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Verheissungen auf diesem Gebiet; er erinnert an Faraday’s Ausspruch, dass
ein falsches Versprechen für den Seemann schlimmer sei, als gar keines. Un-
sicherheit sei sein grösster Feind, Sicherheit liege nur in der Gewissheit.
Auf Grund der gewonnenen Erfahrungen ist die Englische Behörde be-
strebt, die Küsten des Landes mit einem möglichst dichten Cordon von Nebel-
signal - Apparaten zu versehen. Für die Etatsperioden 1874/75 und 1875/76
wurden zu dem Behufe Z 33,650 ausgesetzt, von denen bis zum vorigen Som-
mer bereits Z 22,000 verwandt waren; die Zahl der errichteten und der in
diesem Jahr noch fertig zu stellenden Apparate beläuft sich auf 32, von denen
die Hälfte für Feuerschiffe bestimmt.
Was die neueren Preissätze anbetrifft, so ergeben die Akten des Han-
delsamtes, dass sich der Preis der Nebelhörner mit calorischem Maschinen-
betrieb (doppelter Apparat), einschliesslich der Kosten für die Montirung an
Bord der Feuerschiffe, auf ungefähr & 1200, der der Sirene (doppelter Apparat)
nebst allem Zubehör, Gebäude u. s. w. auf Z 2500 bis 3500 stellt.
| Die Firma A, und F. Brown in New-York offerirte im Juni 1874 der
Schottischen Leuchtfeuer-Behörde
1) calorische Maschinen mit Patentsirene zweiter Klasse und Trompete
für 4900 Dollars, ;
2) grössere mit Patentsirene erster Klasse und Trompete für 6900 Dollars,
3) Dampfsirene für 2000 bis 3600 Dollars.
in ihrem Bericht über die in den Vereinigten Staaten von Nordamerika
gesammelten Erfahrungen weist die Commission des Trinity House auf das
übermässige Vertrauen hin, welches in die Zuverlässigkeit der Nebelsignale
gesetzt wird; es wird constatirt, dass die Dampfer wie toll durch den dicksten
Nebel darauf losfahren, gänzlich unbekümmert um die Folgen einer so unver-
antwortlichen Handlungsweise; Collisionen sind demgemäss auch an der Tages-
ordnung. An der Küste der Vereinigten Staaten ist der Normalzustand der
Atmosphäre mindestens für die eine Hälfte des Jahres. Nebel, und Rheder so-
wohl wie Capitaine finden darin keinen Grund, die Schnelligkeit der Fahrten
einzuschränken; sie laufen eben das damit verbundene Risiko.
Auch in einem Memorandum über die bei South Foreland angestellten
Versuche wird auf die grosse Unsicherheit und die akustischen Täuschungen
hingewiesen, die ungeachtet aller wissenschaftlichen Fortschritte und der Ver-
vollkommnung der Apparate doch nicht zu vermeiden sind. Eine auch nur
einigermassen zuverlässige Schätzung der Entfernung der Signalstation gehört
in der Regel zu den Unmöglichkeiten, weil, wie oben dargelegt, die Fortpflan-
zung des Schalls von zu mannigfachen Factoren abhängig ist. Es wird daher
die allergrösste Vorsicht und Besonnenheit bei dickem Wetter
empfohlen, und vor Allem davor gewarnt, im Vertrauen auf die
akustischen Signale mit voller Fahrt zu laufen und darüber des
Seemanns besten Freund und Führer, „das Loth“, zu vernach-
lässigen.
Diese Warnung erscheint um so beherzigenswerther, als ohne alle Frage
die Zahl der lediglich in Folge zu schnellen Fahrens bei Nebel vorkommenden
Collisionen und Strandungen eine ausserordentlich grosse ist; Professor Tyn-
dall giebt den Rath, stets, sobald ein Nebelsignal gehört wird, besonders vor-
sichtig zu sein, weil man dessen Ausgangspunkt auf nicht weiter wie 2 bis 3
Seemeilen schätzen dürfe, und vor Allem zu lothen.