Die Expedition S. M. S. „Gazelle*‘.
1X.*)
l. Reise S. M, S. „Gazelle“, Capitain zur See Frhr. v. Schleinitz,
von Brisbane in Ost-Australien bis Auckland auf Neu-Seeland und
von da über die Fiji- und Samoa-Inseln durch die Magellan-Strasse
nach Montevideo,
Am 29. September 1875 hatte S, M. S. „Gazelle“ unter dem Commando
des Capitain zur See Freiherrn v. Schleinitz Brisbane in Ost- Australien er-
reicht, nachdem sie vom 11. Juni ab von Amboina aus um die nordwestliche
Halbinsel von Neu-Guinesa durch die noch wenig bekannte Galevo-Strasse und
um den Norden Neu-Guinea’s herum über die Anachoreten- Inseln, Neu-Han-
nover, Neu-Irland, Neu-Britannien und Bougainville nach Ost-Australien gesegelt
war (s. diese Annalen 1876, pag. 1, und die Karte am Schlusse dieses Heftes IV.).
In Brisbane blieb die „Gazelle“ bis zum 20. October 1875 und dampfte
(wie Capitain Frhr, v. Schleinitz berichtet) an diesem Tage aus der Moreton-
Bay gegen stürmischen Nordwind heraus; in der Nacht zum 21. October ging
der Wind nach Westen unter Regen und nahm am 21. October selbst bis zu
einem schweren Sturme aus SW und WSW zu, wobei gleichzeitig hoher See-
gang eintrat. An den folgenden Tagen blieb der Wind stehen. Die „Gazelle“
passirte in der Nacht vom 22, zum 23. October zwischen Howe - Insel und
Elisabeth-Riff hindurch, ohne dieselben in Sicht zu bekommen. Der Wind blieb
günstig und frisch, so dass, trotzdem mehrere Lothungen und Reihentempera-
kuren genommen wurden (s. pag. 139), also mehrmals Aufenthalte veranlasst
waren, doch schon am 27. October früh die Kings - Inseln und die Nordspitze
Neu-Seelands gesichtet werden konnten. Mit beschleunigter Fahrt (bis zu 131%
Knoten die Stunde), unter Dampf und Segel, lief die „Gazelle“ am 28. October
die Nordostküste von Neu-Seeland herunter, um noch vor Abend zu Anker zu
kommen und die dort herrschenden südlichen Winde zu gewinnen, und passirte
nach Dunkelwerden die Strasse zwischen der Insel Tiri - Tiri und der Wanga-
Proa Halbinsel, wo sie für die Nacht‘ ankerte.. Am.Morgen des 29, October
dampfte die „Gazelle“ unter starkem Regen nach Auckland, wo sie bis zum
11. November blieb.
Diese Reise von Brisbane nach Auckland war eine verhältnissmässig
rasche zu nennen, indem Etmale von 160 bis 220 Seem. gemacht wurden. Dagegen
wardie Reise von Auckland bis Levuka (Fiji-Inseln) in Folge der zu dieser Zeit an-
getroffenen ungünstigen Windverhältnisse eine sehr langsame. Die bei und nach
der Abfahrt aus Auckland am 11. November herrschenden flauen Brisen und
Windstillen gingen bald in anhaltende nordöstliche und nördliche Gegenwinde
über, so dass die „Gazelle“ mit wenigen Unterbrechungen bis zum 20. November
Abends, wo der 27. Breitenparallel fast erreicht war, kreuzen bezw. dampfen
musste und nur langsam vorwärts kam. In den Tagen vom 14, bis 18. No-
vember konnten sogar nur Etmale von 49 bis 94 Seem. gemacht werden.
„Die von der Britischen Admiralität veröffentlichten Windkarten erwiesen
sich“ — wie Herr v. Schleinitz berichtet — „hier wiederum als unzureichend,
da nach ihnen in der ganzen von uns mit Winden zwischen Nord und ENE
*) I. Hydr. Mitth. 1874, No. 17, II. ibid. No, 22, III. ibid, No, 25 und 1875 No. 4,
[V. Annal. d. Hydr. 1875, No. 7 u. 8 (April), V. ibid. No. 19 u. 20 (October), VI, ibid. No. 21 u. 22
‚November), VII. ibid, 1876 Heft I. (Januar), VIII. ibid, Heft II. (Februar).