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deren Alter schon 800 Jahre sein soll, ein Meisterstück alt- chinesischer Bau-
kunst, während über den südlichen Arm gar keine Brücke führt. Dieser Um-
stand lässt beinahe vermuthen, dass der südliche Flusslauf überhaupt erst
neueren Ursprungs, und in früheren Zeiten man dort trockenen Fusses hinüber
gegangen ist, da sich kaum annehmen lässt, dass man die beiden enormen
Brücken über den nördlichen Arm nur lediglich zur Communication mit der
[nsel von dieser Seite her gebaut haben sollte. Auffällig ist auch der Umstand,
dass die Bänke in diesem südlichen Arme nur aus Sand bestehen, während die
des nördlichen beinahe ausschliesslich aus weichem Schlamm gebildet sind.
Von dem südlichen Arme wird behauptet, dass er mit der Zeit der schiff-
bare werden würde, da der Wasserstand in ihm in den letzten Jahren zugenom-
men haben soll. Jetzt ist er es jedenfalls noch nicht, denn wenig oberhalb von
Pagoda-Rhede wird er bald so seicht, dass selbst für die flach gehenden chinesi-
schen Boote zur Zeit der Ebbe nur schmale Rinnen offen bleiben und man ihn
bei niedrigstem Wasserstande beinahe durchwaten kann“.
Segelanweisung für den Hafen von Yokoska (Bai von Yedo) und
Bemerkungen über das dortige Trockendock.
S. M. S. „Hertha“, Corv.-Capt. Knorr, hatte in der Zeit vom 14. bis
16. Oetober 1875 das Trockendock zu Yokoska benutzt, dessen nähere Be-
schreibung von dem Commandanten S. M. S. „Arcona“, Capitain zur See Frhr.
v. Reibnitz, in den „Annalen der Hydrographie“ ete. 1875 pag. 34 gegeben
worden ist. Der Commandant der „Hertha“, Corv.-Capt. Knorr, berichtet im
Anschluss an jene Mittheilung Nachstehendes über die Ansegelung der Bucht von
Yokoska und die Einsegelung in den Hafen selbst, sowie über die von ihm bei
Benutzung des Docks gemachten Erfahrungen.
„Die Ansegelung der Bucht von Yokoska, wie auch die Einsegelung in
den Hafen, hat zwar ohne Lootsen zu geschehen, ist aber nach der Karte „Bucht
von Yedo“ (Tit. XI, No. 161; engl. Admiralitätskarte No. 2657) und bei günstiger
Windrichtung auch unter Segel ohne jede Schwierigkeit. Bezüglich der An-
segelung ist nur zu erwähnen, dass die in dieser Karte eingezeichnete rothe
Bake, östlich von der Einfahrt, an und für sich schlecht zu sehen und erst dann
deutlich zu erkennen ist, wenn sie frei von Kanan-Saki-Spitze, in ungefähr SO
peilt. Da aber von den, in dem oben genannten Berichte des Commandos
3. M. S. „Arcona“ erwähnten Wellenbrechern erst der Bau des östlichen in
Angriff genommen ist und dessen Ueberwasserbau nur kürzlich begonnen hat,
da ferner dieser untere Theil der Bucht, der spätere eigentliche Hafen, daher
nur durch die rothe Tonne dieses Wellenbrechers erkennbar wird, und die dort
vorhandene Festmachertonne, wie ebenso der übrige Raum innerhalb dieses
Wellenbrechers, durch verankerte Schiffe und Fahrzeuge in der Regel besetzt
ist, — da endlich die Niedrigwasser-Grenze, indem keine Specialkarte der Bucht
vorhanden, sowohl in der obenerwähnten Karte, schon des kleinen Mass-
stabes wegen, unzuverlässig angegeben ist, wie besonders bei ungünstiger Be-
leuchtung in diesem sehr engen unteren Theile der Bucht schwer erkennbar
wird: so empfiehlt es sich für Kriegsschiffe, welche das Pulver abzugeben haben,
zunächst ausserhalb jener rothen Tonne des zukünftigen östlichen Wellenbrechers
und zwar in der Verbindungslinie zwischen dieser Tonne und der am östlichen
Eingange gelegenen kleinen Insel Ha - Sima — nicht östlicher —, das am öst-
lichen Strande stehende Pulvrer-Magazin in ungefähr NOzO peilend, auf 16.5 Met,
Wasser zu ankern und hier die Zeit des Eindockens abzuwarten.
Sind, wie auf Handelsschiffen, keine Pulvervorräthe an Bord, so ist es
bequemer, falls innerhalb der rothen Tonne Platz vorhanden, gleich bis hierher
zu segeln, man muss alsdann aber gleich hinter derselben ankern, um die Zeit
des Eindockens zu erwarten.