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Kleine hydrographische Notizen,
l. Die Hafenanlagen in Kiel. Die „Besondere Beilage zum Deutschen
Reichs - Anzeiger und Königl. Preuss. Staats - Anzeiger, No. 7 vom 12. Februar
1876“ enthält einen Artikel über den jetzigen Stand der Hafenanlagen in Kiel,
welchem wir nachstehende Notizen entnehmen.
Der Eingang der Kieler Bucht — der bei Bülck, der östlichsten Spitze
von Schleswig, und bei Bottsand, der nördlichsten von Holstein beginnt — er-
streckt sich ungefähr 8 Seem. in südwestlicher Richtung landeinwärts und hat
ein Fahrwasser von 2 Seem. Breite und eine Tiefe von 16 bis 19 Met., so dass
die grössten Schiffe Raum und Wasser genug haben, selbst unter conträrem
Wind ein- und auszulaufen. Zwischen Friedrichsort auf der westlichen und
Möltenort auf der östlichen Seite der Bucht verengt sich die Einfahrt bis auf
942 Met. Breite, dann erweitert sich die Wasserfläche sogleich wieder bis zu
1883 Met., um den eigentlichen Hafen mit einer Tiefe von 11 bis 13 Met. zu bilden.
Bei Düsternbrook, ca. 1 Seem. von der Stadt, findet eine nochmalige Verengung
des Hafens bis zu 640 Met. statt, dann läuft derselbe trichterförmig, in seiner
Breite abnehmend, dem Lande zu. Seine Tiefe beträgt noch an der Stadt selbst
9.5 Met., ganz allmälig vermindert sich dieselbe nach Westen zu bis auf 3,8 Met,,
so dass kleinere Fahrzeuge, wie Kanonenboote, sich selbst am südwestlichen
Endpunkt bis auf 75 Met. dem Ufer: nähern können. Die Hafenlänge von
Friedrichsort bis Kiel beträgt ungefähr 4 Seem. Die beiden Ufer der Bucht
sind von 25 bis 30 Met. hohen Hügeln eingefasst; die eigenthümliche Form ihres
Geländes, welches der Bucht abwechselnd KEnge und Breite giebt, verwehrt den
Nordostwinden den Eingang und schützt den Hafen vor den Gefahren, die der
Sturm aus der genannten Richtung im Gefolge hat.
Für die Anlage der grossen Marine-Etablissements bei Kiel war zuerst die
westliche Seite von Friedrichsort in das Auge gefasst worden. Später wurde
dieses Projekt aus militairischen und fortificatorischen Gründen aufgegeben
und statt dessen eine, am südlichen Ufer gelegene Einbuchtung westlich des
Dorfes Ellerbeck und der Stadt in südöstlicher Richtung gegenüber liegend, als
Bauterrain für den Construetions- und Ausrüstungshafen und den dazu gehörenden
Häuser- und Gebäude-Complex gewählt.
Die Wassertiefe tritt hier mit 7.8 Met. ganz nahe an das Ufer, das Re-
lief des Bodens bietet für den Baubetrieb die wenigsten Schwierigkeiten, der
Hafen liegt in gröstmöglichster Nähe von Stadt und Eisenbahn, und doch völlig
getrennt vom Handelshafen. Ausserdem gestattet seine zurückgezogene Lage die
Etablirung von Batterien bei Düsternbrook auf dem hohen südlichen Uferrande
als letzten Rückhalt für die Vertheidigung des Hafens und aller dazu gehörigen
Anstalten.
An dieser Stelle treten dem Beschauer die Umrahmungen der neuen
Werft-Anlagen in imposanten Umrissen entgegen; gleichermassen erkennt das
Auge eine Gruppe von Hochbauten, die theils fertig gestellt, theils in der
Vollendung begriffen sind. Den Mittelpunkt der gesammten Bauthätigkeit,
welchem sich die Aufmerksamkeit zunächst zuwendet, bilden zwei grosse Bassins,
das Baubassin und das Ausrüstungsbassin nach dem. Zweck ihrer Anlage
benannt.
Die Aushebung derselben war mit bedeutenden Schwierigkeiten verknüpft;
es mussten die verschiedenen, hier den Baugrund bildenden Bodenarten, be-
stehend in theils sandigen, theils moorigen und ungewöhnlich harten '"Thon-
schichten, aus sehr festem Lager und bis aus einer Tiefe von ungefähr 14 Met.
emporgehoben und letztere mittelst Dynamit gesprengt werden.
Das Schiffsbaubassin enthält eine Fläche von 215 Met. im Quadrat, bei
9.4 Met. constanter Wassertiefe. .
Das Schiffsausrüstungs- Bassin daneben ist 215 Met. breit und 284 Met.
lang, mit einer Wassertiefe von 10,3 Met. bei gewöhnlichem Wasserstande.
Der Verbindungskanal zwischen beiden Bassins ist, bei einer lichten Weite
von 23.4 Met., 63 Met. lang. Die Einfahrt in das Bassin vom Hafen aus ist
185 Met. lang und 90 Met. breit, mit einer Wassertiefe bis zu 10.3 Met.
Nächst den Bassins erregen die vier grossen Trockendocks Interesse,
welche sich westlich an das Schiffsbau - Bassin anschliessen. Das erste (süd-