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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte und des Marineobservatoriums — 61. Band, Nr. 3
gezogene Linien) strömt; d. h. man würde über Oklahoma eine wesentliche Feuchteanreicherung bzw. sogar
eine Sättigung erwarten. Die darüber geschriebenen Texte der Aufstiege zeigen aber im Gegenteil eine Auf
lösung der Wolken, und die Bodenkarte um 8 Uhr läßt über Oklahoma und Umgebung verbreitet wolkenloses
Wetter erkennen.
Ein derartiges Strömen längs der Isentropen ist im allgemeinen auch nicht einzusehen, denn die irgendwie
bewegten Luftteilchen verändern durch ihre Bewegung gleichzeitig auch den Aufbau ihrer Umgebung bzw.
den Aufbau über den betrachteten geographischen Gebieten. Würden sich z. B. die Luftsäulen als Ganzes
über die Erde hinwegbewegen (die Horizontal-Advektion spielt ja vergleichsweise eine große Rolle), so
brauchten trotz stärkster Schwankungen der isentropen Flächen über einem festen Ort die einzelnen Luft
teilchen noch keinerlei Vertikalbewegung auszuführen. Damit ist natürlich nicht gesagt, daß sich bei allgemein
geringen Temperaturänderungen einzelne Luftteilchen nicht doch einmal längs der isentropen Linien bewegen
können; und einzelne Beispiele sind auch in der amerikanischen Literatur zu finden (21).
Im übrigen stellt die Abbildung 37 (Seite 21) einen Schnitt durch die Rückseite des weiter nördlich
liegenden Sturmtiefs dar. Die potentiellen Temperaturen geben annähernd das reziproke Verhältnis der
aktuellen Temperaturen wieder; dort, wo aktuell die niedrigsten Temperaturen zu verzeichnen sind, wölben
sich die Isothermen der potentiellen Temperatur nach oben auf und umgekehrt. Wir beachten nodi den ver
hältnismäßig großen vertikalen Entropiegradienten über Pensacola in den oberen Schichten und erinnern uns,
daß die Kaltluft den Gipfel hier noch nicht überschritten hatte. Zu der Frage, ob nun tatsächlich die Frontfläche
mit einer isentropen Fläche zusammenfällt (nur in den untersten Schichten soll wegen nichtadiabatischer Ein
flüsse ein Schneiden der Isentropen zugelassen sein), möchte sich der Verfasser nicht äußern, da für diese
Zwecke das Höhenmaterial nicht ausreicht. Daß unterhalb einer Frontfläche ein größeres Gedränge der
potentiellen Temperaturen auftreten soll, ist eine selbstvertändliche Folge der Definition der Kaltfront. Wenn
man nämlich, wie oben schon ausgeführt, am Boden die Übergangsmasse zur Kaltluft zählt, dann muß man
natürlich konsequenterweise auch in der Höhe die Übergangsmasse zur Kaltluft rechnen, so daß automatisch
unterhalb der Frontfläche der größere Temperaturgradient auftreten muß.
In dem betrachteten Schnitt kommt durch das gestrichelte Liniensystem die Abnahme der spezifischen
Feuchtigkeit in der Kaltluft gut zum Ausdruck.
In der Abbildung 38 bringen wir noch einen Vertikalschnitt aus der Zeit vor dem Beginn der Zyklo-
genese. Die im Bodenfeld nur schwach ausgeprägte Kaltfront muß zwischen Cheyenne und Salt Lake City
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liegen. Die starke Aufwölbung der Isentropen nach oben in der Nähe von Salt Lake City zeigt auch hier
wieder, daß ein mächtiger Kaltlufteinbruch eingeleitet ist. Wir bringen diesen „Schnitt“ aber hauptsächlich
wegen einer zeitlichen Verschiedenheit der Aufstiege. Zwischen den Werten von Omaha und Chicago liegt
ein Zeitunterschied von 8 Stunden; deshalb liegt auch im strengen Sinne kein Schnitt mehr vor. Nach der
Llöhenkarte (Abb. 8, Tafel III) ist nun aber die Luftströmung genau von Omaha nach Chicago gerichtet,
und weiterhin muß die Luft in 8 Stunden, nach dem mittleren Gradientwind zu urteilen, in der Höhe an
nähernd von einem Orte zum anderen gelangt sein. Zwar stimmen die spezifischen Feuchtigkeiten in beiden