Karl Gripp: Entstehung und künftige Entwicklung der Deutschen Budht
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Die Mündung von Rhein und Maas verhinderten nicht die
Ausbildung eines Küstenbogens.
Die mit Dünen besetjte Nehrung ist, trotjdem es sich um
ein Tide-Gebiet handelt, geschlossen, da das ehemalige
Watt-Gebiet südlich der Zuider-See zu Land geworden
oder gemacht ist.
5. Sollte nach dieser, erst nach Jahrtausenden
zu erwartenden Auffüllung bis zum Küsten*
bogen Langeoog-Amrum auch weiterhin
noch Sand angefrachtet werden, so dürfte
sich der Küstenbogen verflachen, dabei im
mer weiter westlich beginnen und zuletzt
vermutlich von Juist bis zum Westerländer
Vorsprung reichen (Abb. 26).
6. Ob sich jemals ein einziger, von Juist bis
Blaavandshuk reichender Küstenbogen aus
bilden wird, hängt von der Widerstandskraft
des Westerländer Vorsprungs ab. Solange
wie der Mensch diese durch ausreichende
Schutzbauten fördert, steht zu erwarten, daß
der Vorsprung ein solcher bleibt.
Gegen diese Überlegungen wird vermut
lich der Einwand erhoben werden, daß die
Mündungen von Elbe und Weser mit ihren ein-
und ausströmenden Wassermassen die Ausbil
dung einer Nehrungsinselreihe verhindern wer
den. Dem kann entgegen gehalten werden, daß
sich die Mündungen von Schelde, Maas und
Rhein dem großen Küstenbogen Cap Blanc-Nez
—Texel völlig eingefügt haben (Abb. 27). Der
Tidehub beträgt in den Rhein-Mündungen im
Mittel 1,60—3,80 m 8 ), vor den ostfriesischen
Inseln und zwischen Sylt und Eiderstedt
2—3 m im Mittel. Im Tidehub ist also zwischen
Rhein- und Elbmiindung kein Unterschied.
Übrigens steht die hier vorgebrachte An
schauung über die künftige Entwicklung der
Deutschen Bucht nicht ganz vereinzelt da. Ein Forscher hat schon früher und, soweit wir über
sehen, als Einziger, die Küste im Innern der Deutschen Bucht als unvollendet aufgefaßt und einen
späteren großen Küstenbogen vorausgesehen. Der niederländische forschende Wasserbauer J o h.
v a n V e e n schrieb im Jahre 1936 S. 142 unten:
„Die Küste östlich von Borkum besitzt keine Bogenform, sondern verläuft annähernd gerade.
Dies ist kein wesentlicher Unterschied. Man darf schließlich bei weiterer Zufuhr von Sand in die
Deutsche Bucht auch hier einen großen Küstenbogen erwarten, der an Sylt oder einen anderen
festen Punkt an der Schleswiger oder jütländischen Küste anschließt.“
In der französischen Zusammenfassung heißt es ebenda S. 231:
„Östlich von Juist verläuft die Küste in gerader Richtung, weil das deutsche Bogenstück
zwischen Juist und Föhr oder einem anderen schleswigschen Diluvialvorsprung noch nicht ausge
bildet ist.“
Zusammenfassend läßt sich sagen:
Bei unveränderter .Höhenlage von Meeresspiegel und Meeresboden in der Deutschen Bucht
und bei Fortbestehen der großen Züge im Verlauf der heutigen Küste werden sich die inneren Teile
der Deutschen Bucht weiterhin mit Sand auffüllen. Dies wird im unreifen Watt weitgehend unter
Wasser geschehen. Aber dort, wo Sände oder Platen auf tauchen, ist, zumal bei Nachhilfe durch
s ) Naii van Veen 1936 Fig, 122.