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Full text : 62/63, 1942/43

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Aus  dem  Archiv  der  Deutschen  Seewarte  usw.  —  62.  Band  Nr.  8b.  Semmel  huck-Iteihe:  Abhdlg.  4.

Erforscher  des  dunklen  Erdteiles  zu  werden,  sondern  das  Streben,
füv  Deutschland  Kolonien,  und  zwar  Siedlungs  kolonien,  zu  erwerben.
Carl  Peters  wurde  am  27.  September  1856  als  atbies  Kind  eines  Pastors  im  Dorf  Neuhaus
a.  d.  Elbe  geboren,  wo  es  kaum  eine  Familie  gab,  die  nicht  einen  der  ihrigen  draußen  überm
Meere  und  bei  der  Marine  hatte.  Der  Afrikaforscher  Klaus  von  der  Decken  war  mit
Carls  Vater  befreundet,  und  seine  Berichte,  Livingstones  Reisen  und  „Onkel  Toms  Hütte"
wurden  von  Carl  Peters  förmlich  verschlungen.  Als  Schüler  der  höheren  Sdiule  in  Lüneburg
machte  er  ausgedehnte  Wanderungen  und  beteiligte  sich  an  Ringkämpfen.  Mit  16  Jahren  verlor
er  den  Vater,  er  bekam  eine  Freistelle  in  Ilfeld  im  Süclharz,  half  sich  durch  Nachhilfestunden
und  fand  einen  treuen  Lebenskameraden  in  dem  nachmaligen  Afrikaforscher  J  ü  h  1  k  e.  Auf
der  Universität  Göttingen  erwarb  er  sich  das  Celler  Stipendium  und  betätigte  sich  schriftstellerisch ­
  mit  viel  Erfolg.  Von  Tübingen  aus  erhielt  er  für  eine  Arbeit  über  den  Kreuzzugvon
  1101  eine  jährliche  Unterstützung  von  RM  1200.—.  Zuletzt  studierte  Peters  in  Berlin,
wo  er  1878  von  der  Universität  die  Goldene  Medaille  erhielt.  Er  promovierte  und  machte  das
Examen  pro  fac.  doc.  1879—1880.
Im  gleichen  Jahre  ging  er  nach  England,  wo  der  Bruder  seiner  Mutter  als  sehr  wohlhabender ­
  Musikhistoriker  lebte.  Alle  Angebote  seines  Oheims,  dessen  großes  Vermögen  zu
erben,  wenn  er  die  englische  Staatsangehörigkeit  annähme,  lehnte  Carl  Peters  ab.  „Selbst  für
alle  Güter  der  Welt  nicht!  .  .  .  Ich  bin  ein  Deutscher!“  Aber  er  schulte  sich  in  England  eingehend  in
Kolonialpolitik  und  ließ  den  Wunsch  nach  Schaffung  eines  deutschen  Kolonialreiches  in  sich
reifen.
In  Deutschland  griff  er  in  die  entstehende  Kolonialbewegung  ein.  Es  war  sein  Ziel,  bei
der  Kolonialgründung  vom  Sambesi  auszugehen  und  von  dort  „den  dunklen  Erdteil  von  Norden
nach  Süden  auf  zurollen“.  1S84  wurde  eine  „Gesellschaft  für  deutsche  Kolonisation”  gegründet.
Als  die  Reidisreg’ierimg  seinem  Sambesiplan  eine  Absage  erteilte,  machte  ihn  Graf  von
Pfeil  auf  den  Sansibar  gegenüber  liegenden  Bereich  Ostafrikas  aufmerksam.
Anfang  Oktober  1884  fuhr  Peters  mit  Graf  von  Pfeil.  Jühlke  und  dem  Landwirt  Otto
nach  Sansibar,  um  von  da  aus  heimlich  und  unverdächtig  die  erste  Eroberungsreise  nach  Ostafrika ­
  vorzubereiten  (Tafel  7).  Mit  36  Trägern  und  dem  unentbehrlichen  Dolmetscher  Ramassan.
  der  die  Sprache  der  Negerstämme  beherrschte,  zog  Peters  mit  dem  Ruf  „Heia  Safari!"  in
die  buntfarbige  Tropenwelt.
Aber  die  Reise  war  trotz  der  Zuneigung  der  Negerhäuptlinge  für  die  Gesundheit  der  Weißen,
besonders  auch  infolge  des  Fehlens  von  Arzneimitteln,  sehr  gefahrvoll.  Er  selbst  litt  an  Malaria
und  einer  eiternden  Fußwunde.  Als  er  beim  Häuptling  von  Usagar  eintraf-  mußte  er  mit  ihm
krank  von  der  Hängematte  aus  verhandeln.  Es  wurde  ein  schriftlicher  Vertrag  abgeschlossen
und  der  Hauptstützpunkt  der  „Gesellschaft  für  Deutsche  Kolonien"  begründet.  Während  Graf
von  Pfeil  und  Otto  hier  blieben,  zog  er  selbst  mit  Jühlke  südostwärts  über  Ukami  zur  Küste
zurück.  Uber  Bombay  kehrte  Peters,  der  mit  knapper  Not  dem  Tode  entronnen  war,  nach
Deutschland  zurück.  Jühlke  erweiterte  das  deutsche  Schutzgebiet  bis  zum  Kilimandscharo  und
starb  im  Somaliland.
Um  Emin  Pascha  zu  helfen,  brach  Peters  1889  mit  Oskar  Bordiert  und  von  Tiedem
  a  n  n  auf,  um  über  den  Tanafluß,  Baringo-  und  Viktoria-See  zu  Emin  zu  stoßen.  Trotz  mancherlei ­
  Schwierigkeiten  durch  die  britische  Kiistenblockade  und  clie  Angriffe  der  Massai  gelangte ­
  Peters  bis  Uganda,  wo  er  erfuhr,  daß  Emin  Pascha  das  Reich  bereits  verlassen  hatte.
In  Mpapwa  trafen  beide  zusammen.  War  somit  die  Expedition  vergeblich  gewesen,  so  brachte
sie  doch  reiche  geographische  Ergebnisse.  Beratend  für  die  instrumentelle  Ausrüstung  der
Expedition  stand  ihm  die  DeutseheSeewarte  zur  Seite  (siehe  Seite  42  u.  43).  Peters  erfuhr,
daß  Bismarck  nicht  mehr  Reichskanzler  war.  und  daß  Deutschland  auf  Sansibar  zugunsten  von
Helgoland  verzichtet  hatte.  1890  kam  Peters  wieder  nach  Bagamojo  und  kehrte  nach  1J4jähriger ­
  Abwesenheit  nach  Deutschland  zurück.  Die  Erlebnisse  seiner  abenteuerlichen  Afrikareise
schilderte  er  1891  in  seinem  Buch  „Die  deutsche  Emin-Pascha-Expedition".
            
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