Dr. Carl Pflugbeil: Sturmtiefbildung ü. d. nordamerik. Kontinent (Höhen Wetterkarten; Isentropen-Analyse) 13
Kaltlufttropfen herrührend ansehen, also als zur vorlaufenden Kaltfront gehörig, während der Hauptkaltluft
vorstoß dann erst die Höhe des Punktes a) erreicht hat. Man könnte aber auch die Inversionsbildung im Temp
zwischen den Punkten a) und b) als eine interne Angelegenheit in der frischen Kaltluft ansehen. Der Ver
fasser möchte sich für die erste Ansicht aussprechen. Welchen Punkt man aber auch für die obere Kaltluft
grenze ansetzt, man erkennt deutlich, daß zuerst eine sehr steile Neigung der Frontfläche (> —} ) vorliegt,
während am 25. Januar 1938, nachdem der Höhepunkt der Tiefdruckentwicklung beendet ist, die Neigung
nur noch —oder , * beträgt.
Um die Labilitätsverhältnisse an der Kaltfront darzulegen, verwenden wir den Begriff der von I. Künner
(8) eingeführten virtuell-feuchtpotentiellen Temperatur, da dieser ein Maß für die isobaren Dichteunter
schiede ist, auf weldie es bei Gleichgewichtsbetrachtungen allein ankommt (9). Um die virtuell-feuchtpoten
tiellen Temperaturen zu bekommen, verschieben wir den Aufstiegspunkt in bekannter Weise um ein der
relativen Feuchte entsprechendes Stück nach rechts und erhalten damit die virtuelle Temperatur. Von
diesem Punkt gehen wir längs der Feucht adiabaten bis in große Höhen (genauer bis in solche Höhen, wo
immer je eine Trocken- und eine Feuchtadiabate desselben Entropiewertes zusammenlaufen). Sodann bringen
wir den Punkt längs der Trockenadiabaten auf 1000mb (potentielle Temperatur). Die bei diesem ge
dachten Vorgang erreichte Temperatur wurde die virtuell-feuchtpötentielle Temperatur genannt (8), (9); sie
stimmt bei gesättigter Ausgangsluft mit der Stüveschen pseudopotentielien Temperatur überein. Die Abbil
dungen 26—28 zeigen in klarster Weise grundlegende zeitliche Unterschiede im Frontaufbau. Am 23. und
Abb. 26: Isoplethen der virtuelMeuchtpotentiellen
Temperatur.
24. Januar ist eine sehr steile Neigung auffällig, die sogar in der Nähe der Kaltfront „nach vorn“ überkippt.
Am 25. ergibt sich dagegen eine verhältnismäßig viel flachere Neigung. Zwischen der Bodenkaltfront und dem
ersten Aufstiegsort (Pensacola) der Abbildung 25 sind übrigens auf Grund der Wetterkarte am Boden ver
schiedene Werte bestimmt, so daß die dargestellte Neigung als gesichert erscheint.
Bei der direkten Neigungsbestimmung ergaben sich oben nur untere Grenzwerte, da die Kaltluft in den
ersten Tagen die Gipfelhöhen der Aufstiege bereits überschritten hatte. Auf Grund der Isoplethendarstellung
mit virtuell-feuchtpotentiellen Temperaturen gelangen wir zu der Ansicht, daß die Neigung der Kaltfront am
23. und 24. Januar außerordentlich groß war, während erst zum 25. eine merkliche Verflachung eingetreten ist.
In den Bodenwetterkarten (vgl. Abb. 24, Tafel V) erkennen wir aber, daß die Kaltluft in den untersten
Schichten am 25. schon über Florida hinausgelangt ist, wobei auch am 25. noch stärkste Abkühlung hervor-