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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 4 (1876)

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Aus diesen Wahrnehmungen folgt für Schiffe, welche sich nördlich von 
der Bahn des Sturmes befinden, die Regel, dass, während im April und Mai 
das Fallen des Barometers und das Umgehen des Windes von Süd oder SW 
nach NE rechtzeitig eine Warnung für die Annäherung einer Cyclone abgiebt, 
im October und November dagegen, weil das Fallen des Barometers in der 
Regel nur gering ist und auch keine Windveränderung stattfindet, ein Schiff 
nördlich von der Sturmbahn nicht gewarnt werden kann. Aber selbst dies 
geringe Fallen des Barometers vermag vom Seemann benutzt zu werden, 
wenn er nur weiss, dass der Luftdruck in diesen Breiten täglich vier Schwan- 
kungen unterworfen ist, die bei beständigem Wetter vollkommen regelmässig sind. 
Am höchsten steht hier das Quecksilber um 10 Uhr Morgens und 10 Uhr Abends, 
am niedrigsten um 4 Uhr Morgens und 4 Uhr Nachmittags; der Unterschied 
zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Stande beträgt 0.16 Zoll oder 
2,54 ”" Steigt nun das Barometer von 4 Uhr bis 10 Uhr Morgens nicht, und 
ebensowenig von 4 Uhr Nachmittag bis 10 Uhr Abends, so sollte der Seemann 
auf seiner Hut sein, da in diesen Breiten dieser Gang des Barometers beträcht- 
liche atmosphärische Störungen anzeigen würde, 
An der Mündung des Hoogly geben gewisse Bewegungen der unteren 
Wolken die ersten sicheren Anzeichen einer herannahenden Cyclone, wenn 
nämlich diese Wolken in dunklen, langgezogenen Massen von NE nach SW 
rasch dahin ziehen. Diese Anzeichen fehlen nie am Hoogly, sobald in den 
mittleren oder nördlichen Theilen des Meerbusens von Bengalen irgend eine 
cyelonische Störung auftritt. Die mittlere Windrichtung bei den Sandbänken 
des Hoogly vor dem Ausbruch einer Cyclone ist stets NE oder ENE, letztere 
gewöhnlich, wenn der Ort in der Sturmbahn selbst liegt; die Stärke der Wind- 
stösse ist jedoch verschieden, diese nimmt mit der Annäherung der Cyclone zu; 
die Stösse werden alsdann häufiger, der Regen wird stärker und es zeigt sich 
eine heftige Dünung aus Südost. Aus solchen Anzeichen kann man, selbst wenn 
das Barometer bis zu dieser Zeit nicht merklich gefallen ist, mit Sicherheit 
schliessen, dass die Cyelone nicht sehr weit entfernt ist. Diese Warnungs- 
merkmale gelten besonders für den Monat October, wo, wie oben erwähnt, das 
Barometer nie so stark fällt, als im April und Mai. 
Die Commandanten der Lootsenfahrzeuge, welche an der Mündung des 
Hoogly stationirt sind, haben, wie Willson bemerkt, die Entfernung der Midna- 
pore-Cyclone vom 15. October zu gross geschätzt und sind in dieser Ansicht 
durch die Langsamkeit des Fallens des Barometers irregeleitet worden, ehe 
das Sturmgebiet der Cyclone den Hoogly erreichte, 
rasch zu fallen und der Wind mit der Kraft eines starken Sturmes (heavy gale) zu wehen beginnt, 
dahin: „Um auf der nördlichen Hemisphäre das Sturmcentrum zu finden, stelle man sich mit dem 
Gesicht gegen den Wind und messe zur Rechten einen Winkel von 10—11 (statt 8 nach der bis- 
herigen Annahme) Compassstrichen ab.“ Willson ist, entgegen der Ansicht der Anhänger der 
Circulartheorie der Wirbelstürme, entschieden der Meinung, dass die Luft in einer spiralförmigen 
Bahn gegen das Centrum des Sturmes einströmt, und sucht die primären Ursachen der Bildung 
eines Wirbelsturmes im Meerbusen von Bengalen in einem abnorm hohen Barometerstande im 
Norden und Süden von demselben, und zwar in grösserer Entfernung, wodurch eine Zwischen- 
region mit relativ niedrigem Luftdruck und beiderseits entgegengesetzt gerichteten Luftströmungen 
entsteht, welche, allmälig sich einander nähernd und einen aufsteigenden Luftstrom zwischen sich 
arzeugend, schliesslich einen Wirbelsturm veranlassen. Dies stimmt auch überein mit der Ansicht 
Meldrums über die Entstehung der Wirbelstürme im südindischen Ocean. A. d,. Rı
	        
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