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Volltext : 61, 1941

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Aus  dem  Archiv  der  Deutschen  Seewarte  und  des  Marineobservatoriums  —  61.  Band,  Nr.  3

genügender  Kaltluftnachfuhr  in  oberen  Schichten  (siehe  oben)  die  Kaltluftmasse  in  Absinkbewegung  begriffen
ist,  wofür  auch  die  kräftige  Inversionsbildung  in  dem  angeführten  Temperaturaufstieg  von  Pensacola  spricht,
E.  Labilisierung  und  Energie  aus  thermodynamischen
Kreisprozessen.
Nach  P.  Raethjen  (3)  kann  wesentliche  Energie  auch  aus  thermodynamischen  Kreisprozessen  gewonnen
werden,  in  der  Art,  daß  die  warmen  und  kalten  Advektionsströme  als  Reservoire  für  entsprechende  Wärmemengen ­
  aufgefaßt  werden,  wobei  man  sich  die  Zirkulation  der  auf-  und  absteigenden  Luftteildien  zu  einem
Kreisprozeß  zusammengesetzt  denkt.  Für  den  Energiegewinn  kommt  es  dabei  nur  auf  die  Summe  der  Teilzirkulationen ­
  der  einzelnen  Luftteilchen  an,  denn  natürlich  wird  in  der  Regel  ein  auf  der  Vorderseite  warm
aufsteigendes  Teilchen  nicht  wieder  selbst  auf  der  Rückseite  absinken.  Würde  man  mit  dieser  Vorstellung  an
den  vorliegenden  Fall  herangehen,  so  hätte  man  also  zu  prüfen,  ob  überhaupt  ein  entsprechendes  Wärme-  bzw.
Kältereservoir  vorhanden  oder  in  Ausbildung  begriffen  ist.
Die  Frage  des  Massenfeldes  ist  oben  unter  C.  bereits  durch  Betrachtung  der  relativen  Topographien
ausreichend  behandelt.  Wir  konnten  feststellen,  daß  in  der  Tat  eine  mächtige  Kaltluftmasse  gegen  eine  warme,
zu  Anfang  ruhende  Luftmasse  geführt  wurde.  Die  beiden  Reservoire  für  die  Wärmemengen  sind  also  vorhanden. ­

