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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 4 (1876)

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östliche Richtung an. Die Barre vor der Mündung hat bei Niedrigwasser kaum 
9,5 Met. Tiefe und mag‘ bei Springzeit Niedrigwasser sogar ganz trocken fallen. 
Jenseits der Barre hat der Fluss cine Tiefo von durchschnittlich 2.4 Met. bei 
Niedrigwasser; bci gewöhnlicher Fluth soll das Wasser bis zu 6 Met., bei 
Springzeit bis zu 9 Met. steigen. Der Fluss, der bei Ta- ku -schan noch eine 
Zreite von circa 300 Met. hat, wird von Einigen Ta-yang-ho, von Anderen Siau- 
yang-ho genannt, was zu Irrthümern über die Lage desselben geführt hat. Wie 
ans hier gesagt wurde, erklärt sich das so, dass der Fluss in seinem unteren 
Lauf Ta-yang-ho = Grosser Yang - Fluss, in seinem oberen Lauf aber Siau- 
yang-ho = Kleiner Yang-Fluss genannt werde. 
Die Stadt Ta-ku-schan, welche unter der Verwaltung des Tau -tai von 
Ying-tze steht und von diesem ungefähr 300 Li (72 Seem.) entfernt ist, hat ca. 30 
is 40,000 Einwohner und macht nach dem Ansehen ihrer Häuser einen wohlhaben- 
den Eindruck; jedenfalls sehen dieselben besser aus, wie die Lehmhütten von 
Ying-tze. In den letzten Jahren hatte der Handel von Ta-ku-schan an Bedeutung 
jerloren, da der Verkehr mit Korea untersagt war. Seit 1873 ist derselbe in- 
less wieder erlaubt und blüht jetzt der Handel von neuem wieder auf, 
Umsomehr würde jetzt dieser Platz auch für den europäischen Handel, 
namentlich für Einfuhr europäischer, speeciell deutscher Güter von Bedeutung 
werden, da er eben den Stapelplatz für alle Einfuhr nach Korea bildet. Bisher 
gelangten solche Güter, wie Shirting, Wollenzeug ete., über Ying - tze hierher, 
loch bei der Unsicherheit der Landstrassen und der überaus schlechten Be- 
schaffenheit derselben, ist der Import bisher nur ein geringer gewesen. Zum 
Theil werden diese Güter, sowie auch Opium, durch Dschunken von Shanghai 
and anderen südlichen Häfen eingeschmuggelt. Die Export-Artikel sind haupt- 
sächlich Oelkuchen und namentlich Holz. Die Seide, welche in geringen Quan- 
titäten exportirt wird, ist sehr grob und schlecht. 
Der Handel ist in der Regel nur von Mitte Dezember bis Ende Januar 
durch Eis unterbrochen. Es kommen etwa 2— 300 grosse Dschunken jährlich 
aach Ta-ku-schan, etwa 60 darunter von Shanghai, die übrigen hauptsächlich 
von Plätzen der Shan-tung Halbinsel. Die grösseren Dschunken, die über 2000 
Picul (ä 60'/a Kilogramm) laden, passiren in der Regel nicht die Barre, sondern 
bleiben unter der Zw Insel, etwa 60 Li (142 Seem.) von der Stadt vor Anker, 
wo sie mittelst Leichterfahrzeuge löschen und laden; die kleinen Dschunken 
unter 2000 Picul, von denen eine sehr grosse Anzahl vorhanden ist, laden in- 
less unmittelbar an den Ladebrücken vor der Stadt. — Aehnlich würde es sich 
mit den deutschen oder fremden Handelsschiffen verhalten, wenn diesen der 
Hafen geöffnet würde. Die kleinen Schiffe bis zu 3 Met. Tiefgang würden un- 
yedenklich die Barre bei Hochwasser passiren und bis vor die Stadt gehen können; 
selbst wenn bei dieser das Wasser bis 2,5 Met. bei Niedrigwasser wegfällt, 
so ist der Grund doch so weicher Schlamm, dass die Schiffe mit Leichtigkeit 
in denselben einsinken können. Grössere Schiffe bis zu 4 und 4.6 Met. Tief- 
gang finden ebenfalls hinter Lw einen guten Ankerplatz, auf dem sie nur 
gegen südöstliche Winde wenig Schutz haben. 
Kurz vor unserer Ankunft waren einige chinesische Kanonenboote vor 
der Stadt gewesen. Es würde also auch den diesseitigen Kanonenbooten stets 
möglich sein, den Fluss heraufzugehen. Gegenwärtig befanden sich einige Kriegs- 
Dschunken im Hafen und lagen in der Stadt 300 Mann Truppen unter dem 
Commando eines Obersten. Gegen 5 Uhr Nachmittags traton wir mit der Ebbe 
die Rückkehr nach dem Schiffe an, welches wir kurz nach 8 Uhr Abends er- 
reichten. 
Die beiden folgenden Tage (Juli 12 und 13) wurden noch zu Vermessungen 
und Auslothungen der Bucht zwischen den Lw- Inseln, der Flussmündung und 
der Küste benutzt. Etwa 6 Seem. östlich von der grossen Lu-Insel liegen noch 
mehrere kleine Inseln, die kleinen Lu-Inseln genannt (Siaw- Iu-tau = kleine 
Reh-Inseln), so dass der schiffbare Eingang nach Za-kwu-schan zwischen den 
grossen und kleinen Lu-Inseln liegt. Die dahinter bis an die Flussmündung 
liegende Bucht hat eine Breite von ca. 6 Scem., ist jedoch sehr flach und fällt 
bei Niedrigwasser zum Theil trocken. 
Der Zweck der Vermessungen der beiden Tage des 12. und 13. Juli war 
zunächst, die Lu-Inseln und einige hervorragende Punkte der Küste festzulegen
	        
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