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tain Jones von 64° Nord-Br. bis zum Cap Farewell eine Lothungslinie pa-
rallel der Küste von Grönland und erhielt Lothungen am 10., 11., 12. und
14. August (s. S. 109). Alsdann durchschnitt die „Valorows“ den Atlantischen
Ocean und erhielt längs eines grösssten Kreises sieben Lothungen in dem bis
dahin noch unbekannten Gebiete zwischen den Lothungslinien des „Bulldog“
und des „Cyclops“, und im Anschluss an die Lothungslinie der „Porcupine“ im
Sommer 1869. -
Die interessanteste Lothung wurde am 20. August in 56° Nord-Br. und
34° 42‘ West-Lg., 400 Seem. südöstlich vom Cap Farewell gemacht, indem
Capitain Jones daselbst eine unterseeische Erhebung von nur 690 Faden oder
1262 Meter mit sehr steilen Abhängen nach beiden Seiten constatiren konnte;
ungefähr in derselben Breite, aber 3° westlicher wurden am Tage vorher am
19. August 1450 Faden oder 2652 Meter mit Globigerinen-Schlamm gelothet,
und am Tage nachher am 21. August 3° östlicher und wieder in derselben
Breite von 56° Nord 1280 Faden oder 2249 Meter Schlammgrund. Diese beiden
Lothungen befanden sich 103 Seem. von der unterseeischen Erhebung, von
deren Spitze Basaltstücke und. andere schwarze vulcanische Gesteine heraufge-
bracht wurden; sie waren zum grössten Theile scharfkantig und nicht abge-
rundet, wie es der Fall hätte sein müssen, wenn sie von weither durch Strö-
mungen an Ort und Stelle gebracht worden wären.
Kin heftiger Sturm am 24, August in 20° West-Lg. verhinderte die wei-
teren Lothungen bis Plymouth, wo die „ Valorous“ am 27. August eintraf.
Raza-Island im Golf von Californien.
Ueber die Insel Raza im Golf von Californien, welche jetzt mehr und
mehr von Schiffen, namentlich auch von deutschen, besucht wird, um dort Guano
zu laden, giebt Capitain Schoof, Führer des Hamburger Schiffes „Atalante“,
einen ausführlichen, sowohl auf eigene Erfahrung als auch auf die Aussagen
zweier in dem Golf von Californien seit Jahren thätigen Küsten-Capitaine ba-
sirten Bericht, welcher dem nautischen Publikum umsomehr willkommen sein
dürfte, als Karten und Segelanweisungen über jene Gewässer noch Vieles zu
wünschen übrig lassen, und den wir hier nach der Hamburgischen Börsenhalle
Nr. 19712 vom 29. October 1875 wiedergeben.
Capitain Schoof sagt: Die „Nordwester“ oder sogenannte gute Jahres-
zeit ist von Ende November bis Juni, während welcher Zeit. Regen nur höchst
selten oder nie sich einstellt. Südliche und östliche Winde sind während dieser
Periode ebenfalls selten und schwach, während der NW-Wind vorherrschend
und oft so frisch ist, dass aufkreuzende Schiffe die Bramsegel fest machen
müssen. Während der Anwesenheit der „Atalante“ bei Raza, vom 12, März
bis 15. April, wurde der NW sogar mitunter stürmisch, wodurch das Einnehmen
der Ladung 3 bis 4 Tage unterbrochen wurde, doch wurde dies als etwas
Aussergewöhnliches bezeichnet.
Im April ist es gewöhnlich sehr flau, während im Mai viel Windstille
eintritt und auch schon mitunter SE-Wind zu erwarten ist. Ist die Luft sehr
trocken, Nachts ohne Than und zeigt sich die californische Küste diesig, so ist
mit Sicherheit NW-Wind zu erwarten, während sehr klare Luft mit grosser
Weitsichtigkeit, schönes Wetter mit flanem Winde andeutet und eine starke
Kimmung, als ob das Land in der Luft schwebte, ein Zeichen für Ostwind ist.
Nördlich von Guaymas ist genau auf die Strömung zu achten; dieselbe ist viel
von Wind und Wetter abhängig und mitunter sehr stark. Bei normalen Ver-
hältnissen wechselt der Strom alle 6 Stunden. Bei Raza ist zur Zeit der
Springfluth um 6 Uhr Niedrigwasser und hat der Strom hier oft eine Ge-
schwindigkeit von 3 bis 4 Knoten die Stunde, wobei die Fluth nach WNW, die
Ebbe nach OSO setzt. Im Norden zeigen sich viele Stromwirbel, besonders in den
Strassen, welche oft Veranlassung geben, mit Brandung verwechselt zu werden.