EFF
Es folgt hieraus, dass man, um cine schnelle Fahrt nach West zu
nachen, Folgendes beachten muss: Man wähle die Zeit zum Kinlaufen in die
Strasse oder des Verlassens von Dungeness und Possession Bay so aus, dass
man zur letzten Ebbe dicht vor den „First Narrows“ sich befindet; dann bekommt
man die ganze Kraft des Fluthstromes und behält denselben ungefähr neun
Stunden lang bei. S. M. S. „Vineta“ gelang es, auf diese Weise von Possession
Bay bis Punta Arenas, d. h. 96 Seem. in 12 Stunden zu machen, trotzdem die
jefzten vier Stunden ein schwerer Sturm aus SW entgegen wehte. ÖObenein
traf es sich auch noch so glücklich, dass wir diese Tour zur Zeit der Neumond-
Springfluth machten, wo in den Narrows das Wasser 11—13 Met, steigt und
die Fluth 5—8 Knoten per Stunde läuft.
Die Geschwindigkeit des Stromes ist auf der Karte bei gewöhnlicher
Fluth auf 2—4 Seem. — bei Springfluth in den Narrows sogar bis 8 Seem, —
angegeben, doch konnten wir sie nicht in dieser Grösse bemerken, trotzdem
fortwährend, wenn vor Anker liegend, geloggt und die Wassertiefe genau ge-
lothet wurde. Es scheint demnach diese Geschwindigkeit etwas übertrieben,
und war dieselbe unserer Wahrnehmung nach selten so stark, um. das Schiff
nicht auf den Wind, sondern auf den Strom liegen zu machen. .
Nachdem also, wie schon oben bemerkt, S. M. S, „ Vineta“ am 20. Januar
Morgens mit Beginn der Fluth in die Strasse hineingelaufen war, setzten wir
trotz zunehmenden Windes die Fahrt nach West fort, um in Possession Bay,
im Eingang zu den First Narrows, zu ankern. Gegen 11* a. m. wehte schon
ein schwerer Sturm aus SW, der eine beträchtliche See aufwühlte, so dass wir
gegen 12* gar nicht mehr von der Stelle kamen, und schliesslich Angesichts
Cap Possession um 12" 30" umdrehen mussten, um hinter Dungeness oder Cap
Virgins Schutz zu suchen. Mit Mühe gelang es, trotz des ablandigen Windes,
den Ankerplatz bei Virgins zu erreichen; derselbe ist gegen alle Winde von
380 durch West bis NW geschützt, und kann sehr empfohlen werden, auch
wenn er in den Sailing Direetions (vgl. South America Pilot II (1875)
pag. 47) nicht besonders hervorgehoben ist. Es ist jedoch nach unserer Er-
fahrung rathsam, auf Tiefen nicht unter 25.6 Met. zu ankern, da man auf 22 Met.
als Grund Sand und kleine Steine findet, in welchen der Anker nicht gut hält.
Hier lagen wir drei Tage lang, bis endlich der Wind etwas flauer wurde,
und wir wieder Anker lichteten, um noehmals in die Strasse einzulaufen. Nach-
dem die Sarmiento Bank passirt war, ankerten wir ostwärts 1 Seem. von
Dungeness, um hier das Einsetzen der Fluth abzuwarten. Dungeness ist eine
dreicckige niedrige Landzunge, welche, von Westen her gesehen, dem Dungeness
im Englischen Kanal sehr ähnlich sieht, und bietet Schutz gegen alle Winde
von SW bis NW; man liegt 1 Seem. vom Stirande ab in ganz glattem Wasser.
Das Land selbst von Cap Virgins bis Dungeness und weiter westwärts
bis Cap Negro bei Punta Arenas bietet einen überaus öden, trostlosen Anblick,
nirgends ein Baum oder Strauch, und ausser zahlreichen Wasservögeln kein
lebendes Wesen und keine menschliche Wohnungen, da dieser Theil der Küste
yänzlich unbewohnt ist. Dazu kamen die häufigen Westwinde mit Regen und
Yagelböen bei verhältnissmässig sehr niederer Temperatur (4—6° C.), die uns
um so unangenehmer auffiel, als wir uns gerade im Hochsommer befanden. Mit
Beginn der Fluth setzten wir unsere Reise fort und gelangten diesmal .un-
gehindert nach Possession Bay, wo wir für die Nacht in der Nähe der Stonewall
Anchorage ankerten,
Die Fahrt von Dungeness nach Possession Bay bietet nichts Bemerkens-
werthes dar; schon bei Dungeness ist Cap Possession bei klarem Wetter zu sehen,
und hat man es nur gut offen zu halten, um von Wallis shoal frei zu bleiben,
ie auch die Vertonung klar angiebt. Am nächsten Morgen setzten wir die Reise
rort bei Niedrigwasser-Springfluth, so dass wir also neun Stunden Strom nach
West hatten.
Direction Hill ist eine gute Marke zum Einsegeln in die First Narrows.
In den First Narrows trafen wir keinen sehr bedeutenden Strom, obgleich wir
sie eine Stunde vor Hochwasser passirten, und zwar gerade vor Neumond-
Springfluth. Es wurde nach Landpeilungen nur ein Strom von 2.4 Seem, per
Stunde statt 5—8 Seem. bemerkt. Die niedrigen Hügel von 21-—30 Met. Höhe