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Full text: 60, 1940

Joachim Bliithgcn: Geographie der winterlichen Kaltlufteinbrüche in Europa. (15 
Auftreten eines anderen KE-Typs zuriiekz.uführen ist. kommt es zu tiefen Strahlungsminima, 
welche besonders dort hervortreten, wo soldie Kältegrade dnrdi Advektion aus NO nicht mehr 
erreidit werden, also im südlichen und westlichen Mitteleuropa (Winter 1959/40). Die geringere 
Häufigkeit des Auftretens dieses KE-Typs zeigt ferner, daß Tra nsport von Luftmassen, sei 
es nun Warmluft oder Kaltluft, über Mitteleuropa weit ausschlaggebender ist als stationäre 
Verhältnisse mit stärkeren Anzeichen von Strahlungsklima. 
van Beb ber (1901) hat derartige mitteleuropäische Kaltluftkissen bei seinem Zentraltyp II ausführlich be 
sprochen: Als reiner Strahlungstyp hängt es von den Begleitumständen ab, ob er im Winter zu strenger Kälte führt. 
Er leitet sidi meist von Nordwestluftzufuhr her. ist jedoch im Winter relativ selten, dann aber nebelreich. — Da, wie 
schon hieraus hervorgeht, van Bebbers Zentraltyp ziemlich genau mit unserem C-KE-Typ übereinstimmt, sei 
aus seiner Schrift ...Das Wetter in den barometrischen Maxima“ (1892) wörtlich noch folgendes über diese reine Hocli- 
drucklage übernommen (S. 11/12): „Die zentrale Lage ist in bezug auf die Temperaturabweichungen im Jahresdurch 
schnitt negativ, am meisten negativ für die südlichen Gebietsteile, in welchen NO-Winde vorherrschen. In allen 
Jahreszeiten ist die mittlere Temperaturabweichung negativ, am meisten zur Winterszeit, nur die Monate von Mai 
bis Juli zeigen einen geringen Wärmeüberschuß; ... es erscheint bemerkenswert, daß die negativen Abweichungen 
im Winter gegenüber denjenigen in den anderen Lagen sehr gering sind, während im Sommer die Temperaturver 
hältnisse mitten im Maximum einen nahezu normalen Wert haben. Dieses Verhalten steht nicht im Einklang mit 
den Bemerkungen, welche man vielfach zur Charakteristik des Wetters in den Maxima angeführt findet, nämlich, 
daß diese sich auszeichnen durch große Hitze iiu Sommer und strenge Kälte im Winter. Im allgemeinen trifft diese 
Bemerkung nicht zu, wohl aber in Einzelfällen..., in welchen die Ein- und Ausstrahlung unter günstigen Verhält 
nissen längere Zeit gewirkt haben. In den allermeisten Fällen ist es der Lufttransport, welcher das 
Übermaß oder clen Mangel in unseren Gegcnde n d er Hauptachse nach beding t." — Nach 
dem eben genannten Verfasser geht dieser Typ häufig in eine O- bis SO-Windlage über, die in unserer Gliederung 
dem vorfrontalen Absaugen von südosteuropäischer KL am Westrandc eines Hochs entspricht. (Vgl. nächstes Kapitel.) 
Die insgesamt nur etwa ein Zwölftel aller KE ausmaehenden C-KE beschränken sich auf 
die Zentralwintermonate. Ihr breites Maximum reicht von Dezember mit schwacher 
Erniedrigung bis Februar. Selbst der März zeigt noch einen hohen Wert, dagegen treten sie 
im April überhaupt nicht mehr auf. Der Anstieg im Oktober und November geht allmählich 
vor sich. Die relativ" große Zahl im März mag hier zunächst verwundern im Hinblick auf das 
zuvor Gesagte. Jedoch handelt es sich bei clen Fällen des März um rasch degenerierende C-KE. 
welche sich vorzugsweise an die vorangegangene Advektion kalter Nordostluft anschließen: 
sie zeigen zwar das gleiche Strömungsbild, in ihren Eigenschaften weichen sie aber bereits von 
den hochwinterlichen Fällen ab, und in ihrer Entwicklungstendenz stehen sie jenen sogar 
gegenüber. Die Einzelheiten des Jahresganges seien in Kapitel C 7 behandelt. 
Das Maximum der Dauer liegt bei clen 2tägigen Fällen, sofern wir nur ihre Zahl be 
trachten: hinsichtlich der Tagessumme treten die 4 tägigen nahe heran. 
Was die Reichweite betrifft, so fällt die große Häufigkeit in West- und Südeuropa auf. 
Spanien und Italien zeigen ebenso wie Frankreich mehr Fälle dieses Typs als NO-KE: für diese 
Gebiete ist der C-KE cler eigentliche Frostbringer, wie wir schon S. 64 andeuteten. Nach der 
Ostsee hin fällt die Häufigkeit stark ab, und Südschweden wird nur von einem Viertel aller 
Fälle erreidit. Daß er in den südlicheren Teilen, also in Italien, nur von Dezember bis Februar 
auftritt, findet im Strahlungsgang seine Begründung; es sei bemerkt, daß in Spanien auch noch 
der November und März umfaßt werden. Die stärkere Betonung des Februar und März, welche 
in so weit südlich gelegenen Gebieten vielleicht verwundert, muß folgendermaßen erklärt 
werden: Bei den Frösten dieses Typs handelt es sich in Südeuropa um aus Mitteleuropa heran 
geführte KL. in der heiterer Himmel zu Strahlungsfrost führt. In diesem südlichen Sektor der 
C-KE sind die Eigenschaften andere als in cler Wurzelzone über Mitteleuropa, mit der sie aber 
genetisch Zusammenhängen. 
Frankreich besitzt sogar gegenüber Norddeutschland ein Übergewicht, das noch ent 
sprechend im peripheren Bereich, welches von cler Wurzelzone aus strahlenförmig nach Süd 
schweden, England, Spanien und Italien reicht, in England wiederzuerkennen ist. Bemerkens 
wert mag noch sein, falls dies bei der geringen Anzahl cler Fälle überhaupt schon reell ist, daß 
der Dezembergipfel nur im zentralen Teil von Süddeutschland über Frankreicli bis England 
besteht, in den anderen peripheren Gebieten sich aber mehr auf Januar und Februar ver 
schiebt. Das würde bedeuten, daß die Ausdehnung der C-KE in den Monaten Januar und Fe 
bruar wächst.
	        
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