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konstruirt war, als Nebelsignal-Instrument dem Professor Honry, Vorsitzenden
des Leuchtfeuerwesens in Washington, zu danken ist.
Für Feuerschiffe erscheint die Sirene wegen des grossen Umfangs des
Apparats nicht zweckmässig.
Von den sonstigen Apparaten haben sich die durch kalorische Maschinen
in Betrieb gesetzten Lufthörner (oder Trompeten) gut bewährt; ihre Anwen-
dung ist nicht mit Gefahr verbunden, wenig kostspielig und leicht.
Die Dampfpfeifen dagegen haben sich nicht als praktische Instrumente
erwiesen, ihre Signale stehen weit hinter den übrigen zurück.
6) Was die Geschütze anbetrifft, so sind die Nachtheile folgende: der
Ton ist von so kurzer Dauer, dass er leicht überhört werden kann; ein mo-
mentaner Windstoss kann verhindern, dass er gehört wird; ingleichen kann er
durch anderweitige lokale Verhältnisse leicht erstickt werden. Bei konträrem
Wind ist die Abschwächung des Schalls eine verhältnissmässig sehr erhebliche;
dazu kommt die Sehwierigkeit der Geschützbedienung. Die Hauptvortheile sind
der laute Knall und die Mitwirkung des Blitzes als optisches Signal.
Es hat sich nämlich die auffallende und meines Wissens nach wenig be-
kannte Thatsache ergeben, dass der Blitz eines Kanonenschusses durch den
Nebel hindurch häufig (vermuthlich wohl nur bei conträrem Wind) noch auf
eine Entfernung sichtbar ist, wo der Schall gar nicht mehr gehört wird, wo
auch cin Leuchtfeuer längst nicht mehr erkennbar ist. Diese Erscheinung ist
um so beachtenswerther, als die Möglichkeit einer Täuschung über die Rich-
tung, aus welcher ein erkennbares optisches Signal kommt, ausgeschlossen ist,
während erfahrungsmässig die akustischen Signale hinsichtlich der Orientirung
über ihren Ausgangspunkt keineswegs immer einen zuverlässigen Anhalt geben.
Tyndall macht deshalb auch darauf aufmerksam, dass eine möglichst starke
Intensität . des Lichts bei den. Kanonenschüssen anzustreben sei, dass die Be-
dingungen hierfür namentlich die Anwendung feinkörnigen Pulvers und eine
schnelle Verbrennung seien, und dass vielleicht das blosse Abbrennen einer
Quantität Pulver oder Schiessbaumwolle in gewissen Intervallen sich als ein
sehr einfaches und nützliches Nebelsignal erweisen könne.
Jedenfalls sieht Tyndall das Geschütz als ein Nebelsignal - Instrument
ersten Ranges an und giebt von den zu den Versuchen benutzten der Haubitze
mit 3pfündiger Ladung den Vorzug, befürwortet aber gleichzeitig die Con-
struction: einer besonderen Nebelsignal-Kanone.
Die vom Oberst Campbell angestellten Versuche haben sich demnächst
noch speciell gerichtet auf das Material und die Form der Geschütze und die
Feststellung der geeignetsten Munition; es wird ferner die Aufstellung der
Geschütze vor parabolischen Refleetoren empfohlen; Schiessbaumwolle erscheint
zweckentsprechender wie Pulver, weil bei der Verwendung einer Quantität
Schiessbaumwolle desselben Gewichts der Knall lauter und der Blitz heller ist;
freilich ist Pulver relativ wohlfeiler.
7) Unter den verschiedenen Apparaten sind für den Seemann
mit Sicherheit nur die Kanonen von den übrigen zu unterscheiden.
Es hat sich ergeben, dass selbst die geübtesten Beobachter nicht im Stande
sind, auf 1'/2 bis 2 Meilen noch den Schall des Horns, der Sirene und der
Pfeife, besonders bei tiefer Stimmung der Instrumente, zu unterscheiden.
Soweit es also auf Unterscheidungen ankommt, sind bei solchen Instru-
menten allein zuverlässige Mittel: verschiedene Länge der Intervalle oder ver-
schiedene Dauer der Töne.
8) Was die Intervalle und die Dauer der Signale im Besonderen
betrifft, so ist die Praxis darin eine sehr verschiedene. Die Glocken schlagen
zum Theil continuirlich, zum Theil geben sie mehr oder weniger (mindestens 6)
Schläge in der Minute; die Hörner geben entweder einen kurzen Stoss oder
einen langen Ton von 5 Sekunden in Intervallen von 10 bis 45 Sekunden.
Die Geschütze feuern für gewöhnlich jede halbe Stunde einen Schuss ab; wenn
die Postdampfer fällig sind aber alle 15 Minuten.
Trinity House erachtet neuerdings mit Rücksicht auf die Dampfschifffahrt
es für erforderlich, dass alle 5 Minuten ein Schuss abgegeben wird; für die
übrigen Signale wünscht Tyndall Intervalle von höchstens 30 Sekunden.
9) Sehr beachtenswerth ist die Warnung Tyndall’s vor optimistischen