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Full text: 26, 1898

518 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1898, 
specifischen Gewicht bis auf etwa 0,00005 zu steigern, aber die Empfindlichkeit, 
welche man dem Instrument verleiht, wirkt trügerisch, weil die unumgänglich 
nötbige Bedingung: nämlich, dafs bei der Ablesung Temperaturgleich- 
gewicht in allen Theilen des Systems mit der Umgebung stattfindet, 
nicht einzuhalten ist. Da ein Umrühren des Wassers während der Ablesung 
nicht statthaft ist, kann man durchaus nicht wissen, ob die unteren Wasser- 
schichten dieselbe Temperatur gehabt wie die oberen. Derselbe Einwand mufs 
bei allen Koncentrationsbestimmungen nach physikalischen Methoden berücksichtigt 
werden: nur unter Anwendung von thermostatischen Vorsichtsmafsregeln können die- 
selben an Genauigkeit den chemischen Analysismethoden gleichkommen. Ist aber der 
Halogengehalt des Wassers einmal durch eine genaue analytische Bestimmung fest- 
gestellt, lassen sich davon sämmtliche Konstanten, welche auf der Koncentration be- 
ruhen, ableiten; der Salzgehalt durch die von mir!) angegebenen Relationszahlen, das 
spezifische Gewicht: ST oder SE oder Sn (spec. Gew. in Litern) aus den 
neueren Tabellen von Krümmel, von Dittmar®’) und von Makaroff.®) Es ist 
anzurathen, jedesmal eine Anzahl Proben zu Kontrolbestimmungen zu verwenden, 
worin der Halogengehalt gewichtsanalytisch durch Ausfällen (mittelst der Silber- 
lösung), der Salzgehalt durch Abdampfen, der Schwefelsäurehalt durch Ausfällen 
mit Chlorbarium, das specifische Gewicht mittelst Sprengels Pyknometer (von 
20 bis 25 ccm Volumen) bei dem Eispunkt zu bestimmen sind. Bei der Schwefel- 
säurebestimmung bedient man sich der von Schmelck*) und von Hamberg”) 
beschriebenen Vorsichtsmafsregeln. Das Abdampfen von Meerwasser geschieht 
in einer Platinschale über einer Spiritusflamme.°) Das Gewicht des Abdampfungs- 
rückstandes giebt natürlich nicht den totalen Salzgehalt. Entweder ist dieser 
Rückstand wasserhaltig, oder er enthält, wenn das Erhitzen hinlänglich weit ge- 
trieben wurde, um alles Wasser zu entfernen (d. h, über 170° C), basisches Mag- 
nesiumchlorid anstatt neutralem. Man bestimmt in dem Rückstand den Chlor- 
gehalt gewichtsanalytisch, wie vorher in dem Wasser, und berechnet aus der 
Differenz den Verlust (Cl, —0). Die kontrolirten Wassersorten werden, in Glas- 
röhren eingeschmolzen, aufbewahrt und dienen als Standards bei künftigen Prü- 
fungen von Titrirflüssigkeiten u. s. W. 
11. Die Alkalinität eines Meerwassers ändert sich beträchtlich beim Auf- 
bewahren in Glasflaschen. Es ist wahrscheinlich, dafs gewisse Variationen in 
der Alkalinität, welche man früher als Zeichen der nördlichen oder südlichen 
Herkunft der Wasserlager aufzufassen geneigt war, in diesem Umstand ihre Er- 
klärung finden werden. Andererseits ist es zu erwarten, dafs korrekte Alkalini- 
tätsbestimmungen für die Hydrographie fruchtbringend werden können, Die 
Methode von A. Classen,‘) welche H. Torne*®) beschrieben, läfst an sich nichts 
zu wünschen übrig. Die Schwierigkeit, Wasserproben mit unveränderter Alkali- 
nität aufzubewahren, wird sich hoffentlich durch Anwendung von Flaschen von 
Steingut umgehen lassen. 
12. Die Bestimmung der vom Meerwasser aufgelösten oder absorbirten 
Gase, wozu außer Stickstoff und Sauerstoff der Totalgehalt der Kohlensäure zu 
rechnen ist, hat große Bedeutung für die Hydrographie. Der Stickstoffgehalt 
eines Tiefenwassers giebt Aufschlufs über die Temperaturverhältnisse, welche in 
denjenigen Meeresregionen herrschten, wovon das Wasser herkommt (0. Jacob- 
sen), d. h., wo es das letzte Mal als Oberflächenwasser existirte. Die Berech- 
nung der „Sättigungstemperatur“ z° eines Meerwassers aus dem Stickstoffgehalt 
wird ungemein erleichtert durch die Formeln und die Tafel zur graphischen Inter- 
; O0. Pettersson: „A Review ete.“ 1, ce. p. 298. 
') „Challenger Reports Physics and Chemistry.“ Vol, I, part. 1, p. 77 u, f. 
3) S. Makaroff: „Le Vitiaz et Ocean Pacifique.“ St. Petersburg 1894. pag. 109 u. f. 
%) L. Schmelck: „On the solid matter in seawater.“ The Norwegian N. Atlantic expe- 
dition 1876 bis 1878. Chemistry. p. 7. 
5) A.Hamberg: „Hydrografisk-kemiska iakttagelser Bih.“ K. V. H. Handl, Bd, 10, No. 13, p. 8. 
6) Weil das Leuchtgas Schwefelverbindungen (CS, u. 8. w.) enthält, welche beim Verbrennen 
SO, und SO, bilden, wodurch der Schwefelsänregehalt des Wassers merklich erhöht wird. 
7) Fresenius Zeitschr. 15, p. 288. 
3) Norweg. N. Atlantic exp. Chemistry II, p. 29 u. f. Es ist zu bemerken, dafs das Wägen 
der Absorptionsröhren dabei wegfällt, da der Totalgehalt der Kohlensäure leichter nach gasometri- 
schen Meihoden auszuführen ist, Nur die titrimetrische Analyse (Alkalinität) raihe ich nach dieser 
Methode auszuführen.
	        
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