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Beiträge zur Kenntniss der geographischen Verbreitung
der Seegräser.
Von Professor P. Ascherson. ;
Seit der letzten Zusammenstellung, welche ich in Professor Neumayer’s
Anleitung zu wissenschaftlichen Beobachtungen auf Reisen (1875. 8. 358 —373)
gegeben, ist mir ein‘ ungewöhnlich reichliches Material zugegangen, durch
welches eine Reihe von bisher schmerzlich empfundenen. Lücken unserer Kennt-
niss ausgefüllt wurde, Ausser mehreren kleineren Beiträgen, die weiterhin
dankbar zu nennen sind, verdanke ich dieses Material hauptsächlich den beiden
grossen hydrographischen. Untersuchungsreisen von S. M. S. „Gazelle“ sowie der
schon ein Jahr früher begonnenen des britischen Schiffes „Challenger“, Die
beiden mit den botanischen Untersuchungen und Sammlungen beauftragten Mit-
glieder der Expeditionen, Dr. F, Naumannn auf dor „Gazelle“ und Mr. M oseley
auf dem „Challenger“, haben den Meer-Phanerogamen ihre besondere Aufmerk-
samkeit geschenkt und ist ihr Eifer durch mehrere wichtige Funde belohnt
worden. Dr. Naumann sandte mir Proben seiner Sammlungen von Koepang,
Amboina und Auckland direct zu; Exemplare der von Moseley gesammelten
Arten erhielt ich durch die Güte des Professors Oliver, Keeper des Kew-
Herbarium. Beiden Herren sei hiermit der wärmste Dank abgestattet.
Folgende Zusätze würden nach den 1875 erhaltenen Materialien in der
oben erwähnten Zusammenstellung in Neumayer’s Anleitung zu machen sein.
(M. bedeutet Moseley, N. Naumann).
1. _Enhalus aceroides (L. fill) Steud. Sehr häufig an den Küsten von Neu-
Guinea, Neu-Hannover und Neu - Irland (N. briefliche Mittheilung), an der
NW.-Spitze der letztgenannten Insel sah N. die zur Ebbezeit kaum 0.4-—0.2 Met.
tiefen Lagunen der Saumriffe mit den männlichen Blüthen wie leicht mit Säge-
mehl bestreut.
3. Thalassia Hemprichii (Ehrb.) Aschs, Nordwestküste von Neu-Han-
nover (N.)
5. Cymodocea rotundata (Ehrb. und Hempr.), Aschs. und Schwf. Die a.
a. O. S. 363 ausgesprochene Erwartung, dass diese bisher nur aus dem rothen
Meere bekannte Art sich als im Indischen Ocean weiter verbreitet erweisen
werde, hat sich in vollem Masse erfüllt; sie überschreitet sogar wie Enhalus
die Torres-Strasse und wird sich wohl, wie in Melanesien, auch in Polynesien
finden. N. traf sie zuerst in etwa 20 Seem. Entfernung von den Montebello-
Inseln an der NW-Spitze Australiens treibend an: später sammelte er sie bei
Atapupu auf der Insel Timor mit der bis dahin noch nicht bekannten Frucht,
welche weit schärfere Unterschiede von der verwandten €. nodasa (Uceria) Aschs.
des Mittelmeeres besitzt als die vegetativen Organe. Der bei leizterer Art nur
seicht ausgeschweifte Rückenkamm ist bei €, rotundata deutlich gezähnt (Zähne
O.0005 bis O.ooı Met. hoch). Professor E. v. Martens hat ‚ wie ich mich nun
überzeugen konnte, dieselbe Pflanze dort schon im Dezember 1862 gesammelt,
doch liessen die wegen der Jahreszeit sehr unvollkommenen. Exemplare bisher
die Bestimmung nicht zu. Ferner sandte N. dieselbe Art von der Nordwest-
küste von Neu-Hannover und nach seinen Mittheilungen findet sie sich auch bei
Neu-Irland, sowie den Anachoreten.
6. CC. serrulata (R. Br.) Aschs. und Magna. Zamboangan auf Minda-
na0 (M.)
8. C, antaretien (Labill) Endl. Wie ich früher (November 1869) nachge-
wiesen, waren die Fruchtstände von Posidenia australis Hook. fil. früher irrthümlich
als die dieser Art beschrieben worden und hatte ich selbst mich dadurch ver-
leiten lassen, für diese Art die Gattung Ämphibolis Ag, aufrecht zu erhalten.
Die von mir ausgesprochene Erwartung, dass die noch unbekannten weiblichen
Blüthen den Typus von Cymodocea zeigen werden, eine Erwartung, die durch die
von Dr. P. Magnus in dieser Gesellschaft (Dezember 1870) nachgewiesene
Uebereinstimmung im anatomischen Bau mit €. eiliata (Forsk.) Ehrb. sehr an
Sicherheit gewonnen hatte, hat sich nunmehr erfüllt. Baron F. v. Müller
sandte freundlichst ein Exemplar, von Mrs. Beal in Loutitt-Bay, westlich von