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Aus dem Archiv der Deutschen Sec warte und des Marineobservatonums
61. Band. Nr. 2.
rohr abgehoben werden kann. Diese Sicherheitsmaßnahme ist notwendig, um bei der Montage
oder beim Umwechseln des Bandmaßes Unfälle zu vermeiden.
Ebenso wie der Schwimmer des mechanischen Pegels schwimmt der des Bandmaßpegels in
einer Paraffinötschicht, die das Verdunsten des Wassers verhindern soll. Wie auf Seile 28 be
gründet wurde, muß von vornherein eine dicke Ulschicht aufgegossen werden. Dadurch wird
aber der Nullpunkt des Bandmaßpegels gehoben, denn der ölspiegel liegt im Rohr höher als
der Wasserspiegel außerhalb des Rohres; würde z. B. ein 3 m. langes Rohr vollkommen mit
Paraffinöl gefüllt, so stände es 75 cm höher als die betreffende Wassersäule. Da andererseits
der Bandmaßpegel ein Relativinstrument ist und nach dem Lattenpegel eingestellt wird, ist es
gleichgültig, wie hoch der ölspiegel über dem Wasserspiegel liegt, wenn sich nur die Differenz
zwischen beiden nicht ändert. Eine solche Änderung tritt aber dadurch ein, daß die Poren des
Eisenrohres das öl kohäsiv binden (vgl. S. 28). Nach den ersten Betriebswochen ist aber diese
Nullpunktsverlagerung vernachlässigbar klein geworden. Es kommt nämlich nodi die Tatsache
hinzu, daß der Schwimmer im öl tiefer als im Wasser hängt (vgl. Anm. 4. S. 28); wird die Öl
schicht dünner und hängt der Schwimmer teils im Wasser und teils im öl, so wird der Ölverlust
bis zu einem gewissen Grade wieder aufgehoben durch die Vergrößerung des Auftriebes, den
der Pegelschwimmer erhält 7 ). Die Praxis hat gezeigt, daß eine ölmenge von 10 kg allen Forde
rungen am besten gerecht wird.
Der Bandmaßpegel wird mit einem Busch-Fernrohr von Land aus abgelesen. Bis zu einer
Entfernung von 150 bis 200 m genügt eine 28fache. darüber hinaus ist eine 40fache Vergröße
rung notwendig, normale Beleuchtungsverhältnisse vorausgesetzt. Derartige Fernrohre müssen
scharf eingestellt und ruhig gehalten werden, was bei ihrer Länge und wegen ihres Gewichtes
freihändig nicht möglich ist. Es ward deshalb eine Auflage für das Glas geschaffen, etwa auf
einem Pfahl (Abb. 17). Die Ablesungen werden immer wieder von derselben Stelle aus vor
genommen und dadurch Fehler infolge einer sieh verändernden Parallaxe verhindert. Neuer
dings ist die Mire, die ursprünglich auf der Glasscheibe des Bandmaßpegels angebracht war
(Abb. 15, Tafel 7). durch einen Ablesebiigel ersetzt worden, der sich unmittelbar vor dem Band
maß befindet: die Wahrscheinlichkeit fehlerhafter Ablesungen ist seither geringer.
Zur Montage ward das Bandmaß zunächst ungefähr richtig eingehangen (Pegelnull = N.N.
— 5.000 m). wobei es sowohl an der Schwimmer- wie auch an der Gegengewichtsseite nidit zu
knapp abgeschnitten werden darf. Dann werden einen Tag lang im Abstand von 30 Minuten
der Latten- und der Bandmaßpegel (und der Geber des Fernpegels, siehe S. 39) zugleich ab
gelesen, wobei die Lattenpegelablesungen um so genauer werden, je günstiger die Witterung
ist. Zugleidi werden Parallaxebestimmungen zwischen Fernrohr- und Nahablesung vorgenom
men. Folgende Punkte sind dabei zu beachten: Die Ösen, die Bandmaß und Schwimmer bzw.
Gegengewidit Zusammenhalten, verklemmen sidi leicht, so daß das Bandmaß nidit frei aus-
hängen kann: das Paraffinöl muß bereits Tage vorher wegen des oben erwähnten Verlustes
eingefüllt worden sein. Die Vergleichsablesungen lassen erkennen, um wieviel Zentimeter das
Bandmaß höher oder niedriger gehangen werden muß, damit unter Berücksichtigung aller Um
stände (z. B. Lattenpegelkorrektur, Parallaxe) der Pegelnullpunkt bei N.N. — 5.000 m liegt. Die
Vergleichsablesungen geben zugleich an. ob das Bandmaß, das bereits vorher durdi Belastung
mit dem Gegengewicht gestreckt worden ist, sich noch dehnt, bzw. ob ein Ölverlust eintritt;
diese Effekte sind meist nadi 24 Stunden vernachlässigbar klein geworden. Nunmehr wird das
Bandmaß entsprechend der beobachteten Differenz verlängert oder verkürzt, und zwar an der
Schwimmerseite, und dann wird die Gegengewichtsseite dem höchsten und niedrigsten Wasser
stand entsprechend auf clie richtige Länge gebracht, damit das Gegengewicht weder über die
Rolle schlägt noch auf den Boden zu liegen kommt.
Die zur Ablesung benutzten Busch-Fernrohre sind terrestrische Gläser, die infolge der
Massenherstellung billiger als astronomische sind. Die Wachstuchbandmafie mit auf dem Kopf
stehenden Zahlen werden deshalb besser durdi Leinenbandmaße mit aufreditstebenden Ziffern
der Fa. A. Nestler, Lahr i. B.. ersetzt.
7 ) Durdi eine geeignete Sehwimmerform müßte es sogar möglich sein, beide Effekte aufeinander abzustimmen.