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Full text: 60, 1940

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Aus clem Archiv der Deutschen Seewarte und des Marineobservatoriums. — 60. Band. Nr. 6/7. 
polarer, kontinental modifizierter KL folgt. Das sind Sonderfälle, wie sie nur durch die von 
der Land-Meer-Verteilung abhängige Ausdehnung der KL über Nordosteuropa zu erklären sind. 
Schweden wird selten von einem kontinentalen SO-Strom ergriffen, am ehesten noch 
Südschweden. Dagegen liegt die KL in Südnorwegen. Mittel- und Nordschweden bei dieser 
Wetterlage oft still, in einer indifferenten Zwischenzone zwischen clem für Mitteleuropa aus 
schlaggebenden Zyklonenbereich und den am Nordkap vorbeiziehenden, deren Fronten noch 
nicht weit genug in den skandinavischen Kontinent hinein wirken (Fig. 24 c. d). Nur in den 
seltenen Fällen, in denen sich mehrere Tiefkerne in einer Rinne entlang der skandinavischen 
Westküste bis nach England hinunter befinden, kann sich ein mehr oder weniger einheitlicher 
SO-Strom von Mitteleuropa her über Schweden und Finnland hinweg bis zur Eismeerküste 
entwickeln. 
Es ergibt sich also, daß ein SO-KE in mehreren Varianten auftreten kann, in einer kurz 
lebigen vorfrontalen Form über Mitteleuropa, die sich nordostwärts verschiebt, sowie in einer 
Riesenform, die ganz Mittel- und Nordosteuropa erfaßt. Geographisch am bedeutsamsten ist 
die zweite Variante. Sie setzt ein wohlentwickeltes kontinentales Kaltluftkissen voraus, wie es 
in der Regel nur durch vorangegangene NO-KE geschaffen wird. Ein kurzfristiges Absaugen 
vor einer Front kann dagegen auch nach einem NW-KE erfolgen. Da die aus NW stammende 
KL keine tiefen Temperaturen besitzt, macht sich in diesem Falle das Kentern und vorfrontale 
Zurückströmen der inzwischen rasch abgesunkenen KL vor der neuen Front in einer merk 
lichen Temperatursenkung bemerkbar. Jedoch vermag die neue Front die vorgelagerte KL in 
diesem Falle rasch zu beseitigen: denn sie folgt ja einem abgezogenen Tief und brandet nicht 
gegen ein kräftiges osteuropäisches Hoch an: das Ergebnis ist dann die kurzlebige Form 
des SO-KE. 
Infolge der Möglichkeit, daß bei hartnäckiger SO-Strömung ein Teiltief des Englandwirbels 
zum Mittelmeer ausweicht, wird vorübergehend über Deutschland ein Teil des SO-Stromes 
abgezweigt und erscheint dann mit NO-Winden. Da überhaupt die Lage cles den SO-Strom be 
dingenden atlantischen Tiefs wechseln kann, treten über Mitteleuropa mitunter auch mehr 
östliche Winde auf. Meist ist es jedoch leicht, ein Ab saugen südöstlicher KL klar von einem 
aktiven Vordringen nordöstlicher KL zu scheiden. Strittige Zwischenformen sind selten, sie 
beschränken sich auf die Formen, wenn einem vordringenden Englandtief ein erstarken 
de s Kontinentalhoch gegenübersteht. Maßgebend wird jedoch die Intensität des westlichen 
Tiefs bleiben, um festzustellen, ob es sich um ein von diesem erzwungenes Absaugen kontinen 
taler KL handelt oder nicht (vgl. auch Kapitel C2d). 
Das Absaugen südöstlicher KL kann natürlich nur dann stattfinden, wenn überhaupt über 
dem südöstlichen Teil Europas ihre Bildung möglich ist, d. h. also vor der Früh jahrstag- und 
-nachtgleiche. Nach diesem Datum überwiegt die Einstrahlung und erwärmt etwa zugeführte 
Kaltluftmassen. Der mit dem Zerfall eines NO-KE oft verbundene SO-Strom, cler rein luft- 
druckmäßig ausgelöst werden muß. bedingt, wie das Beispiel des 17. und 18. März 1931 
(Fig. 24 a, b) zeigt, zunächst den Abtransport cler zuvor mit Norclostwinden zugeführten Kalt 
luft. Da diese Lage oft in dieser Jahreszeit längere Zeit anhält, und der klare Himmel die Ein 
strahlung in mitteleuropäischen Breiten (noch nicht dagegen in nordeuropäischen!) zu voller 
Wirkung kommen läßt, steigen die Temperaturen von Tag zu Tag an, die 0°-lsotherme wird 
immer weiter nach Nordosten zurückverlegt. Tn Mittelschweden, am Gebirgsfuß. hält sich bei 
dieser Rückverlegung der Isotherme ein „Froststützpunkt“. Die Beispiele des 17. bis 22. März 
1931 zeigen dies (Fig. 24 a bis f). In Nordeuropa vermag der im März noch sehr niedrige Sonnen 
stand nicht die erwärmende Wirkung auszuüben wie weiter südlich, wo die Sonne höher steht; 
außerdem besteht in Nordeuropa. insbesondere im Gebirgsteile, eine in der Regel viel höhere 
Schneedecke, welche ein sehr bedeutender Reflektor ist. Auf diese Weise ist es verständlich, 
wenn bei degenerierenden SO-KE im Frühjahr Nordeuropa noch hartnäckig Frost 
behält, und zwar zunehmend mit der Breite und der Gebirgsnähe. Aus den späten SO-Strömen, 
wie sie im vorigen Beispiel (Fig. 24) erörtert wurden, läßt sich mit großer Klarheit entnehmen, 
zu welcher Zeit die lokale Kaltluftbildung über cler mitteleuropäischen Zone als zusätzlicher 
Kaltluftlieferant wegfällt.
	        
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