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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte und des Marineohserva toriuins. — 60. Baud. Nr. 6/7.
Führen wir also einmal einen Vergleich mit der Zyklonenfrequenz und unserer KE-Statistik durch! Die Mitte
September festgestellte verstärkte Tätigkeit der Islanddepression und des Kolatiefs, die in diesen Teilen Europas die
generell erhöhte Zyklonentätigkeit des Winters 14 Tage früher als in Mitteleuropa einleitet, findet ihren Ausdruck in
den ersten sowohl Island wie auch Nordskandinavien berührenden maritimen Polarluitvorstößen, wobei die Frost
temperaturen nicht advektiv, sondern durch Ausstrahlung in dem zugeführten maritimpolaren Kaltluftkörper be
dingt sind. Dieses erste Aufleben der KE hält auch im Oktober noch an: sie berühren dann bereits Mitteleuropa, wo
jedoch die Frosttemperaturen ebenfalls noch nicht direkt advektiv, sondern durch Ausstrahlung bedingt sind (vgl.
Pollack, 1930, S. 38). Die von G. Richter für Skandinavien vom 6. bis 12. Oktober festgestellte Pause der
Zyklonenfrequenz tritt sehr deutlich in Gestalt einer Lücke in der S jährigen Summenknrve der Nsk-KE auf. Diese
Lücke dürfte daher reell sein. Sie fällt mit dem ersten Anstieg der NO-KE zusammen. Wenn die weitere Zyklonen
tätigkeit in Nordskandinavien nicht in gleicher Weise Maxima der Nsk-KE bewirkt, sondern diese im Durchschnitt
sogar abnehmen, so crbleken wir darin die beginnende Ausbildung des inner- und nordskandinavischen Kaltluft
blocks, der die Rückseitenvorstöße des Kolatiefs nicht mehr bis nach Lappland Vordringen läßt. Die bis Mitte De
zember anhaltend hohe Zyklonenfrequenz ist daher in der Kurve der Nsk-KE nicht zu erkennen.
Markant auch in den KE-Summen ist der Einschnitt Anfang Dezember, besonders der Abfall der NO-Strö-
numgen, die von da an allmählich zu hohen, auch für Mitteleuropa bedeutungsvollen Werten Mitte und besonders
im Norden Ende Dezember ansteigen. Etwas nachliinkend ist der Anstieg der NW-KE, der Mitte Dezember sehr
deutlich eintritt und vielleicht mit der Weilmachtsdepression bereits in Verbindung gebracht werden kann. Diese hat
ihr Zentrum ja über und westlich von England (nach G. Richter), so daß demnach sowohl Island wie Nordeuropa
zunächst Kaltluftzufuhr aufweisen.
Im Januar hebt G. Richter besonders die Hodidruckbereitsdiaft des 25. Januar hervor, insbesondere über
Südosteuropa. Die entsprechend zu erwartende Steigerung der SO-KE tritt piinktlidi ein (vgl. Fig. 50). Die NO-KE
dagegen sind sehr gestreut und zeigen keine klare Parallelisation zu bestimmten Zyklonenfrequenzen. Um den
20. Februar herum hat, übereinstimmend mit dem Mitte Februar fälligen Hochdrutfcmaximum, die NO-KE-Häufig-
keit ihren höchsten Wert.
Die im April einsetzende Verschiebung und Häufung der Hochs über dem Ozean bringt einen raschen Abfall
kontinentaler NO-KE mit sich, während die beiden maritimpolaren KE-Typen (NW- und Nsk-KE) hohe Werte
erreichen. Zur Zeit der Eisheiligen, deren Eintritt wir noch erwähnen werden (C 8 und C 10), liegt über Nordosteuropa
eine Tiefdruckwelle, die dort einen entsprechenden Nsk-Gipfel bedingt. Die folgende Abschwächung der Zyklonen-
tätigkeit fällt mit einem KE-Abfall zusammen.
Wir können folgende Schlußfol ge rangen aus der vorhergehende Parallelisation ziehen: Zu
Beginn sowie zum Schluß des Winters läßt sich der Gang der Luftdruckverhältnisse in den
Summendiagrammen der KE (Fig. 47—52) schon bei der 8 jährigen Summe unserer Statistik
recht deutlich erkennen. Im Hauptteil des Winters ist die Beziehung unklarer. Zwar finden
sich auch da Übereinstimmungen, jedoch macht sich hierbei die von meteorologischer Ziel
setzung abweichende Begriffsdefinition eines KE stark geltend, ebenso wie im späten Frühjahr.
Ein- und Ausstrahlung modifizieren daher die Vergleichsmöglichkeit, wir haben sie aber als
wesenil ¡die Bestandteile unserer geographischen Betrachtung prinzipiell einbeziehen müssen.
Daher ergeben sich naheliegende Grenzen für die Vergleichbarkeit mit den Ergebnissen
G. Richters.
Mehrfach wurde schon erwähnt, daß die Luftdruck gebilde nur einen gewissen U m -
fang erreichen, den sie nicht überschreiten. Das bedeutet, daß einem Warmluftvorstoß in
einem bestimmten Abstande, der nicht beliebig ist, ein KE folgt; wenigstens sagen uns das die
Verhältnisse in Europa. Wir erleben auf Grund der barometrischen Gebundenheit cler KE
sowie auf Grund des begrenzten Umfanges barometrischer Gebilde einen echten r ä u m 1 i ch e n
Rhythmus neben dem selbstverständlichen jahreszeitlichen (vgl. Exner, 1929, S. 151, sowie
1928). Beispiele dieser Art haben wir schon (S. 47, 64) erwähnt. Es kommt nur darauf an, daß
das Untersuchungsgebiet groß genug ist, um wenigstens von mehr als einem, meist jedoch
von mehreren Luftdruckgebilden eingenommen zu sein; d. li. ein so großes Tief, das das ganze
U nt ersuch ungsbe re ich bedeckt, gibt es nicht! Dem stärksten Wirbel bei Island steht ein Hoch
über Südosteuropa gegenüber (vgl. D re wes, 1916) — das ist die einfachste der auftretenden
Kombinationen unseres Untersuchungsgebietes —, ersteres neigt zur Ausbildung von NW-KE
über Island, letzteres gleichzeitig zur Ausbildung von SO-KE. Diese räumliche IvE-Kombination
wird daher oft wiederkehren, daneben gibt es noch andere räumliche Kombinationen.
Ob nun tatsächlich die Intensität cler NO-KE im Winter 1928/29 auf eine übersteigerte Zir
kulation zurückzuführen ist, wieRodewald (1957 [c]) betont, oder aber auf ein ausnahmsweise
starkes Nachlassen derselben, wie es W a g n e r (1929,1957) und S c li e r h a g (1936 u. a.) im