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Ernst Frankenberger: Bericht über zwei Reisen im Polarjahr 1932-33 .—• Radiosonden-Aufstiege
100 Volt Anodenspannung betrieben, obwohl sie bereits mit 30 Volt arbeiteten; andererseits waren
alle Maßnahmen getroffen, Stöße von den Sonden fernzuhalten. Dazu waren die Ballone aus der
verhältnismäßig dicken Platte von 4 /io mm hergestellt. Zur Befestigung der Sonden waren 4 Gummi
schlaufen an jeden Füllteller geklebt. Diese Schlaufen konnten sich stark dehnen, wenn beim Start
Böen oder andere Stöße auftraten. Die Bronze-Antennenlitze war 1,5 mm dick.
2. Zu den Empfangseinrichtungen gehörten der Kurzwellenempfänger Telefunken 32 mit einem
Akkumulator und einer Anodenbatterie von 150 Volt, der Zusatzverstärker mit einem Akkumulator
und einer Anodenbatterie, das Bildfunkgerät und der Theodolit.
3. Zur Vorbereitung der Aufstiege waren nötig:
die Wasserstof flaschen zur Füllung der Ballone mit einem Reduzierventil und einem 30 m langen
Schlauch,
Gewichte, bzw. ein Maßgefäß zum Abwiegen der Ballone, Stopfen und Band zum Verschließen des
Füllansatzes der Ballone, Watte und Ölpapier zum Binden einer wärmeisolierenden Hülle um die
kälteempfindlichen Radiosondenbatterien,
Elektrolyt zum Füllen der kleinen Anodenbatterien,
Paraffinöl zum Füllen der Telefunken-Sonden-Kondensatoren, eine Pipette für diese Füllarbeiten,
Leitungsdraht und Lötzeug zur Herstellung der Drahtverbindungen,
Folien für die Trommel der Bildfunkapparatur,
Rußlampe und Fixiereinrichtung für die Folien,
Protokolle für die Visierung der Ballone und für die Funkaufnahme,
Widerstände zum Laden der Akkumulatoren,
ein Voltmeter mit zwei Meßbereichen (6 Volt und 100 Volt).
Thermometer und Barometer für die Basismessungen.
Zur Unterbringung der leichteren Ausrüstungsstücke standen auf dem M.S. „Monte Rosa“ 2
geräumige Kabinen zur Verfügung. Auf dem M.S. „General Osorio“ stellte Herr Kapitän Christi
ansen in dankenswerter Weise die neben seinen Räumen gelegene Lotsenkabine zur Verfügung.
Die schweren Wasser Stoff laschen wurden im vorderen blinden Schornstein der „Monte Rosa“,
bzw. auf dem „General Osorio“ in dem neben der Steuerbord-Positionslampe gelegenen Geräte
raum verstaut und vertäut.
Der Motor der Bildfunkapparatur, die Vorrichtung zum Laden der Akkumulatoren und ein
kleiner elektrischer Lötkolben ließen sich aus dem Scliiffs-Lichtnetz betreiben. Dazu waren vor
der Reise entsprechende Anschlußstecker angefertigt.
Für den Empfang der Radiosonden standen auf beiden Schiffen die Funkräume zur Ver
fügung.
Zur Vorbereitung der Sonden wurden jeweils etwa 24 Stunden vor dem Start die Heiz
akkumulatoren noch einmal aufgeladen, um die unvermeidlichen Ladungsverluste während der
Reise auszugleichen. Einige Stunden vor den Aufstiegen wurden die Füllbatterien für den Anoden
strom der Sonden mit Elektrolyt und der Kondensator der Sonden mit Paraffinöl gefüllt. Die
Batteriespannungen wurden mit dem Voltmeter nachgemessen und an die Polklemmen längere
Kupferdrähte gelötet. Die Batterien wurden dick mit Watte umhüllt und in Ölpapier bzw. in eine
Gummimembran gebunden, weil sich bei früheren Arbeiten der Meteorologischen Versuchsanstalt
der Deutschen Seewarte gezeigt hatte, daß manche Zink-Kohle-Elemente bei großer Kälte vollstän
dig versagen. Dem vorgeschriebenen Schaltbild entsprechend wurden nun die Drähte bis auf eine
der Heizleitungen mit der Sonde verlötet, der Empfänger im Funkraum betriebsklar gemacht und
die Güte des Empfangs nach versuchsweisem Ein schalten der restlichen Heizleitung erprobt.
Bei der Justierung der Telefunkensonden vor der Druckeichung war bereits dafür gesorgt,
daß im Bodenluftdruckbereich zwischen 745 und 765 mm QS nicht gerade eine Ausschaltung des
Anodenstroms durch die Druckmeßeinrichtung eintrat. Nach der Vorbereitung geeigneter Auf-