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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 4 (1876)

Bord aus gleichzeitig ein Paar Granaten aus einem Bootsgeschütz in den Wald 
werfen, welche sie zur schleunigsten Flucht veranlassten. 
Es schien mir für den eventuellen weiteren Verkehr von Europäern mit 
diesen Eingebornen wichtig, ihnen eine Lection dahin zu ertheilen, dass Kuropäer 
ihnen stets überlegen sind und dass sie jedes Unrecht bestrafen. Dafür 
war es erforderlich, ihnen den Beweis zu liefern, dass man im Stande ist, sie 
in ihren Dörfern heimzusuchen: Blutvergiessen wollte ich dabei nach Möglich- 
keit zu vermeiden suchen, weil diese Wilden ihre Rache diesen Falls an jedem 
Weissen geübt hätten, der ihnen als Schwächerer in die Hände fiel, was sich 
bei zufällig hierher gerathenden Kauffahrteischiffen leicht ereignen konnte. 
Ich liess daher den einen Zug des Landungscorps in die Boote einschiffen, 
um eventuell ihre Dörfer zu occupiren und nach den gestohlenen Sachen die Hütten 
zu durchsuchen, falls sie ihr Unrecht nicht bekannten, Die Führung übernahm 
ich persönlich. Die Dörfer lagen an einem Flusse, der ca, 4 Seem. vom Schiffe 
im Aussersten Winkel der nächsten ziemlich grossen und durch Korallenriffe fast 
geschlossenen Bai in sumpfigem "Terrain mündete. 
Da die Bai hier so flach ist, dass nur Gig und Jolle näher heran konn- 
ten, musste das Detachement bis über die Hüften im Wasser und im Schlamm, 
Waffen und Munition hoch gehalten, landen. Von der Landungsstelle — als 
Wegweiser dienten mein Adjutant und der Assistenzarzt Dr. Hüsker, die be- 
reits einmal bei den Dörfern gewesen waren — führt ein morastiger Weg am 
Flusse entlang, und ihn, zweimal kreuzend, nach den ungefähr 2 Seem. im In- 
nern gelegenen Dörfern. Der Uebergang über den im unteren Theile 15 bis 
20 Met. breiten und hier ziemlich tiefen Fluss geht einmal über einen Baum- 
stamm, das andere Mal kann er durchwatet werden. 
Da sich bereits bei der Landung an verschiedenen Stellen bewaffnete 
Eingeborne gezeigt hatten, man auch in der Ferne überall die Kriegsmuschel 
blasen und die Kriegstrommel rühren hörte, liess ich zur Deckung der Ueber- 
gänge je eine Section zurück. 
Kurz vor den Dörfern erhöht sich das Terrain, über welches der Pfad 
führt, etwas, so dass man einen Ueberblick über dieselben gewinnt. Sie sind 
am Fusse eines vom Gebirgsrücken der Insel ausgehenden Hügelzuges in einer 
etwas welligen fruchtbaren mit Palmen, Bananen und anderen Anpflanzungen 
bestandenen Ebene gelegen. Das nächste Dorf, deren im Ganzen drei oder 
vier, nahe bei einander liegen, lehnt sich an eine steile felsige Anhöhe, welche 
von den Eingebornen als ein befestigter Waffenplatz benutzt wird. Sowohl 
hier, wie zwischen den Hütten hatten sich einige hundert Krieger mit Speeren, 
Keulen und Schleudern bewaffnet, versammelt, während die Kriegsinstrumente 
namentlich von der erwähnten Anhöhe ertönten und aus den entfernteren Dör- 
fern Erwiderung fanden. Es war klar, dass die Eingebornen entschlossen 
waren, ihre Dörfer zu behaupten und einen eventuellen Kampf aufzunehmen. 
Die Weiber und Kinder waren entfernt worden. 
Um zunächst den Weg gütlicher Verhandlungen zu versuchen, liess ich 
das Detachement, ca. 30 Mann, hier halten und ging von meinem Adjutanten 
begleitet, dem Dorfeingange zu, wo einige Schritte vor den anderen Kriegern 
vier Männer, wahrscheinlich die Häuptlinge, hielten. Da sie sich bei unserer 
Annäherung zurückzogen, gab ich durch Winken mit einem Tuche meine fried- 
liche Absicht zu erkennen, liess auch meinen Adjutanten. zurück und steckte 
schliesslich meinen Revolver ein, vor dem sie besorgt zu sein schienen, da sie 
immer noch weiter zurückwichen und mich nöthigten, die ersten Hütten des 
Dorfes zu passiren. 
Einer von ihnen reichte mir dann, wahrscheinlich als Zeichen der Be- 
willkommnung, ein junges Huhn an einen Stock gebunden, das ich annahm, je- 
doch in Erinnerung an die Hinterlist, mit der diese Leute gewohnt sind zu 
handeln, um für alle Fälle die Hände frei zu behalten, sogleich an einen Baum 
hing und den Häuptlingen einige Stücken bunten Tuches als Gegengeschenke gab. 
Hiermit schien das Vertrauen hergestellt zu sein und ich machte den Häuptlingen 
durch kaum misszuverstehende Zeichensprache klar, dass ich gekommen wäre, 
weil sie Zeug gestohlen und nachher mit Steinen und Speeren geworfen hätten, 
dass ich nach den gestohlenen Sachen das Dorf durchsuchen lassen, und
	        
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