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Jort am Strande in merkwürdig goformten Klippen endigen; cs sind dies über-
ainander gethürmte grössere Felsblöcke, welche genau wie alte Baumstämme
aussehen; sie liegen in der Richtung von Ost nach West. Grosse Quarzblöcke
'anden sich dazwischen zerstreut.
Kine ganz merkwürdige Erscheinung trat bei den magnetischen Beob-
achtungen zu Tage, die an verschiedenen Stellen der Bucht, und zwar fern von
allen Wohnungen, mit einem Azimut-Compass angestellt wurden, Die gefundene
Variation war nämlich an allen vier verschiedenen Beobachtungsstellen eine andere
ınd wechselte zwischen 3° 12‘ West und 6° 47‘ West, während sie auf der
Karte 4° West angegeben ist.!) Ich glaube daher, dass diese Insel Hai-yun-tau
eich an Eisenerzen sein muss, worauf auch das ganze Aussehen und das gr0SS@
specifische Gewicht einzelner Gesteinsproben schliessen lässt.
Die ganze Insel, welche eine Längen-Ausdehnung von ca. 3'% Seem. hat,
wird im Ganzen von 40 chinesischen Familien bewohnt, die über die Insel ver-
streut wohnen und mit dem gewöhnlichen Fleiss der Chinesen die Bergabhänge
bebauen und sich ihren kärglichen Lebensunterhalt erwerben. Selten kommen
Dschunken hierher, und ein grösseres Schiff fremder Nationen ist, seitdem die
Insel vermessen ist, nicht wieder dort gewesen. Lebensmittel sind daher vor-
läufig auf der Insel nicht zu bekommen, dagegen liegen dicht vor der Bucht
mehrere Quellen, aus denen wir ganz vorzügliches Trinkwasser erhalten haben.
Da am folgenden Morgen das Wetter noch eben so trübe war, wie Tags
vorher, blieb ich noch einen Tag in dem Hafen von Thornton. Am Vormittage
klarte das Wetter auf und konnten während des Tages astronomische Beobach-
‚ungen, Variations- und Längenbestimmungen gemacht werden, Die gefundone
Länge stimmte genau mit der in der englischen Karte angegebenen überein.
Am 9. Juli 6* a. m. verliess „Ariadne“ den Hafen. Ausserhalb desselben
wurden erst Deviationsbestimmungen angestellt und nach Beendigung derselben
‚uerst NO, dann NO'40 (missweisend) nach Ta-ku-schan gesteuert. Da von
hier an die englischen Karten keine Lothungen nach Norden zu zeigten, liess ich
von hier an genau mit fünf Knoten Fahrt gehen und alle 10 Minuten lothen
(wobei Kurs und Distance durch Peilungen berichtigt wurden), so dass cine
gute Lothungslinie von Hai-yun-tau nach der Küste bis Ta-ku-schan erzielt wurde
s. Karte).
. Das Wetter war schön, ganz schwache wechselnde Brise und ausser-
ordentlich klare Luft, so dass alle Inseln und die Küste so lange geschen
werden konnten, als sie über dem Horizont waren. Schon auf dieser Fahrt
konnten wir sehen, dass die nördlich von Hati- yun -taw gelegenen Inseln,
namentlich die Bourchier-Gruppe, ungenau und die Küste des Festlandes falsch
in den englischen Karten gezeichnet sind, namentlich sind in dieser die zahl-
reichen Inseln nicht angegeben, welche längs vor derselben liegen.
Gegen Mittag trat die Küste deutlicher hervor, doch wurde von hier an
der Lootse, der bisher nur in Dschunken längs der Küste gesegelt, noch nie
aber in dieser Richtung auf dieselbe zugesteuert war, unsicher und konnte nur
angefähr die Lage von Ta-ku-schan angeben.
Wir steuerten von hier an nach Norden auf die Küste zu, wo sich cine
grössere Einbuchtung zeigte und zwischen einer Insel und der Küste die Mün-
Jung eines Flusses zu sein schien, welche der Lootse schliesslich mit Bestimmtheit
als die Mündung des Ta-yang-ho,?) an welchem Ta-ku-schan liegt, erklärte.
Die Küste und die Inseln sind theilweise sehr hoch und steil, doch wurde das
Wasser bald flach und konnte sich das Schiff nur bis auf etwa 6 Seem. der
Küste nähern, und ging daselbst um 3" 51" p. m. auf 7.3 Met. Wasser, süd-
westlich von der Insel, zu Anker.
1) In einem Specialberichte über die Vermessungen bei Ta-ku-schan an Bord S. M. S,
„Ariadne“ werden diese Grenzen der Variation zwischen 3° 49’ West und 6° 47‘ West an-
zegeben,
608 2) Dieser Fluss entspringt ungefähr in 41° Nord-Br, und 123'/° Ost-Lg., hat eine grosse
Anzahl von kleineren und grösseren Nebenflüssen, fiesst nach SO und ergiesst sich bei T’a-ku-
schan in das Gelbe Meer. Anfangs ist das Gefälle wegen des gebirgiyen Terrains, durch welches
lerFluss strömt, stark, je näher aber der Mündung, desto breiter und ansehnlicher wird der Fluss
und desto schwächer sein Gefälle, so dass die letzten 15. Seem, seines Laufes für die Schifffahrt
sehr brauchbar sind.