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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte und des Marineobservatoriums — 61. Band Nr. 6
der persönliche Fehler groß. Die größte Schwierigkeit lag aber darin, daß die Beobachtungen den
Anteil an hohen Wolken nicht erkennen lassen. Dieser Anteil, der aus dem Material nicht zu ent
fernen ist, macht die Ergebnisse zum größten Teil unbrauchbar, da Einflüsse des Untergrundes sich
überwiegend in der niedrigen Bewölkung bemerkbar machen.
Trotzdem wurde bei dieser Arbeit ungeachtet aller nötigen Reserve gegen das Material bewußt
darauf verzichtet, es in irgend einer Weise zu formen. Man hat es sprechen lassen, so wie es vorlag.
Aus der Erwägung heraus, daß, selbst wenn der Beobachter Fehler machte, weil er nicht genau
wußte, was um ihn vorging, es der nach Jahren Bearbeitende sicher noch weniger weiß; daß sich
ferner eine große Anzahl von Fehlern durch das Mitteln vieler Zahlen von selbst heraussiebt und
schließlich, daß eine methodische Kritik an der Einzelmeldung wohl imstande ist, Dinge heraus
zukorrigieren, die einer Arbeit einen entscheidenden Wert gegeben hätten. Auch bei dem Entwerfen
der Karten wurde so verfahren, daß die Isolinien mit Hilfe des Rechenschiebers an ihren Platz ver
wiesen wurden, ohne Rücksicht darauf, ob ihre Lage wahrscheinlich war oder nicht. Dadurch be
kamen manche Werte (beim Niederschlag z. B. die Großstadt Hamburg mit ihren Kondensations
kernen) 14)15) einen Repräsentativwert, der ihnen nicht zukommt. Es mußte der textlichen Bearbei
tung überlassen bleiben, diese Unregelmäßigkeiten zu berücksichtigen.
Die Anlage der ganzen Arbeit ist so, daß aus den Wetterkarten der fünf Jahre 1929—1933 alle
Wetterlagen herausgesucht wurden, die über dem Küstengebiet der Nord- und Ostsee einen mög
lichst geradlinigen Isobarenverlauf zeigten, d. h. frei waren von Konvergenzen und Divergenzen.
Nur so kann man hoffen, den Kiisteneinfluß herauszuarbeiten. Solche Wetterlagen sind in unseren
Breiten, die durch den Durchzug immer neuer Störungen gekennzeichnet sind, verhältnismäßig
selten. Es fanden sich in den fünf Jahren insgesamt 218 Tage mit Wetterlagen, die diesen Voraus
setzungen entsprachen. Diese Wetterlagen wurden nach Richtungen aufgeteilt und zwar auf die
acht Hauptrichtungen der Isobaren.
Die Einteilung nach Richtung der Isobaren statt nach Windrichtungen wurde gewählt, weil
der Wind eine Vektorgröße ist, bei dem sich ein etwa festzustellender Reibungseinfluß nicht nur in
einer Bemessung der Geschwindigkeit, sondern auch in einer Drehung der Richtung zeigen muß.
Man würde dies Ergebnis von vornherein beeinflussen, wenn man diese Drehung bei der Verteilung
der Wetterlagen schon in das Material hineinarbeitete. Niederschlagsmengen wurden nicht aufge
rechnet, weil für den Zweck der vorliegenden Untersuchung die Verarbeitung der Häufigkeit der
Niederschläge viel zweckmäßiger schien. Ein Sommerschauer kann unter Umständen so große
Niederschlagsmengen liefern, daß das gesuchte Ergebnis verwischt oder sogar ins Gegenteil verkehrt
wird. Aber auch ohne diesen Grund wäre eine Aufarbeitung von Niederschlagsmengen nicht mög
lich gewesen, da weder die Anzahl noch die Art der Meldungen für eine Mittelrechnung brauch
baren Umfangs ausgereicht hätte. Es ergibt sich daraus für den Vergleich von Reibungswirkung und
thermischer Wirkung, der im Lauf der Arbeit häufiger angestellt wird, der Nachteil, daß eben
durch diese Methode die Reibungswirkung besonders deutlich in Erscheinung tritt, während die
thermischen Einflüsse benachteiligt werden. Hätte man Niederschlagsmengen mittein können, wären
die Letzteren deutlicher herausgekommen. Das ist aber nur ein Unterschied in der Größenordnung.
Auch bei der Verarbeitung der Häufigkeiten muß sich der thermische Einfluß, sofern er groß genug
ist, die Reibungswirkung im Wetterbild stark zu überlagern, durchsetzen, so daß die Vergleiche be
rechtigt sind.
Die gemittelten Zahlen, die für die Zeichnung der Karten verwendet wuirden, geben an, wieviel
Prozent der zur Mittelbildung herangezogenen Tage, Tage mit Niederschlag waren.
Von der Bewölkung war schon die Rede. Die Beobachtungen der in Vierteln meldenden Sta
tionen des Sturmwarnungsnetzes wurden den übrigen nach folgendem Schlüssel angeglichen:
7» = s /io, V* = Vio, V« = 7io, '/4 = 1# /.0.
Ausgezogen und benutzt wurden die Zahlen der 8 h Morgenmeldungen, weil allein diese in der
notwendigen Vollständigkeit vorlag, außerdem zu ihr im Täglichen Wetterbericht der Deutschen
Seewarte die beste Karte beigegeben war.