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Volltext : 60, 1940

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Aus  dem  Archiv  der  Deutschen  Seewarte  und  des  Marineobservatoriums.  —  60.  Bd.  Nr.  1.

Zusammenfassung.
Offenbar  werden  im  Zentralplateau  während  des  heißen  Teils  der  Trockenzeit  die  wärmeren  Tagesstunden ­
  wegen  der  hohen  Temperaturen  recht  unangenehm  empfunden.  Da  aber  die  Nachttemperaturen  durchweg ­
  unter  20°  liegen,  sind  die  Nächte  angenehm.  In  der  kühlen  Zeit  fühlt  der  Weiße  sich  am  wohlsten.  In
der  Regenzeit  kommt  zwar  Schwüle  vor,  und  es  stellt  sich  nicht  immer  die  starke  nächtliche  Abkühlung  der
Trockenzeit  ein,  aber  die  Temperaturen  sind  im  allgemeinen  mäßig,  und  bei  abkühlendem  Wind  wird,  nach
unseren  errechneten  Abkühlungsgrößen  zu  schätjen,  auch  in  dieser  Zeit  das  Klima  erträglich  sein.
Das  zentrale  Hochland  wäre  demgemäß  fast  das  ganze  Jahr  hindurch  als  gesund  für  den  Europäer
anzusprechen.
9.  Die  Umrandung  des  Victoria-Sees.
(Klima-Tabellen  24—28,  Seite  63—65;  Klimagramme  21—23,  Tafel  4.)
Klimatisch  ist  das  Gebiet  nördlich  des  Zentralplateaus  und  nordwestlich  des  Rumpfschollenlandes,  also
der  Raum  um  den  Victoria-See,  eine  Sonderlandschaft.  Wir  nähern  uns  hier  dem  äquatorialen  Klimatypus.
Wie  die  Tabellen  der  Stationen  Schirati,  Neuwied,  Muansa  und  B  u  k  o  b  a  zeigen,  ist  überall  eine
doppelte  Regenzeit  ausgeprägt.  Das  Maximum  des  Niederschlages  liegt  im  April.  Ein  Gegensatj  macht  sich
allerdings  zwischen  der  Ost-  und  Westseite  des  Sees  bemerkbar.  Der  Südostpassat  bringt  im  Juni  —Juli  bei
seinem  weitesten  Vordringen  nach  Norden  der  Ostseite  des  Sees  große  Trockenheit  (Schirati  bis  Muansa).  Er
verhindert  das  Aufkommen  des  sonst  über  Tag  wehenden  Seewindes.  An  der  Westseite  dagegen  verstärkt  er
diesen  und  verursacht  auch  in  dieser  Jahreszeit  Regen  (Bukoba).  So  erhält  die  Westküste  des  Victoria-Sees
besonders  hohe  Niederschläge,  und  sie  besitzt  auch  in  den  Trockenmonaten  keine  ausgesprochene
Regenlosigkeit.
In  der  Trockenzeit  ist  die  tatsächliche  Sonnenscheindauer,  vor  allem  im  Verhältnis  zur  möglichen,  am
größten.  Folgende  Übersicht  15  der  Sonnenscheindauer  in  Neuwied  stellt  das  Mittel  aus  den  Jahren  1904
bis  1909  dar.
Übersicht  15:  Neuwied.

Monat

I

II

III

IV

V

VI

VII

VIII

IX

X

XI

XII

Std.  und  Min.

7  32

7  46

8  25

7  19

9  01

8  54

8  45

8  06

8  14

1  8  13

7  26

6  38

Das  Maximum  der  Strahlungstemperatur  liegt  in  fast  allen  Monaten  um  50°.
Auch  im  jährlichen  Gang  der  Temperatur  kommt  der  Typus  des  äquatorialen  Klimas  scharf  zum  Ausdruck. ­
  In  S  c  h  i  r  a  t  i  ist  das  Monatsmittel  des  kühlsten  Monats  22,4°,  das  des  heißesten  24,3°;  in  N  e  u  w  i  e  d
findet  man  im  Juli  21,4°  und  im  Oktober  22,7°;  in  Muansa  im  April  21,3°  und  im  Oktober  23,3°;  das
Monatsmittel  von  Bukoba  beträgt  im  Juli  20,6°  und  im  Oktober  21,4°.  Die  jährliche  Schwankung  hat  also
an  den  Stationen  in  der  angegebenen  Reihenfolge  den  geringen  Betrag  von  1,9°,  1,3°,  2,0°  und  0,8°.
Wenn  auch  der  absolute  Wert  der  Temperatur  nicht  hoch  ist,  so  wirkt  sich  ihr  gleichmäßiger  Verlauf
während  des  ganzen  Jahres  auf  den  Europäer  doch  besonders  nachteilig  aus.  Das  kommt  auch  in  den  mittleren
monatlichen  Maxima  und  Minima  zum  Ausdruck,  die  sich  höchstens  um  1  bis  2°  unterscheiden.  Die  nächtliche ­
  Abkühlung  ist  nicht  so  groß,  wie  es  die  Lage  der  Stationen  in  mehr  als  1100  m  Höhe  erwarten  läßt.
Die  tägliche  Schwankung  ist  im  Vergleich  zu  der  des  zentralen  Hochlandes  ebenfalls  gering.  Sie  tritt
noch  am  meisten  in  dem  1140  m  hoch  gelegenen  Muansa  in  Erscheinung.  Hier  im  Süden  des  Victoria-Sees
macht  sich  wohl  noch  der  Einfluß  des  Passatklimas  bemerkbar.  Die  oben  erwähnte  größere  Trockenheit
steigert  den  Unterschied  der  täglichen  Temperaturwerte  durch  erhöhte  Ein-  und  Ausstrahlung.  In  Neuwied
und  vor  allem  in  Bukoba  sind  die  täglichen  unperiodischen  Schwankungen  im  Mittel  in  allen  Monaten
kleiner  als  10°.
            
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