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Schiff. Im Mai 1873 sind 100 Schiffe mit 42,000 Tonnen, also 420 Tonuen
pro Schiff, und im Juli 1868 60 Schiffe mit 6000 Tonnen, also 100 Tonnen pro
Schiff, aufgeführt. Allgemein interessante Aufschlüsse lassen sich aus dieser
Tafel ohne Commentar indessen nicht ableiten. In den letzten Jahren scheint
die Tonnenzahl im Verhältniss zugenommen zu haben, wofür indessen eine Zu-
sammenstellung der jährlichen Mittel übersichtlicher wäre.
Tafel IIX. enthält den Vergleich des Tonnengehalts der Schiffe mit der
Besatzungsstärke. Auch hier wiederholt sich daher der zweite Theil der vor-
hergehenden Tafeln. Der Construction liegt das Verhältniss zu Grunde: ein
Mann auf 25 Tonnen. Der grössten Tonnenzahl entspricht auch die grösste
Besatzungsstärke im Dezember 1872 und zwar kamen auf die 128,000 Tonnen
5050 Mann, d. h. ziemlich genau 25 Tonnen auf den Kopf. Wie zu erwarten,
schwankt das Verhältniss weniger als das zwischen Schiffszahl und Tonnengehalt.
Tafel IV. enthält die Zahlen der Unglücksfälle (erste Hälfte der ersten
Tafel) verglichen mit der Vertheilung derselben auf die verschiedenen Theile
der englischen Küsten und lässt scharf hervortreten, wie überwiegend die Ost-
küste betheiligt ist, so dass ihr die grössere Hälfte aller Unglücksfälle zukommt.
Diese Tafel gewährt für die Anschauung grosses Interesse, wenn auch werth-
volle Schlüsse sich nicht daraus entnehmen lassen werden.
Tafel V. und VI. zeigen die Windrichtung und die Windstärke, bei
welchen die Unglücksfälle stattfanden, und zwar Tafel V. Januar bis Juni,
Tafel VI. Juli bis Dezember, unter jedem Monat die zehn Jahre neben einander.
Diese Tafeln als graphisch-statistische Darstellung sind als ein Missgriff zu be-
trachten, denn der Zweck solcher Darstellungsweise, die Uebersichtlichkeit, geht
vollständig verloren. 32 Windrichtungen und 15 Windstärken sind hier in ver-
schiedenen. Farben dargestellt und es ist in der That schwer zu begreifen,
wie eine solche Zergliederung der einzelnen Vorfälle hat stattfinden können
(s. S. 129).
Tafel VIL enthält die Unglücksfälle (ausschliesslich der Collisionen) nach
ihren Ursachen geordnet und Tafel VIII ist speciell den Collisionen gewidmet.
Diese Tafeln sind die interessantesten des Werkes. Es ergiebt sich als die
Hauptursache zunächst „Schaden am Schiffskörper und Verlust der Masten“,
wahrscheinlich sind aber hier auch viele kleinere Havarien, die auf See vor-
kommen, mit untergebracht. Den nächst grössten Betrag giebt die Rubrik
„Irrihum, Unfähigkeit oder Nachlässigkeit der Führung“. Demnächst enthält die
Rubrik „Nicht lothen“ einen sehr erheblichen Betrag. Auffallender Weise sind
unter „Zusammentreffen verschiedener Ursachen“ die wenigsten Fälle verzeichnet,
in fünf Jahren sogar gar keine.
Diese Tafel wird vor Allem am meisten Interesse haben, wenn sie durch
eine längere Reihe von Jahren fortgeführt ist. Bei den vorliegenden zehn
Jahren ist ein Schluss auf Ab- oder Zunahme einzelner Ursachen zu unsicher,
um hier näher darauf einzugehen.
Tafel VIII ist in drei Tableaux gesondert:
1) Ursachen, welche das Unglück veranlassten, Schlechter Ausguck und
Vernachlässigung der. Vorschriften sind weitaus die Hauptursachen, dickes und
nebeliges Wetter weist auffallend wenige Fälle nach. Unter „Ursachen un-
bekannt“ fällt.die grosse Zahl der beiden letzten Jahre gegen die Vorjahre auf
(zwischen 40 und 50 in den Jahren 1873 und 74 gegen 5 im Jahre 1872).
2) Zeit und Zustand des Wetters giebt das Resultat, dass die Rubrik
„klar und schön“ bei Tag und Nacht weitaus in allen Jahren die meisten Fälle
aufweist, während die allerdings nur für die Nachtstunden betheiligten „dunkel“
und „sehr dunkel“ am geringsten vertreten sind.
3) Tag und Nacht ist nach Monatsmitteln aus den zehn Jahren geordnet
und zeigt den im Voraus anzunehmenden Verlauf, dass mit der Länge der
Nächte die Menge der Collisionen zunimmt.
Unter diesen acht Tafeln vermissen wir ungern eine Zusammenstellung
des Verlustes an Menschenleben und eine Zusammenstellung der Dampfer und
Segelschiffe. Dieselben liessen sich leicht aufnehmen und ein Zusammendrängen
der ersten Tafeln zu Gunsten solcher Vergleichungen würde nichts schaden.
Auch wäre eine Mitgabe der Zahlentabellen erwünscht.