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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte und des Marineobservatoriums — 63. Band Nr. 2
Abbildung 11
Küstenströmungs-Konvergenz vor Blaavandshuk.
ln See: Tiefenlinien und Sandbänke des Hornsriffes nach der Admiralitätskarte.
An Land: Schraffiert: Land aus diluvialen Eisabsägen.
Punktiert: Land aus nacheiszeitlichen Meeres- und Dünensanden.
Der Konvergenz-Küstenvorsprung, der heute von Blaavandshuk gebildet wird, lag früher bei Crärup.
Das aus den obigen Angaben über beobachtete Strömungen gewonnene Bild einer sich vor
Westerland gabelnden Strömung wird durch die morphographischen Verhältnisse bestätigt.
Zwischen Blaavandshuk und Hornsriff (siehe Abb. II) steigen drei bis vier Rinnen in NW-Richlung
an und nur eine (Westslugen) entgegengesetzt; das bezeugt einen überwiegend gegen NW gerichteten
Strom und läßt für die Bucht zwischen Westerland-Sylt und Blaavandshuk auf das Überwiegen
einer gleichgerichteten Strömung schließen. A. Jessen (1925 S. 38 unten) gibt einen Sandtrans
port von N gegen S an. Ob dieser beobachtet oder vermutet ist, ißt nicht ersichtlich. Über die Insel
kette als Nehrung vergl. S. 25.
Für das Gebiet südlich der schwach vorspringenden Geestnase von Westerland-Sylt sind bisher
keine eindeutigen morphographischen Anzeichen für ein Überwiegen des Sandtransportes in einer
Richtung gefunden. Am Kliff von St. Michaelisdonn und am Westende von Eiderstedt liegen gegen
Süden vorgeschüttete Nehrungsfächer (vergl. S. 23). Aber die ersten sind alt-alluvial und in
zwischen durch vorgeschüttete Sandmassen von vielen Kilometern Breite fossil geworden und die
Nehrungswälle von Eiderstedt können Bildungen von Randströmungen der Hevermündung sein.
Das Gesamtbild des Gebietes legt die Vermutung nahe, daß von Westerland bis Eiderstedt eine Süd
strömung im Bereich der Außenküste und Außensände überwiegt, aber Sicherheit hierüber steht
noch aus.
Wie vorstehend ausgeführt wurde, weisen hydrographische und morphologische Anzeichen
darauf hin, daß in der südlichen Nordsee und an deren Ostküste eine nordwärts oder zur Elbmün
dung hin gerichtete Strömung überwiegt, (Abb. 12) und daß von der Elbmündung bis Hornsriff
gleichfalls Anzeichen für eine überwiegend gegen Norden verstärkte Strömung bestehen. Nur von
Westerland bis Eiderstedt ist in Küstennähe eine Südströmung vorherrschend wirksam.
Auf diese Strömungen muß die riesige Anhäufung von Sand im Innern der Deutschen Bucht
zurückgeführt werden. Die Gestalt, die die Sandmassen bei ihrer Ablagerung annehmen, bedingt die