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Volltext : 62/63, 1942/43

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Aus  dem  Archiv  der  Deutschen  Seewarte  und  des  Marineobservatoriums  —  63.  Band  Nr.  2

rung  abgeschnürte  Teil  des  Meeres,  das  Haff,  ist  dem  Einfluß  des  Meeres  nahezu  völlig  entzogen.
Die  Absätze  im  Haffe  vermehren  sich,  von  eingewehtem  Sand  abgesehen,  zur  Hauptsache  durch  Anhäufung ­
  bodenständiger  organischer  Substanz  und  etwas  Flußsediment.
Stellen  wir  uns  aber  vor,  ein  Nehrungshaken  wie  die  Halbinsel  Heia  würde  in  ein  Meer  mit
erheblichem  Tidehub  vorgeschüttet!  Dann  würde  der  Kopf  des  Nehrungshakens  wie  ein  Buhnenkopf ­
  wirken.  Einmal  würden  die  in  die  Bucht  zwischen  Haken  und  Land  einströmenden  Wassermassen ­
  infolge  Bündelung  vor  dem  Nehrungskopf  eine  erhebliche  Vertiefung  schaffen.  Zum  anderen ­
  würde  der  Flutstrom  den  außen  an  dem  Haken  entlang  transportierten  Sand  in  das  ruhige
Wasser  inerhalb  des  Hakens  6pülen.  Hier  würde  der  auf  diesem  Wege  angefrachtete  Sand  zunächst
liegen  bleiben  (Abb.  13a).  Das  geschähe  so  lange,  bis  die  Aufhöhung  innerhalb  des  Nehrungshakens
so  weit  vorgeschritten  ist,  daß  das  Gefälle  des  als  Ebbestrom  ablaufenden  Wassers  stark  genug  ist,
um  ungefähr  die  nun  noch  vom  Flutstrom  hineingeschaffte  Menge  Sandes  wieder  hinauszuspülen.
Das  ist  aber  erst  dann  der  Fall,  wenn  sich  durch  Anhäufung  von  Sand  (und  Schlick)  bis  weit  über
das  Nehrungsende  hinaus  ein  annähernd  geschlossenes  flaches  Wattbecken  mit  einem  entsprechend
breiten  und  tiefen  Durchlaß,  auch  Tief  oder  Gatt  genannt,  herausgebildet  hat.
Im  Jadebusen  ist  nach  K.  Lüders  in  F.  Dewers  (1941b  S.  334)  der  Ebbstrom  von
+  0,11  m  NN  bis  +1,54  m  NN  stärker  als  der  Flutstrom,  so  daß  fast  alles  vom  Flutstrom  höher  als
+  0,11  m  angefrachtete ­
  Material  vom
Ebbstrom  wieder
entfernt  wird.  Das
Wattenmeer  dort
kann  also  z.  Z.  nicht
weiter  aufhöhen.
Wenn  die  Transportkraft ­
  des  einund
  ausströmenden
Wassers  gleich  stark
ist,  wandert  der  angefrachtete ­
  Sand  in
dem  Durchlaß  hin
und  her,  setzt  aber
dann  seine  Wanderung ­
  jenseits  des
Gatts  fort.  Er  baut
dort  zunächst  eine
Fortsetzung  der  Nehrung ­
  (Abb.  13b)  auf
und  nimmt  später  wiederum  seinen  Weg  durch  ein  neuentstehendes  Gatt.  Offen  bleibt  hierbei  zunächst, ­
  in  welchem  Abstand  sich  solche  Durchlässe  (Abb.  13c)  in  der  entstehenden  Nehrung  ausbilden. ­
  Sie  sind  nötig  zum  Druckausgleich,  sie  sind  somit  also  gleichsam  Sicherheitsventile,  die
verhindern,  daß  bei  Hochfluten  der  Wasser  stand  außen  4—6  m  höher  ist  als  auf  der  Innenseite.
Wenn  dies  eintreten  könnte,  gäbe  es  gewaltige  Durchbrüche.
Dies  beweist  die  einzige  fjordartige  Verbindung  zwischen  Nord-  und  Ostsee,  der  Limfjord.  Sein
15  km  breiter  westlicher  Teil,  Nisum  Bredning,  wurde  zeitweise  durch  eine  Nehrung  versperrt.
Bei  Hochfluten  mit  Weststurm  staute  sich  das  Wasser  außen  an  der  Nehrung,  aber  innerhalb  sank
der  Spiegel,  weil  das  Wasser  von  Sturm  gegen  Osten  getrieben  wurde.  Bei  solchen  Lagen  entstanden
bald  hier,  bald  dort  Durchbrüche.  So  erwähnt  DanielBruun  (1919  Bd.  II  S.  209—212),  daß
das  Westende  des  Fjordes  zwischen  1027  und  1100  für  die  Schiffahrt  offen  war,  danach  aber  jahrhundertelang ­
  verschlossen  blieb.  Aber  man  kenne  Angaben  über  Durchbrüche  von  1560  und  1624.

Abbildung  13
Schema  der  Entstehung  eines  Tidehaffs  mit  einer  Nehrungs-Inselreihe  davor.  Das  unreife
Watt  ohne  vorgelagerte  Inseln  ist  der  Vorläufer  des  durch  Nehrung6inseln  geschütten
reifen  Watts.
            
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