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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 4 (1876)

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die Südost-Winde treiben die Eisberge nach der Grönland-Küste zu, während 
die Nordwest-Winde sie nach der Seite von Disco führen. An beiden Küsten 
erheben sich hohe Bergzüge: die von Disco reichen bis 1000 Met. Höhe, noch 
höher sind die Noursoak-Berge der Grönländischen Küste mit mächtigen Ab- 
stürzen und vielfach gegliedertem Kamme. An der offenen Küste dieser mit 
Eisbergen beladenen Strasse sind daher die Ankerplätze sehr unsicher: die 
beste Lage bieteß noch der von der „Valorous“ ausgewählte Platz gegenüber 
dem Kohlenabhange, ungefähr in der Mitte der Strasse, aber immerhin drohen 
die treibenden Eisberge stets mit grossen Gefahren für das Schiff, besonders 
bei nebeligem Wetter und umspringendem Winde. 
Am 18. Juli wurde mit einem Boote der auf der Halbinsel Noursoak 
gelegene Hafen von Atanekerdiuk besucht, welcher durch die daselbst vorkom- 
menden und von Prof. Heer beschriebenen miocenen fossilen Pflanzen für die 
Wissenschaft so berühmt geworden ist. Dieser Hafen wird von einer grob- 
körnigen Dolerit-Masse von einer Seem. Länge gebildet, die mit dem Festlande 
durch eine sandige Landenge zusammenhängt. Letztere von Westen nach Osten 
streichend, bildet an der nördlichen und südlichen Seite je eine Bucht; die 
nördliche Bucht ist durch einen Basaltfels noch wieder geschützt, welcher mit 
dem Festlande durch eine Landzunge zusammenhängt; das Wasser in dieser 
Bucht ist sehr tief, aber den Eingang in dieselbe fand die „Valorous“ durch 
Eisberge gesperrt; die südliche Bucht war überhaupt ganz und gar mit Eis- 
bergen angefüllt. Ueber Atanekerdluk erheben sich, steil ansteigend, die Berge 
bis zu 1330 Meter und endigen in spitzen Gipfeln; die Schichten mit den fos- 
silen Pflanzen bestehen aus eisenhaltigem Thon und befinden sich ca. 400 Meter 
über dem Meerespiegel; die darüber liegenden Schichten gehören der oberen 
Kreide an, führen einige Kohlenadern und sind häufig durch grosse Massen von 
eruptivem Gestein durchbrochen. 
Nächdem die „Valorous‘‘ unter grossen und beständigen Gefahren 
wegen der HEisberge bei Ristenbenks Kulbrud Kohlen geladen hatte, deren 
Brennwerth sich aber zu den englischen Kohlen im günstigsten Falle wie 3 : 4 
verhält, dampfte sie am 21. Juli die Waigat-Strasse abwärts und erreichte am 
22, Juli des Morgens die Insel Hare am Nordende von Disco. Von dort aus führte 
sie die zweite ihr gestellte Aufgabe aus, Lothungen in der Davis-Strasse und 
im nördlichen atlantischen Ocean zu machen (s. S. 109). Auf der Tour von Hare- 
Insel bis Holsteinborg, wo die „Valorous“ sich mit Proviant versorgen wollte, 
war sie am 25, Juli nahe bei den Knight-Inseln, einer langen Reihe von ge- 
fährlichen Klippen gerade im Norden von Holsteinborg, angelangt, aber der 
dicke Nebel gestattete erst am 27. Juli die äusserste derselben in Sicht zu be- 
kommen. Nach der allgemeinen Karte kann der Hafen von Holsteinborg (S. 
a a. O. pag. 45) mit einem Ostkurs, südlich von diesen Imseln, angesegelt 
werden; der i, J. 1854 von den Offieieren des „Phönix“ aufgenommene Spe- 
zial-Plan von Holsteinborg (brit. Admiralit.-Karte No. 2266) zeigt nur den 
inneren Ankerplatz, giebt aber keine Anweisungen für die Ansegelung. Capitain 
Jones folgte nun zwar dem auf der Karte angegebenen Kurs, aber kurz vor 
der Einsegelung in den Hafen lief die ‚„Valorous‘‘ auf ein kleines, in der Karte 
nicht verzeichnetes Riff, welches 31% Seem. südlich von der südwestlichsten 
Klippe der Knight-Inseln liegt, auf, wurde aber bei steigender Fluth wieder 
flott. In Holsteinborg selbst erfuhr Capitain Jones von dem dortigen 
Gouverneur , Herrn Lassen, dass wegen der Riffe und unter der Ober- 
fläche befindlichen Felsen, Holsteinborg nur vom Süden her angesegelt werden 
könne; dies thun auch die von Dänemark jährlich dort ankommenden Schiffe, 
Die geographische Lage von Holsteinborg ist nach Capitain Inglefield 
(1853) 66° 56‘ Nord-Br. und 53° 42‘ West-Lg. 
Eine am 28. und 29, Juli von Capitain Jones ausgeführte Vermessung 
der Umgebungen des Hafens von Holsteinborg ergab, dass die Knight-Inseln, 
anstatt von der Küste aus in einer Ost-West-Linie, wie die allgemeine Karte 
angiebt, sich vielmehr nach SW hin strecken, dass mehrere Inseln an einer 
andern Stelle sich befinden, und noch andere auf der Karte gar nicht vor 
handen sind. 
Am 8. August setzte die „ Valorous“ ihre Reise nach England fort und er- 
reichte zu Mitternacht den nördlichen Polarkreis; vom 10. August ab legte Capi-
	        
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