Damit  nun  für  diese  eventuell  zur  Verfügung  stehenden  Energien  auch  die  Möglichkeit  der  Umsetzung
gegeben  ist,  muß  das  Gesamtsystem  der  Zyklone  bzw.  der  beiden  Advektionsströme  irgendwie  labil  sein.  Wir
betrachten  im  folgenden  speziell  nur  die  Labilität  des  Vertikalaufbaues.  Zur  Frage  dieser  Labilität  haben  wir
oben  bei  der  Kaltfrontneigung  bereits  einiges  angeführt.  Nachstehend  untersuchen  wir  die  Labilisierung  auf
eine  nun  schon  mehrfadr  angewandte  Art  (10),  (11),  indem  wir  die  Temperaturänderungen  zwischen  1000  und
800  mb,  sowie  zwischen  800  und  500  mb  besonders  ins  Auge  fassen.  Wir  werden  auch  diese  Änderungen  der
Mitteltemperaturen  wie  die  relativen  Topographien  selbst  in  geodynamischen  Dekametern  angeben.  Da  eine
Änderung  der  Mitteltemperatur  um  1°  C  in  der  unteren  Schicht  eine  Änderung  um  6  gdm,  in  der  oberen
Schicht  eine  solche  um  13  gdm  ausmacht,  werden  wir,  um  vergleichen  zu  können,  die  Änderungswerte  der
oberen  Schicht  halbieren.  Wir  haben  dabei  das  Verhältnis  6  :  13  durch  1  :2  mit  genügender  Genauigkeit
angenähert,  und  in  unseren  Differenzkarten  entspricht  dann  1’  C  je  6  gdm.  Die  in  den  Abbildungen  29—31
dargestellten  Labilisierungskarten  sind  durch  sukzessive  graphische  Addition  gewonnen.  Es  sind  also  die
Karten  der  relativen  Topographie  für  die  Schicht  von  500  bis  800  mb  und  für  die  Schicht  von  800  bis  1000  mb
für  alle  vier  Aufstiegstage  gezeidmet  und  die  24stündigen  Änderungen  graphisch  gebildet.  Von  je  zwei  zeitlich
zusammengehörigen  Änderungskarten  ist  unter  Anbringung  des  Faktors  1/2  an  den  Werten  der  oberen  Sdiicht
wieder  die  Änderung  gebildet.  In  der  ersten  Karte  (Abb.  29,  Tafel  V)  erkennen  wir  eine  starke  Labilisierung
über  den  Rocky  Mountains  und  dem  nördlidren  Felsengebirge,  und  die  obere  Schicht  wird  gegenüber  dem
Vortag  stellenweise  um  7°  kälter  als  die  untere,  während  in  der  Warmluft  über  den  Südstaaten  kaum  eine
Änderung  des  Stabilitätsgrades  eingetreten  ist.  Wie  die  Niederschlagskarte  für  den  gleichen  Zeitraum
(Abb.  11,  Tafel  III)  zeigt,  bedeutet  allerdings  die  schwache  Stabilisierung  im  Süden  noch  lange  keine  Stabilität,
und  amWestrande  derWarmluft  über  Mexiko  ist  im  Gegenteil  vereinzelt  eine  24stündige  Niederschlagssumme
von  über  50  mm,  verschiedentlich  noch  eine  solche  von  über  30  mm  gemessen  worden.  Am  23.  morgens  weiß
man  also,  daß  erstens  Warmluft  über  den  Südstaaten  lagert,  die  überdies  im  westlichen  Teil  labil  geschichtet
ist  (Niederschläge),  daß  zweitens  aber  Kaltluft  aus  der  Gegend  des  Großen  Salzsees  vordringt,  die  mit  einer
in  der  Höhe  (jedenfalls  zunächst  noch)  vorauseilenden,  sehr  kräftigen  Labilisierung  einhergeht  (Abb.  29,
Tafel  V).  Damit  ist,  wenn  man  sein  Hauptaugenmerk  auf  einen  thermodynamischen  Energiegewinn  aus
Kreisprozessen  richtet,  auch  von  dieser  Seite  her  am  23.  morgens  zu  erkennen,  daß  mit  Annäherung  der  Kaltluft
und  des  Labilisierungsgebietes  an  die  südliche  Warmluft  ein  großer  Energievorrat  frei  werden  kann.
Bei  der  Labilisierungskarte  für  die  nächsten  24  Stunden  (Abb.  30,  Tafel  V)  vermißt  man  auf  den  ersten
Blick  das  große  Labilisierungsgebiet  vom  Vortage.  Dazu  muß  man  sich  aber  die  tatsächlich  vorhandenen
Labilitätsverhältnisse  vor  Augen  führen.  Auf  das  umfangreiche  Niederschlagsgebiet  am  Vortage  über
Texas  hatten  wir  schon  hingewiesen.  Desgleichen  herrscht  am  22.  Januar  morgens  südwestlich  von  Chicago
mehrfadi  Regen,  während  sich  in  den  folgenden  24  Stunden  der  Stabilitätsgrad  über  diesen  Gebieten  nach  der
Abbildung  29  (Tafel  V)  nicht  wesentlich  geändert  hat.  Hier  lagen  also  schon  labile  Verhältnisse  vor.  Selbst
wenn.jetzt  über  diesen  Räumen  durch  Advektion  kräftigste  Höhenabkühlung  eintreten  würde,  so  könnte  sich
das  nur  in  ebenfalls  kräftigsten  Umlagerungen  äußern,  denn  stark  überfeuchtadiabatische  Temperaturgradienten ­
  können  sich  nicht  ausbilden.  Dementsprechend  sehen  wir  in  der  Abbildung  30  (Tafel  V)  von  Texas
bis  zu  den  Amerikanischen  Seen  gegenüber  dem  Vortag  nur  noch  eine  geringe  Zunahme  der  Labilität.  Daß
            
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