accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: 62/63, 1942/43

Ernst Frankenberger: Bericht über zwei Reisen im Polarjahr 1932-33 *— Radiosonden-Aufstiege 
21 
eher darauf schließen, daß eine Zunahme und nicht eine Abnahme der Kernzahlen mit der Höhe 
über dem Wasser in den unteren Schichten vorhanden ist. 
Wenn auch wohl als gesichert angesehen werden kann, daß die Reinigung der Luft von Kernen 
hauptsächlich und sehr rasch durch Niederschläge erfolgt, so ist doch —- wenn auch in geringem 
Umfang — ein Abfangen von Kernen an der Meeresoberfläche selbst denkbar. Vielleicht deutet das 
von Wigand beobachtete Gefälle der Kernzahlen auf einen solchen Vorgang hin. Es ist zwar wahr 
scheinlich, daß sich ein solches Gefälle auf die alleruntersten Luftschichten beschränkt. Die in der 
Tabelle angegebenen Höhen haben jedoch sicher nur relative Bedeutung, denn bei den Messungen 
wurde durch Stau am Schiff Luft aus den untersten Schichten nach oben geführt. 
Im Mittel ergab sich für Landwind ein spezifischer Kerngehalt von 2330 und für Seewind ein 
solcher von 610 Kernen pro ccm. Diese Tatsache ist von Bedeutung für die Frage nach dem 
Ursprung der Kondensationskerne. W. Knoche (Ann. d. Hydr. 37. 447. 1909) äußerte bereits 1909 
die Vermutung, daß bei hohem Seegang Salzpartikel abgesprüht werden und H. Köhler hatte bei 
den Untersuchungen von Nebelfrostablagerungen festgestellt, daß die Kondenstionskerne vorzugs 
weise aus Meeressalzen bestehen müßten und gefolgert, daß sie bei hohem Seegang und bei der 
Brandung erzeugt würden. Die vorliegenden Zählungen decken sich nicht mit diesen Befunden. 
Auch bei Windstärken von 5 und 6 Baufort und beim Auftreten von Schaumkämmen wurden nicht 
mehr Kerne gezählt als bei schwachen Winden. Die Häufung von Kernen im Landwind spricht 
dafür, daß die Kerne vorzugsweise über Land entstehen. Die niedrigsten Kernzahlen wurden kurz 
nach Regen gemessen. 
d) Untersuchungen von Polar-Nebel. 
Das besondere Interesse Wigands galt der Erfor 
schung des Nebels. Der 12. 8. bot dazu Gelegenheit. Wie 
bereits im ersten Teil des Berichtes erwähnt ist, wurde 
gegen 10.00 in etwa 73° Nord und 19° E eine Konver 
genzzone polaren und atlantischen Wassers überschrit 
ten, die Anlaß zur Bildung von Nebel gab. Figur 8 gibt 
den zeitlichen Verlauf der Beobachtungen wieder. 
Die Luft- und Wassertemperaturen der synoptischen 
Haupttermine wurden von den Offizieren des Schiffes 
festgestelll, die übrigen Beobachtungen durch Prof. 
Wigand, Prof. Mecking und den Verfasser. Bei der kur- 
venmäßigen Darstellung der Figur 8 wurde die 12 Uhr- 
Beobachtung der Lufttemperatur nicht berücksichtigt, 
weil sie im Widerspruch zu einer fast gleichzeitig ange- 
stellten Messung durch Prof. Mecking steht und anschei 
nend durch eine Fehlablesung oder durch unrichtige 
Wahl des Meßortes gefälscht ist. 
An der Figur 8 fällt auf, daß die Minima der Luft- 
und der Wassertemperatur am gleichen Ort beobachtet 
werden. Bei dem allgemein herrschenden von SE nach 
NW gerichteten Druckgefälle müßte mit SW-Wind ge 
rechnet und eine Verschiebung des Minimums der Luft 
temperatur gegen das Minimum der Wassertemperatur 
nach Norden erwartet werden. Daß diese Verschiebung 
nicht auftritt, liegt an dem eigenartigen Verhalten des 
Windfeldes, das die kalte Luft wie ein Hochdruckgebiet 
umströmt, obwohl die kalte Luft nicht hoch genug 
reicht, um das Druckgefälle merklich zu beeinflussen. 
N 
ia 
$ 
24 h 
23 
22 
21 
20 
19 
18 
17 
16 
15 
14 
13 
12 h 
11 
10 
9 
8 
7 
6 
5 
4 
3 
2 
1 
o h 
Figur 8
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.