accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text : 60, 1940

72

Aus  clem  Archiv  der  Deutschen  Seewarte  und  des  Marineobservatoriums.  —  60.  Band.  Nr.  6/7.

polarer,  kontinental  modifizierter  KL  folgt.  Das  sind  Sonderfälle,  wie  sie  nur  durch  die  von
der  Land-Meer-Verteilung  abhängige  Ausdehnung  der  KL  über  Nordosteuropa  zu  erklären  sind.
Schweden  wird  selten  von  einem  kontinentalen  SO-Strom  ergriffen,  am  ehesten  noch
Südschweden.  Dagegen  liegt  die  KL  in  Südnorwegen.  Mittel-  und  Nordschweden  bei  dieser
Wetterlage  oft  still,  in  einer  indifferenten  Zwischenzone  zwischen  clem  für  Mitteleuropa  ausschlaggebenden ­
  Zyklonenbereich  und  den  am  Nordkap  vorbeiziehenden,  deren  Fronten  noch
nicht  weit  genug  in  den  skandinavischen  Kontinent  hinein  wirken  (Fig.  24  c.  d).  Nur  in  den
seltenen  Fällen,  in  denen  sich  mehrere  Tiefkerne  in  einer  Rinne  entlang  der  skandinavischen
Westküste  bis  nach  England  hinunter  befinden,  kann  sich  ein  mehr  oder  weniger  einheitlicher
SO-Strom  von  Mitteleuropa  her  über  Schweden  und  Finnland  hinweg  bis  zur  Eismeerküste
entwickeln.
Es  ergibt  sich  also,  daß  ein  SO-KE  in  mehreren  Varianten  auftreten  kann,  in  einer  kurzlebigen ­
  vorfrontalen  Form  über  Mitteleuropa,  die  sich  nordostwärts  verschiebt,  sowie  in  einer
Riesenform,  die  ganz  Mittel-  und  Nordosteuropa  erfaßt.  Geographisch  am  bedeutsamsten  ist
die  zweite  Variante.  Sie  setzt  ein  wohlentwickeltes  kontinentales  Kaltluftkissen  voraus,  wie  es
in  der  Regel  nur  durch  vorangegangene  NO-KE  geschaffen  wird.  Ein  kurzfristiges  Absaugen
vor  einer  Front  kann  dagegen  auch  nach  einem  NW-KE  erfolgen.  Da  die  aus  NW  stammende
KL  keine  tiefen  Temperaturen  besitzt,  macht  sich  in  diesem  Falle  das  Kentern  und  vorfrontale
Zurückströmen  der  inzwischen  rasch  abgesunkenen  KL  vor  der  neuen  Front  in  einer  merklichen ­
  Temperatursenkung  bemerkbar.  Jedoch  vermag  die  neue  Front  die  vorgelagerte  KL  in
diesem  Falle  rasch  zu  beseitigen:  denn  sie  folgt  ja  einem  abgezogenen  Tief  und  brandet  nicht
gegen  ein  kräftiges  osteuropäisches  Hoch  an:  das  Ergebnis  ist  dann  die  kurzlebige  Form
des  SO-KE.
Infolge  der  Möglichkeit,  daß  bei  hartnäckiger  SO-Strömung  ein  Teiltief  des  Englandwirbels
zum  Mittelmeer  ausweicht,  wird  vorübergehend  über  Deutschland  ein  Teil  des  SO-Stromes
abgezweigt  und  erscheint  dann  mit  NO-Winden.  Da  überhaupt  die  Lage  cles  den  SO-Strom  bedingenden ­
  atlantischen  Tiefs  wechseln  kann,  treten  über  Mitteleuropa  mitunter  auch  mehr
östliche  Winde  auf.  Meist  ist  es  jedoch  leicht,  ein  Ab  saugen  südöstlicher  KL  klar  von  einem
aktiven  Vordringen  nordöstlicher  KL  zu  scheiden.  Strittige  Zwischenformen  sind  selten,  sie
beschränken  sich  auf  die  Formen,  wenn  einem  vordringenden  Englandtief  ein  erstarkende ­
  s  Kontinentalhoch  gegenübersteht.  Maßgebend  wird  jedoch  die  Intensität  des  westlichen
Tiefs  bleiben,  um  festzustellen,  ob  es  sich  um  ein  von  diesem  erzwungenes  Absaugen  kontinentaler ­
  KL  handelt  oder  nicht  (vgl.  auch  Kapitel  C2d).
Das  Absaugen  südöstlicher  KL  kann  natürlich  nur  dann  stattfinden,  wenn  überhaupt  über
dem  südöstlichen  Teil  Europas  ihre  Bildung  möglich  ist,  d.  h.  also  vor  der  Früh  jahrstag-  und
-nachtgleiche.  Nach  diesem  Datum  überwiegt  die  Einstrahlung  und  erwärmt  etwa  zugeführte
Kaltluftmassen.  Der  mit  dem  Zerfall  eines  NO-KE  oft  verbundene  SO-Strom,  cler  rein  luftdruckmäßig
  ausgelöst  werden  muß.  bedingt,  wie  das  Beispiel  des  17.  und  18.  März  1931
(Fig.  24  a,  b)  zeigt,  zunächst  den  Abtransport  cler  zuvor  mit  Norclostwinden  zugeführten  Kaltluft. ­
  Da  diese  Lage  oft  in  dieser  Jahreszeit  längere  Zeit  anhält,  und  der  klare  Himmel  die  Einstrahlung ­
  in  mitteleuropäischen  Breiten  (noch  nicht  dagegen  in  nordeuropäischen!)  zu  voller
Wirkung  kommen  läßt,  steigen  die  Temperaturen  von  Tag  zu  Tag  an,  die  0°-lsotherme  wird
immer  weiter  nach  Nordosten  zurückverlegt.  Tn  Mittelschweden,  am  Gebirgsfuß.  hält  sich  bei
dieser  Rückverlegung  der  Isotherme  ein  „Froststützpunkt“.  Die  Beispiele  des  17.  bis  22.  März
1931  zeigen  dies  (Fig.  24  a  bis  f).  In  Nordeuropa  vermag  der  im  März  noch  sehr  niedrige  Sonnenstand ­
  nicht  die  erwärmende  Wirkung  auszuüben  wie  weiter  südlich,  wo  die  Sonne  höher  steht;
außerdem  besteht  in  Nordeuropa.  insbesondere  im  Gebirgsteile,  eine  in  der  Regel  viel  höhere
Schneedecke,  welche  ein  sehr  bedeutender  Reflektor  ist.  Auf  diese  Weise  ist  es  verständlich,
wenn  bei  degenerierenden  SO-KE  im  Frühjahr  Nordeuropa  noch  hartnäckig  Frost
behält,  und  zwar  zunehmend  mit  der  Breite  und  der  Gebirgsnähe.  Aus  den  späten  SO-Strömen,
wie  sie  im  vorigen  Beispiel  (Fig.  24)  erörtert  wurden,  läßt  sich  mit  großer  Klarheit  entnehmen,
zu  welcher  Zeit  die  lokale  Kaltluftbildung  über  cler  mitteleuropäischen  Zone  als  zusätzlicher
Kaltluftlieferant  wegfällt.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.