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Full text: 62/63, 1942/43

Karl Gripp: Entstehung und künftige Entwicklung der Deutschen Budht 
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Die Mündung von Rhein und Maas verhinderten nicht die 
Ausbildung eines Küstenbogens. 
Die mit Dünen besetjte Nehrung ist, trotjdem es sich um 
ein Tide-Gebiet handelt, geschlossen, da das ehemalige 
Watt-Gebiet südlich der Zuider-See zu Land geworden 
oder gemacht ist. 
5. Sollte nach dieser, erst nach Jahrtausenden 
zu erwartenden Auffüllung bis zum Küsten* 
bogen Langeoog-Amrum auch weiterhin 
noch Sand angefrachtet werden, so dürfte 
sich der Küstenbogen verflachen, dabei im 
mer weiter westlich beginnen und zuletzt 
vermutlich von Juist bis zum Westerländer 
Vorsprung reichen (Abb. 26). 
6. Ob sich jemals ein einziger, von Juist bis 
Blaavandshuk reichender Küstenbogen aus 
bilden wird, hängt von der Widerstandskraft 
des Westerländer Vorsprungs ab. Solange 
wie der Mensch diese durch ausreichende 
Schutzbauten fördert, steht zu erwarten, daß 
der Vorsprung ein solcher bleibt. 
Gegen diese Überlegungen wird vermut 
lich der Einwand erhoben werden, daß die 
Mündungen von Elbe und Weser mit ihren ein- 
und ausströmenden Wassermassen die Ausbil 
dung einer Nehrungsinselreihe verhindern wer 
den. Dem kann entgegen gehalten werden, daß 
sich die Mündungen von Schelde, Maas und 
Rhein dem großen Küstenbogen Cap Blanc-Nez 
—Texel völlig eingefügt haben (Abb. 27). Der 
Tidehub beträgt in den Rhein-Mündungen im 
Mittel 1,60—3,80 m 8 ), vor den ostfriesischen 
Inseln und zwischen Sylt und Eiderstedt 
2—3 m im Mittel. Im Tidehub ist also zwischen 
Rhein- und Elbmiindung kein Unterschied. 
Übrigens steht die hier vorgebrachte An 
schauung über die künftige Entwicklung der 
Deutschen Bucht nicht ganz vereinzelt da. Ein Forscher hat schon früher und, soweit wir über 
sehen, als Einziger, die Küste im Innern der Deutschen Bucht als unvollendet aufgefaßt und einen 
späteren großen Küstenbogen vorausgesehen. Der niederländische forschende Wasserbauer J o h. 
v a n V e e n schrieb im Jahre 1936 S. 142 unten: 
„Die Küste östlich von Borkum besitzt keine Bogenform, sondern verläuft annähernd gerade. 
Dies ist kein wesentlicher Unterschied. Man darf schließlich bei weiterer Zufuhr von Sand in die 
Deutsche Bucht auch hier einen großen Küstenbogen erwarten, der an Sylt oder einen anderen 
festen Punkt an der Schleswiger oder jütländischen Küste anschließt.“ 
In der französischen Zusammenfassung heißt es ebenda S. 231: 
„Östlich von Juist verläuft die Küste in gerader Richtung, weil das deutsche Bogenstück 
zwischen Juist und Föhr oder einem anderen schleswigschen Diluvialvorsprung noch nicht ausge 
bildet ist.“ 
Zusammenfassend läßt sich sagen: 
Bei unveränderter .Höhenlage von Meeresspiegel und Meeresboden in der Deutschen Bucht 
und bei Fortbestehen der großen Züge im Verlauf der heutigen Küste werden sich die inneren Teile 
der Deutschen Bucht weiterhin mit Sand auffüllen. Dies wird im unreifen Watt weitgehend unter 
Wasser geschehen. Aber dort, wo Sände oder Platen auf tauchen, ist, zumal bei Nachhilfe durch 
s ) Naii van Veen 1936 Fig, 122.
	        
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