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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte — 1914, Nr. 1.
gestellt, zu einer Jahreszeit also, in der nach den extrem winterlichen Wärmezuständen des August
bereits wieder eine geringe Temperaturzunahme eingetreten ist. Ein Vergleich der angetroffenen O her
fläche n temperatu ren mit den iür August berechneten Mittelwerten 1 ) läßt diesen Beginn der
sommerlichen Verhältnisse erkennen.
Von dem trotz der winterlichen Jahreszeit noch auf 25° und darüber erwärmten inneren Teil der
Guinea-Bucht-) traf S. M. S. „Möwe“ auf der Fahrt nach Süden in die Benguelaströmung hinein nie
drigere Oberflächentemperaturen an. Bereits vor der Mündung des Kongo war die Temperatur auf 21°
bis 22° gesunken, und im Hafen von Banana wurde am 11. Sept. 1911 als Mittel aus 6 Messungen im Ab
stande von je 4 Stunden sogar nur 20.5° festgestellt. * * 3 ) Auf der Fahrt die weite Trichtermündung des Kongo
hinauf nach Borna war in der Nähe von Banana die Oberflächentemperatur mit 19.8 und 19.7° zunächst
noch niedriger, dann aber nahm die Erwärmung außerordentlich schnell zu. Am 12. September 1911
wurde um 8 h V. noch 19.7°, um 12 h mittags aber bereits 25.8° festgestellt. Für den Hafen von Borna
ergab sich aus 54 Beobachtungen vom 13. bis 21. Sept. 1911 die Mitteltemperatur 26.5°. 3 ) Das über 20°
erwärmte Wasser, das im August, dem kältesten Monat, im östlichen Atlantischen Ozean bis etwa 10'
S-Br. reicht, wurde erst in 12° S-Br. dauernd verlassen und unter dem 18. Breitengrade, westlich von
Kap Frio in etwa 250 km Küstenentfernung, sank die Temperatur auf fast 15°. Deuteten diese niedrigen
Temperaturen bereits auf den Einfluß der Auftrieberscheinung an der südwestafrikanischen Küste, so
tat dies noch auffallender die Art der Temperaturänderung von etwa 15° S-Br. bis zur Breite von
Swakopmund: sehen wir von den Beobachtungen in Küstennahe vorläufig ab, so blieb in
größerem Landabstand die Temperatur auf dieser ganzen Strecke ungefähr die gleiche;
während nördlich davon, von etwa 2° N - Br. bis 15 0 S - Br., ein Temperaturgradient von
etwa 5° für 10 Breitengrade auftrat, war dieser hier gleich Null. Statt ostwestlich verliefen also die
Isothermen nordsüdlich, wie es in ähnlicher Weise die Beobachtungen im nordwestafrikanischen Auf
triebgebiet ergaben (vergl. S. 43). Auf der Fahrt nach Osten in der Breite von Swakopmund sank daher die
Oberflächentemperatur. In etwa 140 Sm Küstenentfernung wurde noch 15.7° gemessen, 25 Sm vor der
Küste dagegen nur 13.4°. Als Durchschnitt ergibt sich aus den in Küstennähe angestellten Beobach
tungen 13.0 0 . 4 ) Für August, wo der Auftrieb am ausgeprägtesten während des ganzen Jahres erscheint,
ist der um 1° niedrigere Wert von 12° ermittelt wo r den. 5 )
Die Lufttemperatur unterschied sich im ersten Teil dieses Reiseabschnitts, nämlich von
Kamerun bis etwa 15° S-Br., nur wenig von der des Wassers, und zwar zeigte das Wasser im Mittel eine um
0.2° höhere Temperatur. Am größten waren diese Unterschiede zu Gunsten des Wassers in der Mün
dung des Kongo, wo kühle Seewinde herrschten, aber warmes vom Kontinent stammendes Wasser auf
trat. In Borna war vom 13. bis 21. September 1911 bei einer mittleren Oberflächentemperatur von 26.5°
die der Luft nur 23.0°, die Differenz betrug also 3.5°. — Das Gebiet des Wärmeüberschusses der Luft
über das Wasser, das im Bereich des südwestafrikanischen Auftriebgebietes gelegen, sich im Jahres
mittel bis zur Gr. Fisch-Bucht in etwa 16Vs° S-Br. nordwärts erstreckt, 6 ) wurde von S. M. S. „Möu r e“
auch tatsächlich in etwa dieser Breite erreicht. Die Luft war im Mittel aller Beobachtungen bis Liide-
ritzbucht um den verhältnismäßig hohen Betrag von 1.7° wärmer als das Wasser.
Die mit dem Aßmann’schen Aspirationspsychrometer festgestellte Luftfeuchtigkeit stimmt
gut zu den bisherigen Beobachtungen. 7 ) Vom Äquator bis etwa zur Kongomündung betrug die relative
') Deutsche Seewarte, Atlas des Atlantischer Ozeans, 2. Auflage, Hamburg 1902, Tafel 7.
^ Vergl. S. 21.
3 ) Nach den Angaben im Meteorologischen Tagebuch.
4 ) Das umfangreiche Beobachtungsmaterial über Luft- und Wassertemperatur, das von S. M. S. „Möwe“ auf den Ver-
messungsfahrten vor der Küste Deutsch-Südwestafrikas von Oktober 1911 bis Ende 1912 gesammelt worden ist, wird in
einer besonderen Veröffentlichung erscheinen. (S. 6.)
5 ) O. Schott , Wissenschaftliche Ergebnisse der deutschen Tiefsee-Expedition auf dem Dampfer „Valdivia“ 1898—1899,
Band I, Ozeanographie und maritime Meteorologie, Jena 1902, S. 124.
6 ) G. Schott, Geographie des Atlantischen Ozeans, Hamburg 1912, Figur 63, Seite 201.
7 ) G. Schott, Forschungsreise zur See, Gotha 1S93, S. 112,
W. Brennecke, S. M. S. „Planet“, Forschungsreise 1906—1907, 3. Band Ozeanographie, Berlin 1909, S. 133.