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der literarischen Besprechüng der „Grapho-statistischen Karten von Schiffsver-
iusten, Unfällen ete. von W. Kuhlow“ (s. S. 130) ist auf die Misslichkeit
einer graphisch-statistischen Darstellung der Abhängigkeit der Unglücksfälle zur
See von der Windrichtung und Windstärke hingewiesen. Indessen gewährt das
auch in dieser Beziehung statistisch geordnete Material einen ungefähren Ein-
blick in den Einfluss, welchen die Richtungen der in der Nähe der Küsten des
Vereinigten Königreichs von Grossbritannien und Irland wehenden Winde auf
die bei denselben stattgefundenen Schiffsunfälle ausüben.
Dem officiellen „Wreck-Report für 1873“, welcher in dem Januarhefte
des „Nautical Magazine“ vom Jahre 1875 abgedruckt ist, entnehmen wir nach-
stehende hierauf bezügliche Angaben.
Bei den vorherrschend westlichen Winden der. britischen Inseln ist es
leicht erklärlich, dass westliche Winde für die Schiffe weit verderblicher sind,
als die östlichen; dies relative Verhältniss der bei den 16 Windrichtungen in
den 10 Jahren von 1864 bis 1873 (incl.) in dieser Beziehung verzeichneten
14286 Schiffsunfälle ergiebt sich aus folgenden Zahlenangaben. Es erreigneten
sich bei N 635, NNE 617, NE 944, ENE 615, E 686, ESE 590, SE 971,
SSE 700, S 918, SSW 1309, SW 1985, WSW 1233, W 1051, WNW 1009,
NW 1144 und bei NNW 579 Schiffsunfälle.
9. Flaschenpost. a) S. M. S. „Arcona“, Commandant Capt.z. S. Frhr,
v. Reibnitz, hat auf der Reise von Fayal (Azoren) nach Plymouth um 12%
Mittags am 7. Dezember 1875 auf 50° 12‘ Nord-Br. und 14° 3‘ West-Lg. eine
Flasche ausgeworfen, welche am 4. Februar 1876 an der Westküste der Insel
Harris (Hebriden) von einem Schäfer gefunden wurde. Derselbe hatte den in
der Flasche befindlichen Zettel seinem Gutsherrn abgegeben und ist von diesem
an den Deutschen Vice - Consul zu Stornoway zur weiteren Uebermittelung ge-
sendet worden. Leider ist die Stelle an der Küste, woselbst die Flasche ge-
funden wurde, nicht genau angegeben, und ist es auch nicht bekannt, ob die
Flasche schon längere Zeit am Strande gelegen hat. Ist letztere beim An-
schwemmen derselben gefunden worden, so würde die Flasche in 57 Tagen einen
Weg von circa 520 Seem. rw. N28°O zurückgelegt haben; sie wäre mithin
durchschnittlich jeden Tag circa 9 Seem. getrieben und der Golf-Trift-Strö-
mung gefolgt,
b) Die „Deutsche Seewarte“ zu Hamburg hat nachstehende Mittheilung
des Kaiserlichen Lootsen - Commandos an der Jade zu Wilhelmshaven vom
13. März d, J, erhalten:
Am 13. Februar d. J. Vormittags wurde zur Zeit des Hochwassers bei Ost-
Wind an Bord des auf seiner Station in der Aussenjade liegenden Feuerschiffes
eine Flasche über Bord geworfen, in der Voraussetzung, dass dieselbe auf
Wangeroog an den Strand getrieben und die in derselben enthaltene Mittheilung
dem Lootsen-Commando an der Jade telegraphisch übermittelt werden würde.
Diese Flasche ist jedoch überhaupt nicht auf Wangeroog, sondern erst am
21. Februar Vormittags auf Pelworm gefunden worden. Nach einer von dort
erhaltenen Nachricht kann dieselbe frühestens in der Nacht vom 20. zum 21. Fe-
bruar dort angetrieben sein,
Die Flasche würde mithin in den 8 Tagen einen Weg von 48 bis 50 Seem,
in der ungefähren Richtung NO (missw.) zurückgelegt haben,