiteten etwa 40 Arbeiter 
in den Kohlenminen und circa 12—15 in den Goldminen, die einer Compagnie 
angehören, welche mit 100,000 £ Anlagekapital arbeitet, das sich mit ca. 30 pCt. 
angeblich verzinsen soll, Das Gold erscheint im Sande der Berge in kleinen 
lünnen Blättchen. Die Sandmasse wird mit künstlich hingeleitetem Wasser 
ausgewaschen und durch Quecksilber amalgamirt. Es kann wegen des Wasser- 
) Ueber die Seezeichen in der Magellan-Strasse vgl. pag. 191
	        
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