accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 4 (1876)

DC 
novo, was zu wissen, zur schnellen und sicheren Orientirung unter den ge- 
nannten Umständen, wo die Fernsicht auf eine Seem. und weniger beschränkt 
ist, ebenfalls als sehr wünschenswerth bezeichnet werden muss. Auch diese 
Klippen sind in der erwähnten Karte nicht verzeichnet. 
Nachdem das Wetter mit südöstlichem Winde einigermassen sichtig ge- 
worden, lief ich unter Segel in die Amur-Bucht und später unter Dampf durch 
die schmalere westliche Einfahrt in den Hafen. Ansegelung wie KEinsegelung 
sind, da — mit Ausnahme der erwähnten Unvollkommenheiten — die Karten 
im Uebrigen sich als zuverlässig erwiesen, ohne Schwierigkeit. In der neuesten 
russischen Specialkarte der östlichen Bosporus - Strasse ist eine Reihe von neu 
ausgelegten Seezeichen eingetragen. Diese neuen Seezeichen erwiesen sich aber 
sämmtlich, mit Ausnahme von zwei im Hafen ausgelegten Baken (bei der HKgers- 
held-Spitze und der nordöstlich davon, auf der gegenüberliegenden Seite, befind- 
lichen Spitze) als nicht vorhanden, beziehungsweise wurden die entfernteren, 
westlich der Insel Skyplef gezeichneten, von uns nicht gesehen. 
Hafen von Wladiwostock. Nach Lage, Ausdehnung und in hydro- 
graphischer Beziehung gleicht dieser Hafen sehr der Bucht Uchi no Uma der 
in der Inland-See gelegenen Insel Sazu-Sima (s. „Annal. der Hydr.“ ete. 1875, 
pag. 481). Von nahezu gleicher Form und ähnlich hügeliger bewaldeter Ein- 
schliessung, ist er ebenso geschützt und fast gleich geräumig, wie seine Tiefen- 
und Boden-Verhältnisse fast ebenso günstig, wie dort, sich ergeben. Die Fluth- 
höhe ist nur O.6s bis O.sa Met. Der grosse Uebelstand in Wladiwostock ist nur, 
dass der Hafen von durchschnittlich Mitte November bis Ende März jedes Jahr 
zufriert, und zwar mit einer l.ss bis 2,29 Met. dicken Eisdecke. Während der 
Winterzeit soll stetig sehr starker NW - Sturm wehen, und sehr selten Schnee- 
(all, dafür die trockene Kälte um so empfindlicher sein. Meteorologische Beob- 
achtungen sollen jetzt in Wladiwostock durch einen zu diesem Behufe ein- 
getroffenen Beamten der St. Petersburger Sternwarte, dem fernerhin die Vor- 
nahme von Längenbestimmungen übertragen ist, angestellt werden.“) Für 
Nikolajewsk dagegen liegen mir die von dem dortigen Agenten Lloyd’s ge- 
sammelten Thermometerbeobachtungen vom Oetober 1870 bis Juni 1872 und 
ausserdem die Daten über den Aufgang und Zugang des Amur durch Eis der 
ietzten 17 Jahre vor, aus welchen letzteren hervorgeht, dass jener Fluss von 
Ende October bis Anfang Mai (alten Stils) der Schifffahrt geschlossen ist (vergl. 
„Ann, d, Hydr.“ 1876, pag. 81 und 82). 
So geeignet wie die übrigen angeführten .hydrographischen Verhältnisse 
den Hafen von Wladiwostock als Kriegshafen erscheinen lassen, so schwer fällt 
das jährlich fünfmonatliche Zufrieren dagegen in die Wagschale. Dieser Um- 
stand bleibt, wie früher in noch höherem Maasse die neunmonatliche Eiszeit 
von Petropawlowsk und die siebenmonatliche von Nikolajewsk, ein unter allen 
Verhältnissen schwer wiegender Nachtheil. Diese und andere Gründe haben 
möglicherweise beigetragen, dass bis jetzt zur Anlage einer Kriegswerft so gut 
wie Nichts geschehen ist. Von dem seiner Zeit von S. M. S. „Nymphe“ ge- 
meldeten Dock ist nichts mehr zu sehen; an die beabsichtigte Erbauung von 
Leuchtthürmen scheint ebenso wenig gedacht zu werden, als an die Herstellung 
etwaiger Befestigungswerke, selbst nicht an die Legung jener erwähnten See- 
zeichen. Die vorhandenen Werft - Anlagen bestehen in einigen Schuppen zur 
Unterbringung der von Nikolajewsk übergeführten oder von Kronstadt ankom- 
menden Materialien und der Kohlen, und in einer ziemlich grossen Schiffsschmiede, 
welche die Herstellung grosser eiserner Leichterfahrzeuge, durch Zusammen- 
setzung der fertig angebrachten Verbandstücke (Spanten, Platten etc.), wie ver- 
muthlich auch kleine Maschinen-Reparaturen und Guss-Arbeiten zu übernehmen 
im Stande ist; das übrige Marine - Eigenthum beschränkt sich auf drei Ba- 
racken zur Kasernirung der am Lande stationirten Abtheilung (einer beson- 
ders starken Equipage von circa 2500 Mann) der sibirischen Flotte... Diese 
letztere besteht aus ungefähr 10 bis 12 kleinen Avisos, Kanonenbooten und 
Transportfahrzeugen, die auf dieser Station bis an ihr Ende verbleiben, unter 
dem Marine-Stations-Chef von Ost-Sibirien stehen und Nichts mit dem sogenannten 
Stillen-Ocean-Geschwader, welches von einem besonderen Admiral befehligt wird, 
\ Vergl. Seite 116.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.