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Rhede und Foochow*) im October 1875 gemachten Wahrnehmungen, welcher
manches Neue über die dortigen Verkehrsverhältnisse enthält.
Am 29. September war S. M. Kbt. „Cyclop“ von Amoy nach Foochow
gesegelt, wo das Schiff am 14. October eintraf und bis zum 25. October blieb,
um an diesem Tage den Fluss Min abwärts nach Pagoda- Rhede zu gehen.
Capt.-Lieut. v. Reiche berichtet über diese und über /oochow:
„Selbst zur Zeit der Fluth ist auf den im Flusse Min gelegenen Bänken
häufig nicht Wasser genug, und mit dem Vorrücken des Winters pflegt über-
haupt das Wasser in dem Flusse immer mehr und mehr abzunehmen, so dass
es vorkommt, dass selbst zur Zeit der Springfluth auch für die chinesischen
Dschunken die Bänke nicht passirbar sind; ein Kanonenboot, welches sich
zu dieser Jahreszeit in Foochow befindet, . kann durch Wassermangel wochen-
lang daselbst festgehalten werden. Die fremdländischen Dampfer und Segel-
schiffe werden deshalb auch alle auf der Pagoda-Rhede geladen und gelöscht,
obwohl die Handlungshäuser und die Waarenspeicher der fremden Kaufleute
sich sämmtlich in Foochow befinden, wodurch der Verkehr allerdings gerade
nicht vereinfacht wird. Der Fluss oberhalb der Pagoda- Rhede verflacht sich immer
mehr (s. pag. 95), so dass die Kaufleute bereits mit Sorgen dem Zeitpunkte
antgegenschen, wenn es selbst nicht einmal durch leichtere Fahrzeuge mehr
möglich sein wird, den Verkehr zu unterhalten, und wenn sie gezwungen sein
werden, ihre mit grossen Kosten errichteten schönen Wohnhäuser und Waaren-
speicher in Foochow aufzugeben und nach Pagoda überzusiedeln.
Die schnelle Versandung des Flusses Min wurde durch einen von den
Chinesen 1841 im Flusse errichteten Steinwall herbeigeführt, durch welchen
sie die Engländer verhindern wollten, bis nach Foochow vorzudringen, und
welcher später nie ganz entfernt wurde. Der Grund, weshalb die fremden
Kaufleute sich nicht von vornherein an der Pagoda-Rhede niederliessen, was
für den Handelsverkehr viel vortheilhafter und einfacher gewesen sein würde,
liegt darin, dass die englische Regierung bei der HEröffnung dieses Hafens
‘nämlich Foochow) sich nicht ein besonderes Stück Land ausserhalb der
chinesischen Stadt, wie in den anderen Häfen zur Niederlassung anweisen liess,
sondern in der Hoffnung, den Geschäftsgang zu vereinfachen und mehr Einfluss
zu gewinnen, den englischen Consul anwies, seine Wohnung in der chinesischen
Stadt selbst, möglichst nahe bei den chinesischen Behörden zu nehmen. Ihrem
Consul folgten die englischen Kaufleute, und so geschah es, dass die europäische
Niederlassung in Foochow entstand, anstatt, wie es naturgemäss gewesen wäre,
in Pagoda.
Auch der zuerst im Auge gehabte Zweck des unmittelbaren Verkehrs
miß den chinesischen Behörden ist nicht erreicht worden, denn schon längst
hat der englische Consul den für Europäer nicht zu ertragenden Dunstkreis der
chinesischen Stadt verlassen und das englische Consulat ist auf den Iuftigen
Hügeln ausserhalb der Vorstädte auf dem rechten Flussufer erbaut worden,
während die Stadt Foochow selbst auf dem linken liegt, so dass, um gegen-
wärtig von der europäischen Niederlassung zu den Bureaux und Wohnungen
der chinesischen Behörde zu gelangen 1'%2—2 Stunden nöthig sind. Die übrigen
fremden Consulate und die Häuser der Kaufleute liegen, meist von schönen
Gärten umgeben, zerstreut auf diesen Hügeln.
Nur zwei Deutsche Kaufmannshäuser sind. in Foochow: ein Zweiggeschäft
des Hamburger Hauses Siemssen & Co. und eine Firma Schönfeld; in beiden
sind je zwei Deutsche beschäftigt. Ferner sind im Dienste der chinesischen
Zollbehörde auch noch zwei Deutsche und ausser diesen noch ein deutscher
Uhrmacher und ein Besitzer eines offenen Kramladens, Die gesammte deutsche
Bevölkerung zu Foochow betrug zur Zeit unserer Anwesenheit acht Männer und
eine Frau.
Vorrdihe. Da, mit Ausnahme vereinzelter Kanonenboote, nie ein fremdes
Schiff nach Foochow hinaufkommt, so befinden sich auch keine Vorräthe für
dieselben am Platze, diese müssen vielmehr stets schon auf der Pagoda-Rhede
*) S. The China Sea Directory Part IIX (1874) pag. 268-274, D. Urguhart Dues and
Ch rges on Shipping in Foreign Ports, 1875 pas. 876.