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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 4 (1876)

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Ueber einige Cyclonen im Süd-Indischen Ocean, 
Der Director des Meteorologischen Observatoriums zu Mauritius, 
C. Meldrum, hat in einem Vortrage „Ueber dze Periodicität der Cyclonen und 
des Regenfalles im Zusammenhang mit der Periodicität der Sonnenflecke“, welchen 
er im September 1873 in der Versammlung der „British Association for the 
avancement of Science“ zu Bradford gehalten hat, u. A. zur Stütze seiner An- 
sicht, dass die Anzahl der in dem Raume zwischen dem Aequator und 34° Süd-Br. 
und den Meridianen von 40° bis 110° Ost-Lg. vorkommenden Cyelonen in den 
Jahren des Maximum der Sonnenflecke viel grösser ist, als in den Jahren des 
Minimum derselben, eine Zusammenstellung aller Stürme und Cyeclonen im Süd- 
Indischen Ocean von 1847 bis 1873 (Mai) gegeben, über welche er Nachrichten 
hat einziehen können, nämlich von 227 Stürmen, darunter 90 Cyclonen. Ausser 
der Thatsache, dass in den Jahren der grösseren Häufigkeit der Sonnenflecke, 
wie 1848, 1860, 1872, mehr Cyclonen (6—7) und Stürme (8—15) im Süd- 
Indischen Ocean vorgekommen sind, als in den Jahren des schwächeren Auf- 
tretens der Sonnenflecke, wie 1856 und 1867 (in letzterem Jahre ist sogar 
keine Cyclone bemerkt worden), zeigt diese Zusammenstellung Meldrum’s, dass 
ausserhalb der eigentlichen Orkanperiode von November bis Anfang Mai fast 
gar keine Cyelonen und Stürme im Süd-Indischen Ocean vorkommen. Für den 
Monat Juli sind nur zwei Cyclonen bezw. Stürme verzeichnet, nämlich in den 
Jahren 1871 und 1872, 
Bei der grossen Seltenheit dieser Juli-Cyeclonen für den Süd-Indischen 
Ocean sind alle näheren Nachrichten über den Verlauf einer solchen von dop- 
peltem Interesse. Wir theilen daher nachstehenden Bericht des Commander 
Lord Charles T. M. D. Scott über die von ihm mit I. Br. M. S. „Zcarus“ vom 
11—12. Juli 1871 in 13° Süd-Br. und 93° Ost-Lg. erlebten Cyclone mit 
(s. „Hydrogr. Not.“ 1876, No. 4). 
Von Mittag den 10. Juli an, wo „/carus“ in 10° 40‘ Süd-Br. und 94° 23‘ 
Ost-Länge war, bis zu Mittag des 11. Juli in 13° 33‘ Süd-Br. und 92° 35‘ Ost-Lg., 
wehte der Wind gleichmässig aus ENE bis NE mit einer Stärke von 4 bis 7; 
das Barometer fiel allmälig von 760.72 bis 755.ss, während sich Gewitter und 
unruhige See einstellten. Um 4 Uhr Nachmittag des 11. Juli war das Baro- 
meter bis auf 749.29 mm. gefallen; das Schiff wurde über Backbordhalsen gelegt. 
Von dieser Zeit an ging der Wind bis 4 Uhr Morgens am 12. Juli durch 
Nord nach WNW mit der Stärke von 5—8; die See blieb unruhig, das Baro- 
meter stieg wieder bis zu 756.40 mm. Bis zu Mittag blieb der Wind WNW und 
das Barometer stieg bis 760.46 mm. Um 11 Uhr Abends hatte sich der Wind 
nach Süd gedreht und an Stärke bis 2—4 abgenommen; das Wetter war klar und 
das Barometer zeigte 763.76 mm. 
Die obenerwähnte Zusammenstellung Meldrum’s der Orkane des Süd- 
Indischen Oceans reicht, wie erwähnt, bis Ende Mai 1873 und verzeichnet für 
die Jahre 1871, 1872 und 1873 allein 36 Stürme, darunter 13 Cyclonen oder 
sogenannte Mauritius - Orkane. Noch im Jahre 1874 betrug die Anzahl der 
Cyclonen im Süd-Indischen Ocean 4, darunter die grosse von Ende März 
(s. unten). Von December 1875 ab bis April 1875 litt die Insel Mauritius sehr 
an Trockenheit. Meldrum schreibt (s. Nature 1875, Mai 6, Vol. 12, pag. 16), 
dass der Monat Februar 1875 der trockenste Monat seit dem Beginn von syste- 
matischen Beobachtungen im Jahre 1852 gewesen ist; gleichzeitig zeigte sich 
ein grosser Mangel an Cyclonen und die beiden einzigen in der Orkanzeit von 
November 1874 bis April 1875 im ganzen Süd-Indischen Ocean vorgekom- 
menen Cyelonen, die vom 24, Januar und 7. März (s. unten), waren von geringer 
Stärke und Ausdehnung. Dies bestätigt die schon früher von Meldrum aus- 
gesprochene Ansicht, dass, wenn die Inseln Mauritius und Reunion von Dürre 
heimgesucht sind, auch der Indische Ocean fast ganz frei von Orkanen ist, und 
ebenso, dass mit der abnehmenden Häufigkeit der Sonnenflecke nicht nur die 
Anzahl, sondern auch die Dauer, Stärke und Ausdehnung der Mauritius-Orkane 
geringer wird, Bemerkenswerth für die vergleichende Meteorologie ist noch 
der Umstand, dass, während in Mauritius in den ersten Monaten des Jahres
	        
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