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Winde liessen nur einen Kurs ganz nach Ost nehmen; erst am 18. Dezember
konnte nordwärts gesteuert werden, um den Südost-Passat zu erreichen, welcher
auch am 23. Dezember auf 16° Süd-Breite und 129° West-Länge angetroffen
wurde und auch sogleich frisch einsetzte, sodass von hier aus Barbadoes in
19 Tagen erreicht wurde. Nach viertägigem Aufenthalte daselbst verliess die
„Medusa‘“ wiederum Barbadoes, um nach Lissabon zu segeln.
Ueber die während dieser Reise angetroffenen Wind- und Witterungs-
verhältnisse berichtet der Commandant S, M. S. „Medusa“, Corv.-Capt. Zirzow:
„Am 13. Januar, 6'/2 Uhr Nachmittags, ging „Medusa“ bei einer frischen
nordöstlichen Brise von Barbadoes aus unter Segel. Ich beabsichtigte zwischen
den Azoren und Madeira hindurchzugehen, zumal nach den Wind- und Segel-
karten die Winde auf diesem Wege ebenso günstig sein konnten, wie nördlich
von den Azoren, und weil dieser Weg der kürzeste war. Der Kurs wurde
demgemäss nördlich beim Winde gehalten, um frei von den westindischen Inseln
zu kommen, Der Wind wurde aber bei der Insel Maria galante so schral,
dass das Schiff 24 Stunden brauchte, um sich, zumal bei dem südwestlichen
Strome, von der Insel frei zu kreuzen.
Die östlichen und nordöstlichen Winde, welche von vielen Böen und von
Regen begleitet waren, behielt das Schiff bei bis auf 29° Nord -Br., wo der
Wind in zwei Tagen die ganze Compassrose durchlief und am dritten Tage in
einen jener Stürme umsetzte, welche südlich von Bermudas in dieser Jahreszeit
sehr häufig sind, . Er fing mit SSW an und ging über West bis NNE. Wäh-
vend der weiteren Reise blieb der Wind fortwährend unstetig, oft böig und
mit auffallend viel Dünung, welche theilweise sehr hoch war. Einen schweren
Sturm hatte „Medusa“ am 6. Februar auf 32° Nord-Br. und 38° West-Lg. zu
bestehen, welcher über 24 Stunden anhielt.
Am 17. Februar früh, nachdem „Medusa“ in den letzten Tagen vorher
viel Nebel angetroffen hatte, kam Cap Raza in Sicht, und des Nachmittags
dampfte „Medusa“ in den Hafen von Lissabon.“
Aus den Reiseberichten S. M. Kbt. „Nautilus“, Corv.-Capt. Sattig.
Schnelle Reise von Santander nach Kiel.
S. M, Kbt. „Nautilus“, Corv.-Capt, Sattig, hat vom 2. bis 9. März 1876
eine äusserst schnelle Reise von Santander nach Kiel gemacht. Die durchfahrene
Strecke betrug 1314 Seem., welche in 7 Tagen 8 Stunden (= 176 Stunden) zu-
vrückgelegt wurde; die durchschnittliche Geschwindigkeit des Schiffes betrug
hiernach 7.5 Seem. die Stunde, Das grösste Etmal wurde vom 5. bis 6. März
erreicht (an welchem Tage auch die Linie Dover—Calais passirt wurde), näm-
lich 213 Seem., also 9 Seem. die Stunde.
Der Commandant des „Nautilus“, Corv.-Capt. Sattig, berichtet über den
Verlauf dieser Reise:
„Ich verliess am Morgen des 2. März um 6 Uhr den Hafen von Santander
and dampfte zunächst bei leichtem westlichem Winde NzW. Noch am Vormittag
nahm der Wind zu, so dass ich um 10% Uhr Raasegel setzen konnte, die ich,
da der Wind und die hohe Dünung aus NW zunahm, doppelt reffte.
Am 3, März Morgens um 8 Uhr stoppte ich die Maschine, da der Wind.
westlich blieb und in einer Stärke von 6 bis 8, mit hoher See aus NW, anhielt.
Das Mittagsbesteck ergab eine Stromversetzung nach Osten von 20 Seem. und
eine am Spät-Nachmittag gemachte Längenbestimmung erwies, den Segeldirectionen
enigegen, einen noch mehr auflandig setzenden Strom, so dass ich Abends 6 Uhr
mit Beihülfe der Maschine einen höheren Kurs steuerte, um frei von Ushant
zu kommen.
Bei zunehmendem Winde, böigem und regnerischem Wetter passirten wir
Nachts 1* 30" Ushant in ungefähr 3 Seem. Abstand, von hier wurde der Kurs