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Full text: 60, 1940

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Aus dem Archiv der Deutschen Seewürfe und des Marineobsei-vatoriums. 
— 60. Bund. Nr. 6/7. 
2. f) K a 111 u f t v o r s t ö li e a n s S ü clost. 
Verhältnismäßig häufig kann man über Mittel- und Nordeuropa beobachten, daß mit auf- 
kommenden Südostwinden bei gleichzeitigem Barometerfall der Frost zunimmt. Es handelt sich 
dabei um das Absaugen kontinentaler Kaltluft unmittelbar vor der Front eines Tiefdrurkaus- 
läufers (Exner, 1918. S. 840—847). Je größer der Gradient ist. um so stärker macht sich diese 
vorfrontale Kaltluftzufuhr bemerkbar. Sie tritt daher oft als Abschluß einer vorangegangenen 
Frostperiode (NO- oder C'-KE) auf. Nach van Bebber (1890. S. 291/92) sind die Südostwinde 
auf der Vorderseite einer Zyklone vertikal kaum halb so mächtig wie die Nordwestwinde auf 
der Rückseite der Zyklone. Sie sind jedoch, ob nun mit einer tiefen Zyklone im Westen oder 
einer kräftigen Antizyklone im Osten oder beiden verbunden, im Durchschnitt stark (vgl. die 
Diagramme 37. 59. 41, 43. 45. 47 auf Tafel V bei P. P ol i s. 1899). Der Siidoststrom vom 4. Januar 
1933 war nach Boley (1934) in Königsberg nur 400in mächtig. Durch die darüber aufgleitende 
Warmluft ergibt sich ein besonderer Witterungscharakter: Inversion, Cirrus- bzw. Stratusschirm 
bis in relativ geringe Höhe herab, z. T. unterkühlter Regen oder Eisregen am Boden. 
Tm Gebiet von Mitteldeutschland und Polen beginnt sich die vorfrontale Advektion süd 
östlicher KL am ersten auszuwirken, sie ergreift jedoch sehr bald größere Gebiete, oft bis nach 
Lappland hinauf. Anfangs wolkenloser, später cirrusbedeckter Himmel ist bezeichnend für die 
Wetterlage; der Wincl ist oft recht stark und föhnig. Die Lufttrockenheit gehört als Charakte 
ristikum dazu. In den meisten Fällen handelt es sich um ein kurzlebiges Phänomen, das die 
heranrückende Front nicht aufhält. In einer anderen Variante dagegen stellen sich bei Siidost- 
,Strömung stabile Druckverhältnisse ein. die mehrere Tage anhalten. 
Der Werdegang der zuerst genannten kurzlebigen Variante ist folgender: KL ist 
mit östlichen bis nordöstlichen Winden zugeflossen und beginnt abzusinken. Die nächtliche Auf 
heiterung führt zu strengem Frost. Ganz allmählich kommt der Wincl, cler zunächst sehr schwach 
ist, mehr aus ostsüdöstlicher, später südöstlicher Richtung. Zu gleicher Zeit, oft schon bevor ein 
Drehen des Windes einsetzt, erscheinen am wolkenlosen Himmel einzelne Cirrusfahnen mit 
kaum merkbarer westöstlicher Zugrichtung. Der Frost läßt merklidt nach in dem Maße, wie 
sich cler Himmel mit einem Cirrusschleier bedeckt. Am Lage macht sich die Insolation trotz der 
Cirrusschicht bemerkbar, wird aber nachts nicht mehr durch Ausstrahlung voll wettgemadit. 
Mit zunehmender Eintrübung und verstärktem Druckfall frischen die Südostwinde auf. Die 
ersten Frontalschneefälle setzen ein. Jetzt beginnt sich cler Frost bei zunehmendem Südostwind 
zu verschärfen. Erst mit dem Aufhören des Sdtneefalls ist cler Durchgang der Front am Boden 
vollzogen, womit ein plötzlicher Temperaturanstieg verbunden ist sowie Abflauen des Windes 
unter gleichzeitiger Drehung nach Südwest. Bei höherer Temperatur cler andringenden 
Warmluft fällt cler Niederschlag bereits in flüssiger Form bzw. als Eisregen, wenn am Boden 
noch Kaltluft vorhanden ist. Eisregen bei —5° am Boden ist durchaus keine Seltenheit; solche 
scharfen Gegensätze im Frontbereich treten jedoch nur bei sehr kräftigen Zyklonen bzw. starker 
voraufgegangener Kaltluftbildung auf. 
Die vorübergehende vorfrontale Frostversciiärlang wandert mit der Front in deren Richtung weiter. Bei schwach 
ansgebildeten Fronten, die gar keine große Erwärmung mehr bringen, ist auch das Absaugen kontinentaler KL nicht 
ausgebildet. Es braucht daher nicht jede Südoststrümung gleichzeitig eine Teinperatnrernicdrigung zu bringen. Am 
deutlichsten ausgeprägt erscheint eine solche in Vorpommern, denn dort sind Ost- bis Nordostwinde, welche in Ost 
deutschland sonst starken Advcktivfrost bringen, stärker durch die Sec gemildert, während Südostwinde hier voll- 
kontinental dem gegeniiberstehen. 
Eine Südostströmung braucht natürlich nicht immer einem Nordostluftvorstoß zu folgen, 
sondern kann durch Rüdedrehen des Windes zustande kommen. Besonders ausgeprägt ist diese 
Form in Nordlappland. An der Eismeerküste ist die Südwestströmung voll entwickelt. Mit 
dem Annähern von Tiefdruckkernen, die im übrigen nördlich der Küste vorbei ziehen, dreht cler 
Wind auf südliche bis südöstliche Richtung. Dann weisen die Stationen Tngö bzw. Vardö ge 
genüber der relativ milden Temperatur innerhalb der bisherigen Südwestströmung einen 
scharfen Temperatursturz auf (vgl. S. 137). Bei dieser Wetterlage, die weiter nichts ist als eine 
häufig wiederkehrende vorfrontale Oszillation der innerlappischen KL, treten die tiefsten Tem-
	        
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