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Full text: 65, 1937

38 Bericht üb, d, erste Teilfahrt d. D, Nordatl, Exped. d. Forschungs- u, Vermessungsschiffes „Meteor“. 
durchgeführt. Es sollte erreicht werden, daß die beiden Wachoffiziere mit ihrer 
peuen Rechenmethode dann ebenso vertraut waren wie der Navigationsoffizier und 
der Schiffssteuermann mit der alten Methode (Semiversusformel — Höhenmethode). 
Erst zum Schluß der Expedition wurden Vergleichsrechnungen angestellt. Es 
wurde in getrennten Räumen nach Uhrzeit gerechnet, wobei es aber nicht nur auf 
Fixigkeit, sondern ebenso auf Richtigkeit ankam, Es ergab sich eine, wenn auch 
nicht bedeutende, Zeitersparnis beim Gebrauch der neuen Methoden. Einen Vor- 
teil haben die neuen Methoden der alten gegenüber, daß sich das Azimut un- 
mittelbar aus der Rechnung ergibt und in den Zehnteln genauer als nach den 
ABC-Tafeln. Demgegenüber steht aber wohl der Nachteil, daß die neue Rechen- 
methode auf die Dauer dazu verführt, die Rechnung ganz schablonenhaft zu 
machen, ohne daß der Rechner sich überlegt, was er im Augenblick errechnet. 
Hand in Hand mit den neuen Methoden ging die Erprobung der Gradmaß- 
ehronometer- und B-Uhren., Die Umstellung des Stenermannspersonals auf die 
neuen Instrumente ging ohne große Schwierigkeiten vor sich, 
Während der Dauer der Expedition wurden laufend Echolotungen mit der 
neuesten Type des Atlas-Magnetostriktions-Lotes ausgeführt. In großen Tiefen 
wurde viertelstündlich, in geringeren Tiefen alle fünf Minuten und an den 
Schelfabhängen der afrikanischen Westküste laufend gelotet. Bei den kleinen 
Tiefen wurden die Lotungen auch mit dem Lotschreiber registriert. Bei all den 
Kontrollotungen wurden keine wesentlichen Unterschiede den Angaben der See- 
karte gegenüber gefunden, da, wo überhaupt solche vorhanden waren. Aber 
auch da, wo Tiefenangaben bisher fehlten, wurden keine besonderen Tiefen oder 
Höhen erlotet, 
Sehr interessant gestaltete sich die Nachprüfung der „Josephine-Bank“, nörd- 
lich Madeira, Nach voraufgegangener astronomischer Ortsbestimmung wurde 
die Bank in Sternform überfahren, Die Spitzen des Sternes wurden jeweils bis 
zur 1000 m-Grenze durchgeführt, Aus den gewonnenen Lotungen ergab sich 
ein wesentlich anderer Verlauf der Bank, als bisher angenommen, Der Abfall 
der Bank erstreckt sich nach Nordwesten und nicht nach Süden, wie es nach 
früheren Lotungen den Anschein hatte. KEine Bodenprobe mit Greifergerät 
brachte nur wenige Sandkörner, was Rückschlüsse auf die Härte des vulkanischen 
Untergrundes zuläßt, die sich im übrigen schon in der fadendünnen Registrie- 
rung des Lotschreibers kennzeichnete, 
Die auf der großen „Meteor“-Expedition 1925/27 erlotete Nördliche und Süd- 
liche Echobank wurde zwei- bzw. einmal überlotet, Die Tiefen stimmten mit 
den damals erloteten völlig überein. Nördlich der Kapverden wurde wiederum, 
wie von „Meteor“ 1927 schon einmal, vergeblich nach der dort in den Karten 
verzeichneten „Bom-Felix-Bank“ gesucht, 
Eine besondere Aufgabe war dem Kommando mit der Nachprüfung des 
Küstenverlaufs der Kapverden-Insel „Majo“ zugeteilt. In den Seekarten der 
Engländer und den von den Portugiesen herausgebrachten Seekarten befanden 
sich hier ganz erhebliche Unterschiede, Die Nachprüfung wurde in Form einer 
Niegenden Vermessung vom fahrenden Schiff aus vorgenommen. Bei diesem 
Verfahren wird die astronomisch kontrollierte Kurslinie des Schiffes als richtig 
angenommen und die Küstenpunkte durch Peilung und Entfernungsmessung fest- 
gelegt. Das Ergebnis brachte eine völlige Übereinstimmung mit der Vermessung 
der Portugiesen, die diese Inseln im Jahre 1935 vollkommen neu und sehr gründ- 
lich vermessen haben. Die deutschen Seekarten sind übrigens bereits nach der 
neuesten portugiesischen Vermessung verbessert, 
Die hydrographischen Arbeiten der ersten Teilfahrt der Nordatlantischen 
„Meteor“-Expedition 1937, die zum größten Teil bereits an Bord ausgewertet 
werden konnten, werden in absehbarer Zeit ihren Niederschlag im deutschen 
Seekartenwerk finden, 
Es ist zu hoffen, daß das reiche Material der nautischen Versuchsaufgaben 
nach seiner restlosen Verarbeitung zur Klärung mancher Fragen und Ergebnisse 
führen möge, die von Wert für die praktische Seefahrt sind,
	        
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