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Die Preise für die Apparate der verschiedenen Arten stellten sich pr. pr.
für Glocken auf Z 77 bis 722, für Geschütze auf & 655 bis 1396, für Hörner
auf & 190 bis 2175, für Gongs auf & 4, für Glockenbojen exel. Moorings auf
Z 146 das Stück.
Einen ganz neuen Aufschwung nahm das Küsten- Nebelsignalwesen seit
dem Jahre 1872, nachdem sich die Ueberzeugung Bahn gebrochen, dass eine
rationelle Fortentwickelung nur auf der Basis methodisch angestellter Versuche
und wissenschaftlicher Forschungen möglich sei,
Um nach dieser Richtung hin zunächst auch die Erfahrungen im Auslande
kennen zu lernen und nutzbar zu machen, wurde im Sommer 1872 eine Com-
mission der Brüderschaft des Trinity House nach Nordamerika entsandt, um
das Nebel-Signalwesen in Canada und in den Vereinigten Staaten kennen zu
lernen; diese Commission fand durch die äusserst bereitwillige Unterstützung
der Aufsichtsbehörden in Quebek sowohl wie in Washington Gelegenheit, die
umfassendsten Informationen einzuziehen.
Im folgenden Jahre nahm auf Veranlassung des Trinity House Professor
Tyndall, der wissenschaftliche Consulent dieses Instituts, mit mehreren Mit-
gliedern desselben in der Zeit vom 19. Mai bis 25. November bei South Fore-
land in systematischer Weise eine Reihe von Versuchen mit Signalapparaten
verschiedener ‚Art vor; die Apparate waren Hörner mit calorischem Betrieb,
Dampfhörner, Dampfpfeifen, Luftpfeifen, Geschütze (ein 18pfündiges langes
Rohr, eine 5’2zöllige Haubitze, ein 13zölliger Mörser) und die Sirene. Hieran
schlossen sich die in den Jahren 1874 und 1875 gleichfalls auf Veranlassung
des Trinity House vom Oberst Campbell, Superintendent der Königlichen
Geschützfabriken, speziell mit Geschützen vorgenommenen Versuche, welchen
zum Theil auch Professor Tyndall und Mitglieder der Behörde beiwohnten.
Die wichtigsten Resultate der Untersuchungen lassen sich dahin zu-
sammenfassen:*)
1) Die frühere Annahme, dass Nebel für die Fortpflanzung
des Schalles ungünstig sei, ist widerlegt, und es ist klar erwiesen, dass
gerade dicker Nebel für die Fortpflanzung der Töne hervorragend günstig ist,
weil die Atmosphäre in diesem Zustande am meisten homogen ist; ingleichen
wachsen die Töne bei starkem Regen und Schneesturm. Es folgt daraus,
dass derjenige Zustand der Atmosphäre, welcher die Anwendung
akustischer Nebelsignale am Meisten nothwendig macht, auch der
günstigste für ihre wirksame Anwendung ist. Die Hörweite der Signale
wird daher auch meist in der Praxis eine grössere sein, als bei den in der
Regel bei mehr oder weniger klarem Wetter vorgenommenen Versuchen,
2) Starker conträrer Wind hindert die Fortpflanzung selbst
der stärksten Töne auf beträchtliche Entfernung; bei mässiger Brise
sind selbst bei sonst ungünstigen Verhältnissen für die Fortpflanzung des
Schalles Signale noch auf 2 bis 3 Meilen hörbar, bei Nebel erheblich weiter.
3) Die Hörweite der Signale ist auch sonst von sehr mannigfachen Ver-
hältnissen der Atmosphäre abhängig, namentlich auch von der Temperatur.
4) Was die Aufstellung der Apparate anbetrifft, so wird empfohlen, sie
in beträchtlicher Höhe über dem Meeresspiegel zu placiren, um die Ab-
schwächung des Schalls durch das Brausen der Wellen am Strand, durch das
Geräusch der Raddampfer u. s. w. zu vermeiden; ferner soll bei der Aufstellung
darauf Rücksicht genommen werden, dass der Schall sich nicht bricht.
5) Die Wirkungen der verschiedenen Apparate sind zwar sehr variable
gewesen, ohne Zweifel aber nimmt die Amerikanische Sirene den ersten
Platz ein; die Anwendung der calorischen Maschine zum Betrieb derselben
scheint aus Rücksichten für die Sicherheit, sowie vom ökonomischen Gesichts-
punkte aus besonders empfehlenswerth. Es mag hierbei nicht unerwähnt blei-
ben, dass die Einführung der Sirene, eines Apparates, welcher ursprünglich
zum Zweck der genauen Bestimmung der absoluten Schwingungen der Töne
*) In einem der nächsten Hefte dieser Annalen ete. werden wir einen ausführlichen Ar-
jikel über die amerikanischen und englischen Versuche mit verschiedenen Nebelsignalen bringen,
A. d. R.