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Full text : 62/63, 1942/43

Ernst  Frankenberger:  Bericht  über  zwei  Reisen  im  Polarjahr  1932-33  .—  Radiosonden-Aufstiege

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erreichte  eine  Höhe  von  über  19  km.  Die  Temperaturmessung  erscheint  bis  6  km  gesichert.  Als
wichtigstes  Ergebnis  kann  gelten
(1)  der  durch  das  Bourdonrohr  gemessene  Druckverlauf,  der  eine  einwandfreiere  Höhenzuordnung
zur  Visierung  zuläßt,  als  das  bei  Pilotballonvisierungen  im  Einfachanschnitt  möglich  ist.
(2)  Eine  Höhe  der  Passatinversion  von  1500  m.
(3)  Eine  Größe  der  Passatinversion  von  2 J .
Über  der  Inversion  wurde  Nord-  bis  Nordwestwind  von  etwa  7  m/sec  festgesetellt,  der  wahrscheinlich ­
  mit  der  Heranführung  von  relativ  kühler  Luft  zur  Abschwächung  der  Passatinversion ­
  führte.
Bei  Annäherung  an  die  Kap  Verdischen  Inseln  nahm  die  Sichtweite  von  60  auf  35  Seemeilen
ab.  Im  Dunst  zeichneten  sich  die  Sonnenstrahlen,  die  durch  Wolkenlücken  fielen,  deutlich  als
Lichtbalken  ab.  Die  Inseln  erschienen  stark  bläulich  getrübt.  Die  Sicht  war  jedoch  in  dem
trockenen  Dunst  —  es  herrschte  eine  relative  Feuchte  von  74%  —  wesentlich  größer  als  im
feuchten  Dunst  unserer  Breiten;  denn  die  Entfernungen  wurden  von  vielen  herangezogenen  Beobachtern ­
  auf  Grund  des  Gesamtbildes  der  Landschaft  wesentlich  unterschätzt  (z.  B.  300  m  statt  3  km).
Bei  der  Durchfahrt  zwischen  den  als  Winddüse  wirkenden  Inseln  nahe  Sao  Vicente  zeigte  sich
die  von  A.  Lohr  und  F.  Wagner  bereits  eingehend  beschriebene  Windzunahme.  Aus  den  Angaben
eines  nahe  der  Saling  im  Mast  angebrachten  Schalenwindmessers  errechnete  sich  ein  wahrer  Wind
von  14  m/sec,  während  in  größeren  Entfernungen  von  den  Inseln  nur  8  m/sec  herrschte.  Auch  das
Barogramm  wies  während  der  Zeit  der  Durchfahrt  bei  sonst  gleichmäßigem  Luftdruckgang  eine
deutliche  kurzzeitige  Druckniedrigung  von  einigen  Zehntel  Millibar  auf.
Am  25.  April,  mittags,  zeigten  sieh  die  ersten  Cumulonimben  der  Mallungen,  und  um
17.00  Uhr  trat  der  erste  Niederschlag  im  Gesichtskreis  auf.  Um  18.00  Uhr  wurde  bei  29°
West  und  etwa  5%°  Nord  ein  kleineres  Regengebiet  durchfahren,  worauf  der  Wind  auf
Südost  drehte.  In  der  Zone  der  Winddrehung  zeigte  sich  die  größte  während  der  Reise  gemessene ­
  Differenz  zwischen  Wasser-  und  Lufttemperatur,  nämlich+  3°.  Bis  zum  26.  April,  06.00  Uhr,
folgten  noch  weitere  Schauer,  ohne  daß  der  Wind  sich  wesentlich  änderte.  Der  Vormittag  des  26.
zeigte  einen  besonders  prächtigen  Wolkenhimmel  mit  Cumulonimben  in  allen  Stadien,  Cirrus  notus
und  Altocumulus  cumuliformis.  Besonders  eigenartig  nahmen  sich  dabei  eine  Anzahl  von  kappenförmigen ­
  Wolken  aus,  die  sich  wohl  über  Cumulonimben  gebildet  hatten,  dann  aber  anscheinend
durch  irgendwelche  lokalen  Verwirbelungen  seitlich  versetzt  waren,  wobei  sie  sich  durch  Form  und
Farbe  deutlich  von  ähnlichen  Auflösungswolken  unterschieden.  Das  Wolkenfeld  zeigte  gegenüber
dem  Wechsel  von  Nordost-  auf  Siidostpassat  eine  beachtliche  Unsymmetrie.  Setzt  man  voraus,  daß
das  im  Bereich  der  Mallungen  angetroffene  Wetter  als  synoptischer  Horizontalschnitt  angesehen
werden  kann,  so  muß  man  annehmen,  daß  im  Bereich  von  2V2  bis  5°  nördlicher  Breite  die  in  den
unteren  Schichten  von  Südost  vordringende  Luft  von  der  starken  Nordostströmung  überschoben
wurde.
Um  18.45  Uhr  wurde  von  0  Grad  76  Minuten  Nord  eine  Radiosonde  gestartet,  die  mehrere
Stunden  lang  gehört  wurde  und  weit  in  die  Stratosphäre  gelangte.  Der  Aufstieg  ergibt  bis  über
5000  m  in  Übereinstimmung  mit  dem  Wolkenbild  eine  stark  labile  Schichtung.  Die  Nullgradgrenze
lag  bei  4400  m.  Die  Visierung  mußte  beim  Eintritt  des  Ballons  in  die  Wolken  nahe  5000  m  abgebrochen ­
  werden.  Der  weitere  Temperaturverlauf  ist  —  anscheinend  durch  Vereisen  des  Bimetalls
bzw.  der  Temperaturübertragungselemente  —-  zu  warm  gemessen.  Dafür  spricht  auch  dife  außerordentlich ­
  träge  Temperaturänderung  der  Sonde  b  im  Eintritt  in  die  Stratosphäre.  Die  Stratosphärentemperatur ­
  erscheint  mit  —72°  ebenfalls  zu  warm.  Aus  dem  Verlauf  der  Temperaturänderungen
muß  auf  eine  Höhe  der  Stratosphäre  von  etwa  18—19  km  geschlossen  werden.
Am  27.  April  fand  um  09.00  Uhr  nahe  Fernando  Noronha  der  dritte  Radiosondenaufstieg  statt,
der  mehr  als  20  km  Höhe  erreichte.  Die  Visierung  konnte  wegen  der  tiefen  Wolken  leider  nur  bis
1500  m  Höhe  durchgeführt  werden.  Bei  diesem  Aufstieg  sind  Störungen  der  Temperaturmessung
durch  Vereisung  anscheinend  nicht  aufgetreten,  da  der  Temperaturverlauf  an  der  Stratosphären ­
            
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