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die Kosten für Kohlen nebst den Hafenabgaben in den anzulaufenden Häfen zu
bestreiten. ;
Zur Ausführung so günstiger Reisen gehört allerdings cin gut segelndes
Schiff, namentlich aber ein Führer, der seiner Aufgabe vollständig gewachsen
ist und auch unter schwierigen Umständen, wenn Gegenwinde ihn von seiner
Route abtreiben, weiss, wie er zu navigiren hat, um möglichst bald wieder
günstige Winde aufzufinden.
Wenn man die Reise der „Susanne Godeffroy“ näher ansieht, so findet
man, dass sich die Route im Wesentlichen sehr nahe derjenigen anschliesst,
welche die Holländer aus ihren Untersuchungen über die Reisen vom Kanal
nach Java für die Monate März, April und Mai als die günstigste ermittelt
haben. Es liefert also dieselbe eine abermalige Bestätigung der aus jenen
Untersuchungen entwickelten Grundsätze.
Die Leistung des Schiffes im Nord-Atlantischen Ocean steht, wenn auch
nicht vereinzelt, so doch als höchst selten da, NE- Winde bringen das Schiff,
ohne irgend welche Unterbrechung, von 50° Nord-Br. in 17 Tagen 15 Stunden bis
zu der Linie. In englischen Karten finden sich als Musterreisen die Tracks
der „Mistery“ und des „Kent“ verzeichnet, welche in bezw. 19 und 19%2 Tagen
in dem jedenfalls für schnelle Reisen ebenso günstigen Monat November die
Reise von Lizard.nach der Linie zurücklegten,
Segelanweisung für das Fahrwasser Raz de Sein, auf Grund der
im Jahre 1875 daselbst angezündeten Leuchtfeuer.,
In dem Fahrwasser Raz de Sein*) hat man bis jetzt noch nicht die
Stromgeschwindigkeit genau festgestellt, dieselbe wird aber zu 5 bis 6 Seem.,
je nach dem Stande der Gezeit angenommen, Ein Schiff kann aber bei frischer
Brise in diesem Fahrwasser, welches so eng ist, dass es einem Schiffe unmöglich
ist, weiter als eine Seem. von den daselbst befindlichen Untiefen abzubleiben,
und in welchem es gezwungen zwei bis dreimal seinen Kurs zu ändern, eine
Fahrgeschwindigkeit von 15 bis 20 Seem. erlangen. Daher ist es dann auch
unstreitig nothwendig, eine so einfache und leicht ausführbare wie möglich und
dabei doch correcte Anweisung zu haben. Die nachfolgende in den „Annales hy-
drographiques“ 1875. 3. trim. pag. 313—318 veröffentlichte Segelanweisung erfüllt
diesen doppelten Zweck und werden deshalb hier die von den Lootsen für
dieses Fahrwasser angewendeten Regeln, die sowol ausführbar, wie auch genau
sind, veröffentlicht.
Nach diesen Regeln soll sowol ein von Norden, als von Süden kommendes
Schiff stets auf die Untiefe La’ Vieille halten und diese so dicht als möglich
passiren, worauf dann entweder NNO oder SSO zu steuern ist.
Diese Anweisung ist richtig, denn wenn man zu weit von der Untiefe
La Vieille abbleibt, läuft man grosse Gefahr, von der Fluth auf die Untiefe Les
Barrillets oder von der Ebbe auf die Untiefe Ponts des Chats gesetzt zu
werden, wogegen man sehr genau die Position des Schiffes kennt, wenn man
die Untiefe La Vieille ganz dicht passirt und dann den erwähnten Kurs steuern
kann, um das Fahrwasser Raz de Sein zu verlassen, Der Strom läuft dann
in der Richtung des Kurses und man hat bei einem Schiffe mit geringer Fahrt
wenig mehr zu thun, als dasselbe von diesem Strom treiben zu lassen.
Im Mitte-Fahrwasser ist dieses jedoch anders, denn da kennt, ausser den
Lootsen, Niemand die Richtung des Stromes und kann in Folge dessen auch
nicht den richtigen Kurs steuern, umsomehr wenn die Position des Schiffes nicht
genau bekannt ist, was am häufigsten der Fall sein wird, wenn das Schiff bei
*) Sailing Direct, for the West Coasts of France etc. 2, edit. 1873 pag. 30
Die Peilungen sind rechtweisend: die Variation beträgt 20° 30‘ West 1875.
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