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Bemerkungen über die klimatischen Verhältnisse von Nagasaki,
mit besonderer Berücksichtigung der daselbst herrschenden Winde.
Seit dem 1. November 1871 leitet Dr. Geerts an der japanischen Re-
gierungs-Medieinal-Schule zu Nagasaki eine nach den Bestimmungen des Wiener
Meteorologen-Congresses und den Anweisungen von Dir. Buys-Ballot in Utrecht
eingerichtete meteorologische Station, — die. erste der Art in Japan. Diese
Station befindet sich in dem Gebäude der obenerwähnten Medieinal-Schule, nur
650 Met. von der früheren meteorologischen Station auf der kleinen Insel
Desima, bei Nagasaki, entfernt, wo auf Anordnung der holländischen Regierung
von 1845 bis 1862 meteorologische Beobachtungen angestellt worden sind, deren
Ergebnisse in den Annalen der Königl. Akademie der Wissenschaften der Nieder-
lande und des meteorologischen Institutes zu Utrecht niedergelegt sind; hiernach
ist Nagasakt in klimatischer Beziehung besser bekannt, als irgend ein anderer
Ort in Japan.
Dr. Geerts hat in den „Zransactions of the Astatic Society of Japan“
Vol. III, Part. II (Januar-—Juni 1875), pag. 71 ff. die Resultate seiner Beob-
achtungen für das Jahr 1872 mitgetheilt, und daran einige nicht unwesentliche
Bemerkungen über die Windverhältnisse zu Nagasaki und in dem Nordchine-
sischen Meere von der Insel Formosa bis zum Japanischen Archipel geknüpft,
welche von zahlreichen Diagrammen und Tabellen begleitet sind, und die wir
hier im Auszuge wiedergeben:
Die Beobachtungen selbst sind fünf Mal täglich, um 7* und 9* Vor-
mittags, Mittags 12% und 3* und 6* Nachmittags mit gut geprüften und zweck-
mässig aufgestellten Instrumenten gemacht worden, so dass sie volles Zutrauen
verdienen.
In dem Chinesischen Meere, von der Insel Formosa ab, längs der Küste
von China, bis zu dem Japanischen Archipel herrschen bekanntlich zwei Mon-
sune von verschiedener Dauer während des Verlaufes eines Jahres, nämlich der
Südwest-Monsun, von Juni bis September und der Nordost-Monsun von October
bis Mai. Nagasaki liegt gleichfalls innerhalb dieses Monsungebietes, doch zeigt
sich hier eine leichte Veränderung in der Richtung des Nordost - Monsuns.
Während nämlich in den Monaten Juni, Juli und August der Südwest-Monsun
zu Nagasaki aus derselben. Richtung weht, wie in dem Chinesischen Meere,
dreht sich der Nordost-Monsun nach Nord und NNW; diese Erscheinung ist
aus der Lage dieses Ortes zu erklären, welcher, ausgenommen zwischen SW
und SSW, ganz und gar von Hügeln von 122 bis 427 Met. Höhe umgeben ist.
Wio in der China-See, so ist auch zu Nagasaki die Dauer des Nord-
Monsuns (so muss man nämlich für Nagasaki sagen statt Nordost-Monsun) zwei
Mal länger, als die des Südwest-Monsuns.
Der Monat September, und zuweilen die ersten. Tage des October, sind
die Perioden, in welchen der Südwest-Monsun kentert und in den Nord-Monsun
übergeht, während der Wechsel von diesem zu dem Südwest-Monsun allmäliger
vor sich geht und zwei Monate, April und Mai, andauert, zuweilen sogar
schon in den letzten Tagen des März eintritt. Ost- und Südost-Winde sind zu
Nagasaki vergleichsweise selten; aber sie sind zugleich die eigentlichen Regen-
bringer für Nagasaki und für einen. grossen Theil der Ostküste von Japan,
während die nördlichen Winde die grösste Trockenheit mit sich bringen; es ist
fast nahezu gewiss, dass es regnen wird, wenn Öst- und Südostwinde einen
Tag lang oder noch länger wehen. Dies ist übrigens leicht zu erklären, denn
die über die wärmeren Theile des Stillen .Oceans streifenden Ost- und Südost-
winde müssen nothwendigerweise mit Wasserdampf gesättigt sein und ihr
Wasser abgeben, wenn sie durch die Vegetation an den japanischen Küsten
abgekühlt werden, in gleicher Weise, wie es mit dem Südwestwinde an den
W estküsten von Europa der Fall ist.
Die in der unten folgenden Tabelle I, (s. S. 414) gegebene Zusammen-
stellung der im Jahre 1872 zu Nagasaki fünf Mal täglich beobachteten Wind-
richtungen zeigt die absolute Vertheilung derselben für die einzelnen Monate
und die acht Hauptstriche der Windrose, sowie die nach den Diagrammen des
Dr. Geerts hergeleiteten Angaben der Procentzahlen der betreffenden einzelnen