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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 4 (1876)

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Es folgt hieraus, dass man, um cine schnelle Fahrt nach West zu 
nachen, Folgendes beachten muss: Man wähle die Zeit zum Kinlaufen in die 
Strasse oder des Verlassens von Dungeness und Possession Bay so aus, dass 
man zur letzten Ebbe dicht vor den „First Narrows“ sich befindet; dann bekommt 
man die ganze Kraft des Fluthstromes und behält denselben ungefähr neun 
Stunden lang bei. S. M. S. „Vineta“ gelang es, auf diese Weise von Possession 
Bay bis Punta Arenas, d. h. 96 Seem. in 12 Stunden zu machen, trotzdem die 
jefzten vier Stunden ein schwerer Sturm aus SW entgegen wehte. ÖObenein 
traf es sich auch noch so glücklich, dass wir diese Tour zur Zeit der Neumond- 
Springfluth machten, wo in den Narrows das Wasser 11—13 Met, steigt und 
die Fluth 5—8 Knoten per Stunde läuft. 
Die Geschwindigkeit des Stromes ist auf der Karte bei gewöhnlicher 
Fluth auf 2—4 Seem. — bei Springfluth in den Narrows sogar bis 8 Seem, — 
angegeben, doch konnten wir sie nicht in dieser Grösse bemerken, trotzdem 
fortwährend, wenn vor Anker liegend, geloggt und die Wassertiefe genau ge- 
lothet wurde. Es scheint demnach diese Geschwindigkeit etwas übertrieben, 
und war dieselbe unserer Wahrnehmung nach selten so stark, um. das Schiff 
nicht auf den Wind, sondern auf den Strom liegen zu machen. . 
Nachdem also, wie schon oben bemerkt, S. M. S, „ Vineta“ am 20. Januar 
Morgens mit Beginn der Fluth in die Strasse hineingelaufen war, setzten wir 
trotz zunehmenden Windes die Fahrt nach West fort, um in Possession Bay, 
im Eingang zu den First Narrows, zu ankern. Gegen 11* a. m. wehte schon 
ein schwerer Sturm aus SW, der eine beträchtliche See aufwühlte, so dass wir 
gegen 12* gar nicht mehr von der Stelle kamen, und schliesslich Angesichts 
Cap Possession um 12" 30" umdrehen mussten, um hinter Dungeness oder Cap 
Virgins Schutz zu suchen. Mit Mühe gelang es, trotz des ablandigen Windes, 
den Ankerplatz bei Virgins zu erreichen; derselbe ist gegen alle Winde von 
380 durch West bis NW geschützt, und kann sehr empfohlen werden, auch 
wenn er in den Sailing Direetions (vgl. South America Pilot II (1875) 
pag. 47) nicht besonders hervorgehoben ist. Es ist jedoch nach unserer Er- 
fahrung rathsam, auf Tiefen nicht unter 25.6 Met. zu ankern, da man auf 22 Met. 
als Grund Sand und kleine Steine findet, in welchen der Anker nicht gut hält. 
Hier lagen wir drei Tage lang, bis endlich der Wind etwas flauer wurde, 
und wir wieder Anker lichteten, um noehmals in die Strasse einzulaufen. Nach- 
dem die Sarmiento Bank passirt war, ankerten wir ostwärts 1 Seem. von 
Dungeness, um hier das Einsetzen der Fluth abzuwarten. Dungeness ist eine 
dreicckige niedrige Landzunge, welche, von Westen her gesehen, dem Dungeness 
im Englischen Kanal sehr ähnlich sieht, und bietet Schutz gegen alle Winde 
von SW bis NW; man liegt 1 Seem. vom Stirande ab in ganz glattem Wasser. 
Das Land selbst von Cap Virgins bis Dungeness und weiter westwärts 
bis Cap Negro bei Punta Arenas bietet einen überaus öden, trostlosen Anblick, 
nirgends ein Baum oder Strauch, und ausser zahlreichen Wasservögeln kein 
lebendes Wesen und keine menschliche Wohnungen, da dieser Theil der Küste 
yänzlich unbewohnt ist. Dazu kamen die häufigen Westwinde mit Regen und 
Yagelböen bei verhältnissmässig sehr niederer Temperatur (4—6° C.), die uns 
um so unangenehmer auffiel, als wir uns gerade im Hochsommer befanden. Mit 
Beginn der Fluth setzten wir unsere Reise fort und gelangten diesmal .un- 
gehindert nach Possession Bay, wo wir für die Nacht in der Nähe der Stonewall 
Anchorage ankerten, 
Die Fahrt von Dungeness nach Possession Bay bietet nichts Bemerkens- 
werthes dar; schon bei Dungeness ist Cap Possession bei klarem Wetter zu sehen, 
und hat man es nur gut offen zu halten, um von Wallis shoal frei zu bleiben, 
ie auch die Vertonung klar angiebt. Am nächsten Morgen setzten wir die Reise 
rort bei Niedrigwasser-Springfluth, so dass wir also neun Stunden Strom nach 
West hatten. 
Direction Hill ist eine gute Marke zum Einsegeln in die First Narrows. 
In den First Narrows trafen wir keinen sehr bedeutenden Strom, obgleich wir 
sie eine Stunde vor Hochwasser passirten, und zwar gerade vor Neumond- 
Springfluth. Es wurde nach Landpeilungen nur ein Strom von 2.4 Seem, per 
Stunde statt 5—8 Seem. bemerkt. Die niedrigen Hügel von 21-—30 Met. Höhe
	        
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